Sonntag, 16. Juni 2019
Donnerstag, 10. Januar 2019

TORGAU

Torgaus Millionär der Lüfte

Heinz Wicher (Mitte) 2017 zu Gast in der russischen Hafenstadt Wladiwostok.Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. In den letzten 25 Jahren flog Heinz Wicher über 1 000 000 Kilometer und besuchte dabei fast alle Staaten der Erde. Mittlerweile ist er fast 80 Jahre alt und hängt sein Hobby an den Nagel.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Eine Reise in die Vereinigten Staaten, den australischen Busch oder die entlegenen Winkel Asiens oder Südamerikas. Von solchen Reisen träumen, gerade an solch tristen Wintertagen wie sie grade herrschen, viele Menschen. Durchführen können das nur wenige, und wenn dann müssen sie sich für ein besonderes Reiseziel entscheiden. Nicht so der Torgauer Rentner Heinz Wicher. Er war in der Welt zuhause, hat so ziemlich jeden Winkel von ihr gesehen und ist damit in den letzten 25 Jahren über eine Million Kilometer geflogen. Doch jetzt ist für ihn Schluss mit den Flugreisen und er blickt für die TZ in die bewegte Vergangenheit.

Nach der Wende kam das Reisefieber

Heinz Wicher ist fast 80 Jahre alt, kommt gebürtig aus Leipzig und war in seiner Zeit vor der Rente studierter Lehrer. Er wuchs in der DDR auf, wo es mit dem Reisen nicht gerade rosig aussah. „Wir sind im Urlaub hin und wieder mal nach Ungarn oder Tschechien gefahren“, sagt er. „Aber größere Reisen, die gab es nicht. Das hat uns aber auch nicht gestört, wir kannten es ja damals auch nicht anders. Das Bedürfnis nach der großen Welt hatte von uns keiner.“

Eine Tatsache, die sich mit der Wende schlagartig änderte. Denn als sich die Grenzen öffneten, wuchs der Entdeckerdrang in dem damals bereits 50 Jahre alten Mann und er nahm sich vor, die Welt zu sehen. Seine erste Reise führte ihn im Juli 1990 zusammen mit seiner Frau Christel nach Österreich, genauer gesagt  nach Mayrhofen in Tirol. Damals war er zwar noch mit Bus und Zug unterwegs, doch er fand direkt Gefallen am Reisen und so wurde jedes Jahr wieder aufs neue in die weite Welt gestartet. 1993 machte er sich dann auf und stieg das erste mal an Bord eines Flugzeuges, welches ihn und seine Ehefrau von Düsseldorf nach Los Angeles brachte.

In den nächsten 25 Jahren besuchte Heinz Wicher als Tourist 162 der insgesamt 196 Staaten der Erde. Dabei stattete er sämtlichen 45 Staaten Europas, allen 35 Staaten Amerikas mit der Karibik einen Besuch ab, war in 45 von 48 Staaten in Asien sowie 8 von 14 Staaten Ozeaniens. Und auch Afrika hatte er in der Vergangenheit des Öfteren einen Besuch abgestattet, wegen der Gefahr von Gelbfieber und Malaria sowie den teilweise prekären politischen Situationen, fehlen ihm hier jedoch noch 25 der 54 Staaten. „Das wird auch in diesem Leben nichts mehr“, sagt der mittlerweile fast 80-Jährige. Er hat mit der großen Reiserei abgeschlossen, auch wenn er in den letzten 28 Jahren zahlreiche beeindruckende Menschen getroffen und immer wieder neue Ort gesehen hat. „Mein Leitspruch war immer: Einmal sehen ist besser als 100 Mal hören. Nun habe ich jedoch mein Ziel erreicht und eine Million Flug-Kilometer gesammelt, jetzt kann ich mich wirklich fast zur Ruhe setzen.“

Dieses Bild wurde 2016 auf dem Flughafen Moroni auf den Komoren aufgenommen. Im Hintergrund sieht man den aktiven Vukan Karthala.

Reisen ohne Internet und Smartphone

In einer Zeit, in der die meisten Menschen mithilfe von Preisvergleichs-Portalen und Online-Reisebüros im Internet ihre Urlaube buchen, ist es kaum noch vorzustellen, dass Heinz Wicher fast jeden Winkel der Welt ohne den Einsatz moderner Mittel ,besuchte. Einen Computer besitzt Heinz Wicher bis heute nicht. Die Flüge und Hotels wurden über das Reisebüro gebucht, Informationen über das entsprechende Reiseziel aus Katalogen und Büchern herausgesucht und der Aufenthalt vor Ort mit einer kleinen Digitalkamera oder einem Einweg-Fotoapparat dokumentiert.

„Wenn ich in ein neues Land kam, dann steuerte ich immer besonders gerne die Postämter, botanischen Gärten sowie Bahnhöfe und Denkmäler an“, erzählt Wicher. Besonders wichtig waren für ihn die Postämter, in denen er sich immer einen ganzen Satz Postkarten für Freunde und Verwandte holte. Um sicherzustellen, dass diese die Karten dann auch bekamen, hat er sich einen besonderen Trick überlegt: „Anstatt meine Postkarten zu verschicken, überbrachte ich sie immer selbst. Damit es dann aber so aussieht, als wäre die Karte mit der Post gekommen, habe ich direkt vor Ort eine Briefmarke darauf geklebt und sie abstempeln lassen. Wenn ich dann wieder von der Reise zurück bin, wartete ich noch ein paar Tage und schmiss die Karte dann in den Briefkasten. Ein einfacher, aber todsicherer Trick.“

Heinz Wicher im Jahr 2000 vor dem Post-Museum in Port Louis auf Mauritius. Dort hat er sich einige Postkarten stempeln lassen.

Das Geld fließt in die Reiselust

Auch wenn der teuerste Urlaub von Heinz Wicher und seiner Frau, eine Reise durch Japan, Taiwan und Südkorea, „gerade einmal“ 2500 Euro pro Person kostete, stellt sich einem bei der enormen Dichte an Flügen, die Ehepaar und er seit 2011 allein absolvierte, doch die Frage nach der Finanzierung. Wie konnte es sich Heinz Wicher leisten, jeder Jahr quer über den Globus zu fliegen? Die Anwort des Rentners ist ganz einfach: „Wir haben kein Auto und kein Grundstück“, sagt er schmunzelnd. „Wir haben schon vor der Wende viel gespart, gut angelegt und konnten es uns somit erlauben, durch die Welt zu reisen.“

Heinz Wicher und seine Frau Christel stoßen auf die Ankunft am Polarkreis in Finnland an. Aufgenommen im Jahr 2005, als die beiden eine Busreise durch Nordeuropa machten.

 

INFO

Wer nach der Lektüre dieses Beitrags nun ebenfalls Lust bekommen hat, es Heinz Wicher nachzueifern und die Welt zu bereisen, für den hat der 80-jährige Torgauer noch einige wichtige Hinweise: „Für mich war vor allem die richtige Ausrüstung bei meinen Reisen enorm wichtig. Um unterwegs immer alles griffbereit zu haben, trage ich bei der An- und Abreise immer eine Weste mit 14 Taschen. In meinem Gepäck dürfen eine Landkarte inklusive Stadtplan, Radio, Kompass und Kurvimeter (ein Messgerät zur Distanzmessung in Karten; Anm. d. Red.) sowie Sprachhilfen, ein Wanderstock und meine Einwegkamera nicht fehlen. Außerdem bringe ich nicht nur Souvenirs mit nach Hause, sondern nehme auch kleine Geschenke aus Deutschland mit auf meine Reisen.“

Zudem, so rät der Reise-Experte, solle man immer daran denken, seinen Koffer mit einem Band zu markieren, die Geldbörse mit einer Kette an der Hose zu befestigen und für die ersten Tage im fremden Land entsprechende Verpflegung mitzunehmen. „Und auch wenn die Angaben des auswärtigen Amtes oftmals etwas übertrieben sind, sollte man sich im Vorfeld trotzdem darüber informieren.“

Auf den Reisen von Heinz Wicher unabdingbar: Eine Weste mit vielen Taschen. Hier im Einsatz in Litauen, als er 2012 den geografischen Mittelpunkt Europas besuchte.

 

Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern suchen:

Heinz WicherMillionärReisen


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Aktionstage Unternehmensnachfolge: Branchensprechtag
19.06.2019, 09:00 Uhr - 17:00 Uhr
Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen
20.06.2019, 09:30 Uhr - 15:30 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
20.06.2019, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
4. Gewerbetag Elektromobilität
21.06.2019, 14:00 Uhr - 18:00 Uhr
10. Fachtagung "Energie-Effizienz-Strategie" 2019
25.06.2019, 13:00 Uhr - 17:30 Uhr
Innenstadtforum 2019
26.06.2019, 10:00 Uhr - 13:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
27.06.2019, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Workshop - Suchmaschinenoptimierung
28.06.2019, 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
Kreativtreff "Ab in die Mitte!"
01.07.2019, 13:00 Uhr - 16:30 Uhr
Workshop: Kundenservice der Zukunft
02.07.2019, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Hamburg - Hafen verbindet
02.07.2019, 18:00 Uhr - 21:00 Uhr
Auditieren mit Tablet
03.07.2019, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Indonesien als Wirtschaftspartner
04.07.2019, 10:00 Uhr - 14:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
10.07.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
07.08.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
14.08.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Aktuelle Entwicklungen im Gewerberaummietrecht
10.09.2019, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
11.09.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
18.09.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
26. Sachverständigentag in Leipzig
26.09.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
09.10.2019, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Gründerabend
16.10.2019, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Business-Speed-Dating auf der Designers Open 2019
25.10.2019, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Workshop: Neue Strukturen im HR-Bereich
29.10.2019, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Seminartag (nicht nur) für das Gastgewerbe
04.11.2019, 10:00 Uhr - 15:00 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

fotowettbewerb

Torgauer Stadtmagazin

INFOS & EMPFEHLUNGEN