Samstag, 19. September 2020
Samstag, 12. September 2020

TORGAU

Wasser aus Fluss und Heide gegen den Durst der Torgauer

BLZ-Brunnenbau-Geschäftsfürhrer Peter Müller im Seilbagger und einer seiner Mitarbeiter am Bedienpult für die Verrohrungsmaschine beim Teuften eines neuen Brunnenschachts für die Fernwasserversorgung.Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau/Loßwig. Mit schwerer Technik war die Firma BLZ-Brunnenbau in dieser Woche in der Elbaue bei Loßwig unterwegs. Wie die Versorgung mit Trinkwasser für Torgau sichergestellt wird und welche aktuelle Baustelle dafür nötig ist, lesen Sie hier.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Neulich auf dem Elbdamm südlich von Torgau – Der Blick schweift über die Wiesen, in denen hin und wieder Baumgruppen und Hecken zu sehen sind. Zwischen den Bäumen blitzen oben verschlossene Edelstahlrohre durch reflektiertes Sonnenlicht auf. In der dem Betrachter nächstgelegenen Baumgruppe sind aber auch ein Lkw und etwas weiter hinten ein Gittermast zu sehen. Schwere Technik in der Trinkwasserschutzzone I? „Ja“, bestätigt Anne Reyer den ungewöhnlichen Anblick. Hier saniere die BLZ Brunnentechnik im Auftrag der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz die Brunnen 1, 2 und 26. „Diese haben sich zugesetzt“, informiert die Leiterin Öffentlichkeitsarbeit der Fernwasserversorgung. Wasser für Mitteldeutschland zu liefern, ist des Unternehmens tägliche Aufgabe.

Blick in die Elbaue – mit Baustelle für die Brunnen 1 und 2.

Die Wasserversorgung Torgaus
Die Brunnen würden nun aber nicht mehr gereinigt, sondern stattdessen werde einfach jeweils daneben ein neuer Brunnen gebohrt. „Die alten Brunnen werden dann zurückgebaut“, so Anne Reyer weiter. Insgesamt betreibt die Fernwasserversorgung 42 Brunnen in der Elbaue zwischen Torgau und Belgern. Diese liefern bis zu 100 000 Kubikmeter Wasser pro Tag, davon bis zu 150 Kubikmeter je Stunde und Brunnen. Doch nicht alles davon kommt an Togaus Wasserhähnen an. „Die eigentliche Trinkwasserversorgung macht der Zweckverband“, sagt Anne Reyer. Dieser betreibe sein eigenes Wasserwerk und kaufe das Wasser der Fernwasserversorgung dazu, um den Bedarf der Großen Kreisstadt zu decken. „Unser Wasserwerk in Mehderitzsch fördert 1800 Kubikmeter am Tag“, klärt Günter Schulz auf. Dabei versorge der Zweckverband das ganze Gebiet Torgau, Dreiheide und Dommitzsch, so der Leiter der Trinkwasserversorgung des Zweckverbandes zur Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung Torgau-Westelbien. Insgesamt liefere der Zweckverband circa 40 Prozent des Torgauer Wassers selbst. Die übrigen 60 Prozent stelle die Fernwasserversorgung bereit.

Heidewasser mit Elbbeimischung
Das Trinkwasser stammt einerseits aus Grundwasserleitern, die in der Dahlener Heide entspringen. Andererseits ist es sogenanntes Ufersubstrat. Dies ist im Torgauer Fall Elbwasser, das im Boden versickert. „Es dauert etwa ein halbes Jahr, bis es von der Elbe bei uns am Brunnen angekommen ist“, sagt Anne Reyer. Diese Brunnen reichen 50 Meter tief in den Boden, bis an die Sohle des Grundwasserleiters. Somit gebe es auch keine Probleme bei der Wasserversorgung, trotz der Trockenheit. Solche Brunnen haben eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren. Dann müssen sie erneuert werden. „Im Laufe ihres Betriebes setzen sich die Brunnen zu. Das überwachen wir mit ausgefeilter Technik“, erläutert die Leiterin Öffentlichkeitsarbeit der Fernwasserversorgung. Wenn die Brunnenleistung zu sehr absinke, werde dieser gereinigt. „Das kann man mehrmals machen, aber irgendwann wird die Spülung des Brunnens unwirtschaftlich“, schildert Anne Reyer. So könne man mit mehreren Jahren Vorlauf planen, wann welcher Brunnen zu sanieren sei.

