Samstag, 24. Juli 2021
Dienstag, 4. August 2020

Boom bei Bempflinger

Marian Wendt (l.), Firmenchef Mirko SattlerFoto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. In der Corona-Krise sitzt auch schon mal ein Firmenchef hinterm Lenkrad und steuert einen 40-Tonner über den Brenner: Mirko Sattler, Geschäftsführender Gesellschafter der Bempflinger Lebensmittel GmbH, hatte heute Vormittag am Standort in Belgern viele Geschichten zu erzählen.

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Sattler sowie Qualitätschefin Skroland Bullwinkel fungierten dabei in der Gastgeberrolle – einerseits für den auf Sommertour durch den Wahlkreis fahrenden CDU-Bundestagsabgeordneten Marian Wendt, andererseits für das neue Belgern-Schildauer Führungsduo Matthias Griem (FWG, Bürgermeister) und Ingolf Gläser (CDU, 1. Vize-Bürgermeister).

Allen drei Gästen gemein war der Umstand, dass es ihr erster Besuch in dem direkt an der B 182 gelegenen Werk war, das nach erfolgter Umstrukturierung dem wirtschaftlichen Tod von der Schippe gehopst war. Innerhalb nur weniger Jahren haben es Sattler und seine Führungsriege geschafft, mit dem Mutterstandort in Altdorf (Baden-Württemberg) und dem in Belgern zwei Anker in der Lebensmittelbranche einzuschlagen. Mit einem Jahresumsatz von 26 Millionen Euro habe sich Bempflinger als Hersteller von Handels- und Eigenmarken einen sehr guten Ruf in der Branche erarbeitet, betonte Sattler. Freilich ist ein Großteil des Umsatzes in Altdorf verortet, wo knapp 100 Mitarbeiter für Supermarktketten und Discounter europaweit Suppen, Saucen, Fruchtzubereitungen oder auch Pasta-Fertiggerichte produzieren. Dem Standort in Belgern kommt dabei eine nicht minder wichtige Funktion zu: Hier werden nämlich die Verpackungen für den Handel konfektioniert, um danach beispielsweise nach Skandinavien transportiert zu werden. Sattler betonte bei einem Firmenrundgang, wie wichtig es ist, dass in Europa der Warenverkehr nicht durch Grenzen unterbunden werde – auch nicht im Zuge der Corona-Krise. Diese habe ihm zahlreiche schlaflose Nächte bereitet, obwohl sein Unternehmen bis Ende März eine Versechsfachung (!) bei der Bestellmenge verzeichnet habe. Ein Traum für jeden Unternehmer. Ein Albtraum für die Logistik, wenn Grenzschließungen das Produktionsgetriebe zum Stottern bringen. Stichwort Grenze: Der durch Corona ausgelöste häusliche Nachfrageboom habe dazu geführt, dass das Unternehmen an seine Grenzen gestoßen sei.

„Das führt am Ende dazu, dass man sich von der Welle überrollen lässt, sich kurz schüttelt und das macht, was möglich ist“, blickt Sattler auf eine turbulente Zeit zurück. Schnell habe man erkennen müssen, dass man der enormen Nachfrage mit Zusatzschichten nicht viel entgegensetzen konnte und man sich aufs Tagesgeschäft konzentrierte.

Um sich von den Handelsmarken  ein wenig zu lösen verfolgt Bempflinger mit der Entwicklung eigener Fertig-Produkte unter dem Label „Tasty Taste“ seit 2018 einen nach Angabe Sattlers erfolgreichen Weg. In wenigen Jahren wolle sich das Unternehmen zudem von der gewöhnlichen Weißblechdose als Verpackung verabschieden. Aktuell bereits mit dem sogenannten Standbodenbeutel im Geschäft – einer Verpackung, die aus einer recyclebaren Folie und einem Papier besteht – baue man derzeit mit Tetra Pak an einer in Deutschland neuartigen Abfüllanlage, die Anfang des kommenden Jahres die Produktion aufnehmen soll. Hinter dem Begriff „Tetra Recart“ versteckt sich dabei eine Technologie, die die bekannte Tetra Pak-Verpackung autoklavierbar macht. Dabei handelt es sich um ein Sterilisationsverfahren, mit dem Lebensmittel haltbar gemacht werden können.

Die Markteinführung am Standort in Altdorf wirkt sich nach Angabe Sattlers auch auf Belgern aus. „Wir werden Produktionsprozesse hierher verlagern“, sagte er.

Dadurch dürfte die für 2020 anvisierte Größenordnung von 20 Millionen in Belgern abgepackter Fertiggerichte wohl noch einmal spürbar anwachsen. Nicht ohne Grund verwies Sattler auf geplante Umbauten am Rolandstädter Standort, die – corona-bedingt – möglicherweise schon im kommenden Jahr in Angriff genommen werden.

Im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Marian Wendt begrüßte Sattler nicht nur die in der Diskussion befindliche Einführung einer Lebensmittelampel für Verpackungen. Sattler nahm beim Thema Infrastruktur und Corona-Hilfen kein Blatt vor den Mund. In der gesamten Region Leipzig beziehungsweise im gesamten Osten der Republik sei es derzeit sehr schwer, den Kontakt zu den Mutterfirmen in Süddeutschland aufrechtzuerhalten. Zwar könne erstaunlich viel über Videokonferenzen abgedeckt werden, doch machten fehlende Flugverbindungen das Pendeln zur Tortur. Mit Argwohn betrachtet Sattler die Rettung der Deutschen Lufthansa mit Steuermilliarden. Sein ernstgemeinter Seitenhieb in Richtung Wendt: Wenn sich die Regierung schon eine Fluglinie leiste, solle sie auch für intakte Flugverbindungen sorgen.

Und noch eins brannte Sattler auf den Nägeln: Der Mittelstand in der Lebensmittelbranche werde  auch wegen Corona regelmäßig durchleuchtet. Ihm sei es mit Blick auf die bundesweiten Lebensmittelskandale schleierhaft, wie die äußerst wichtigen Hygieneregeln gerade bei Großunternehmen derart ins Leere griffen. Sattler sprach in diesem Zusammenhang von einer gefühlten Benachteiligung des Mittelstands.

In Sachen Mehrwertsteuersenkung musste er die Stirn runzeln. „Das hat unserem Unternehmen über den Daumen gepeilt 50000 Euro gekostet; ohne jeden Nutzen“, erläuterte er die Kosten für die Softwareumstellungen im gesamten Produktions- und Handelsgefüge.

Für Marian Wendt war der Besuch bei Bempflinger eine weitere Station auf dessen am Montag begonnener Sommertour, dem am Dienstag weitere Besuche bei HIT Holz Torgau, bei Harry Liebmann im Audenhainer Heimatmuseum und beim Mockrehnaer Maschinenbauhersteller Kötz & Kötz folgten. Am Donnerstag geht es für Wendt nach Schmannewitz (Median) und nach Oschatz (Frankenstolz).

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