Schützt das Wasser!
Das Gelände um die Brunnen ist Trinkwasserschutzzone I. Diese Bereiche sind .mit Hecken und Bäumen eingefasst. „Der Umkreis von mindestens zehn Metern um die Brunnen ist streng geschützt“, führt Anne Reyer aus. Hier dürfe man nicht mit dem Auto parken und auch keinerlei Abfälle oder Ähnliches hinterlassen. Also auch das Ausführen von Hunden habe hier zu unterbleiben. „Da wird schließlich Trinkwasser gewonnen“, macht Anne Reyer klar.

Großer, grüner Bagger
Die drei Brunnen werden von BLZ Brunnentechnik aus Torgau gebaut. Auffällig ist die Technik – ein großer, grüner Seilbagger vom Typ Sennebogen 630E. Dieser ist Peter Müllers neuestes Prunkstück in seinem Fuhrpark. Gut zehn Meter ragt der Ausleger in den blauen Himmel der Elbaue. Der Geruch nach Kunststoff und warmen Öl dringt aus dem Maschinenraum. Der Lack glänzt, selbst der Unterboden ist noch sauber.

Kompakter Seilbagger – Sennebogen 630E.

„Beim Hersteller ist es eher ein kleiner, aber für uns ist der Bagger schon richtig groß“, sagt der Geschäftsführer der BLZ Brunnenbau mit Stolz in der Stimme. Mit der gelben Verrohrungsmaschine bringt er 45 Tonnen Masse auf die Waage. „Das ist sein erster Einsatz“, so Peter Müller. Der Bagger sei am 10. August pünktlich mit der Baustelleneinrichtung direkt in die Elbaue geliefert worden. „Dort haben wir ihn dann auch aufgebaut“, erläutert der Brunnenbaumeister. Jetzt sitze er selbst an den Joysticks, um sein Werkzeug richtig kennenzulernen. Macht das Spaß, damit zu arbeiten? „Auf jeden Fall“, antwortet Peter Müller lachend.

BLZ-Geschäftsführer Peter Müller, neben ihm die Kiespumpe.

Ein Brunnen entsteht
Die Bohrung begann am Dienstag. „Mit dem Bohrgreifer“, erläutert Peter Müller. Mit diesem habe man sich durchs Deckgebirge gearbeitet. Aufgrund der günstigen Bodenbeschaffenheit drangen die Arbeiter am gleichen Tag um 20 Meter in die Tiefe vor. Bereits nach fünf Metern war die wasserführende Schicht erreicht. Nach weiteren drei Metern habe man dann den Bohrgreifer gegen die Kiespumpe ausgetauscht. Diese gehört zur Sorte der Kolbenpumpen, ist also mit der Luftpumpe vom Fahrrad vergleichbar. „Nur dass wir damit eben ein Kies-Wasser-Gemenge ansaugen statt Luft“, stellt der Brunnenbaumeister klar. In trockenem Erdreich würde diese gar nicht funktionieren, drum komme sie erst ab dem Wasseranschnitt zum Einsatz. „Bei 25 Metern kamen wir am Mittwoch in den Bereich des Filters“, blickt Peter Müller zurück. Am Freitag wurde schließlich die Endteufe von 50 Metern erreicht.

Während im Hintergrund noch am neuen Brunnen gebohrt wird, arbeitet der alte im Vordergrund weiter.

Während die Bohrtechnik über den Ausleger des Baggers an Seilen hängend gesteuert wird, sichert die Verrohrungsmaschine den Schacht gegen Einstürze. Dazu werden mit dieser Anlage Rohre mit 880 Millimeter Durchmesser ins Loch geschoben. Gleichzeitig führt sie eine rüttelnde Bewegung nach links und rechts aus. „So lockert die Maschine das Material. Dann kann das Rohr leichter hineingebracht werden“, erläutert Peter Müller. Für den Brunnen selbst kommen dann zwei weitere Rohre konzentrisch in den Schacht. Das innere misst 400 Millimeter im Durchmesser, das äußere 600 Millimeter. Wobei die Rohre im Prinzip nur aus Gittermaterial bestehen. „Das Gitter der Rohrwandung ist der eigentliche Filter“, sagt der Brunnenbaumeister. Die Zwischenräume werden dann schichtweise mit Kies verfüllt. Dieses in seiner Korngröße auf das umliegende Gebirge abgestimmte Steinmaterial stellt eine Filtervorstufe dar. „Man nennt das doppelte Kiesschüttung“, so Peter Müller. Damit könne man Rohre mit über die Länge gleichbleibenden Filterschlitzen verwenden. Mit jeder Schicht Kies werden dann auch die 880-Millimeter-Stützrohre schrittweise wieder entfernt. Zum Schluss kommt neben der Pumpe und dem Anschluss an die vorhandene Rohwasserleitung noch eine Brunnenstube oben auf den Schacht. „Dies ist dieser Betondeckel mit den herausschauenden Edelstahlstutzen, welche dann im Sonnenlicht glitzern“, erläutert Peter Müller.

Sand, Kies und Wasser sprudeln aus der Kiespumpe auf die Abraumhalde.
Blick durch den Ausleger auf das Bohrloch
Peter Müller
Öffnen des Schäkels zwischen Baggerseil und Kiespumpe
Ausleger und Seiltechnik von hinten.
Fast kein Dreck dran: Die Unterseite des funkelnagelneuen Baggers
Blick ins Bohrloch – bereits nach wenigen Metern ist das Grundwasser sichtbar.
Der Ausleger des Baggers.
Die Rohre zur Sicherung des Bohrloches mit dem Durchmesser von 880 Millimeter liegen bereit.
Der Bohrgreifer – Blick zwischen die geöffneten Schaufeln.

 


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
PIZnet-Aktionswoche
21.09.2020 - 21.09.2020
Ressourceneffizienz entlang der Wertschöpfungskette
22.09.2020, 10:00 Uhr - 12:00 Uhr
Spezielle Anforderungen der Funkanlagen-Richtlinie
05.10.2020, 14:00 Uhr - 15:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
07.10.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
9. Ostdeutsches Energieforum
13.10.2020, 11:00 Uhr - 14.10.2020, 15:30 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
04.11.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Informationsveranstaltung: Export für Einsteiger
09.11.2020, 09:00 Uhr - 17:00 Uhr
Gründerabend
11.11.2020, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Die neuen GoBD in der Praxis
23.11.2020, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr
Steuerliche Informationen für Existenzgründer
24.11.2020, 15:00 Uhr - 18:00 Uhr
So unterstützt der Staat bei der Fachkräftesicherung
25.11.2020, 16:30 Uhr - 18:00 Uhr
ÖPNV-Sprechtag: Mobilitätsberatung für Unternehmen
01.12.2020, 14:00 Uhr - 17:00 Uhr
Patentsprechtag: Schützen Sie Ihre Innovationen
02.12.2020, 09:00 Uhr - 15:00 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
03.12.2020, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr
Gründerabend
09.12.2020, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Der GmbH-Geschäftsführer
10.12.2020, 17:00 Uhr - 19:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

TZ-Probelesen

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga