Mittwoch, 28. Juli 2021
Mittwoch, 7. Juli 2021

"Den letzten Schliff zum Imkern muss man sich selbst  beibringen."

Lothar Otto präsentiert eine Bienenwabe, die mit reichlich Honig gefüllt ist. Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Blumberg/Arzberg. Dieses Mal stattete die TZ zur Sommertour dem Imkerverein Torgau und Umgebung e. V. einen Besuch ab und erfuhr wissenswerte und spannende Fakten über die geflügelten Honiglieferanten.

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“Wer rastet, der rostet“, könnte das Motto von Lothar Otto sein. Denn als für den heutigen Vorsitzenden des Imkervereins Torgau und Umgebung e. V. 2015 das Ende des aktiven Berufslebens als Diplom-Elektroingenieur eintrat, war ihm sofort klar, dass er sich ein neues Hobby suchen würde, um sich sinnvoll die freie Zeit zu vertreiben. Da er in seinem Elternhaus mit Bienen aufgewachsen sei, lag sofort die Idee nahe, sich zukünftig als Imker zu betätigen. Gedacht, getan, und so trat er im Januar 2015 dem ?Imkerverein Torgau ?bei, in welchem er seit Januar 2016 schließlich den Vorsitz übernahm. Der Verein zählt inzwischen 55 Mitglieder und hat seit Januar 2016 seinen Sitz in Arzberg. ?

Intensive Vorbereitung nötig

Insgesamt 29 Bienenvölker kann Otto heute sein Eigen nennen, zudem besitzt seine Frau noch 2 und sein Sohn 3. Bevor er sich aber diese beachtliche Anzahl an Bienenvölkern aufbauen konnte, war eine intensive Vorbereitung nötig – denn Imker wird man nicht einfach so ohne irgendwelche Vorerfahrung. „Das Rüstzeug für eine erfolgreiche Ausbildung zum Imker wird Interessenten in Grundlehrgängen im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch vermittelt. Der praktische Teil des Lehrganges wird im Bienenlehrstand des Gutes Köllitsch unter fachmännischer Anleitung absolviert“, erklärt er. Da einem Neueinsteiger in die Welt der Imkerei zudem empfohlen wird, eine Zeit lang einen erfahrenen Mentor zu begleiten, hatte er Bienenpatenschaften mit der Imkerei Grabein in Arzberg und der Imkerei Clauß in Schildau, wo ihm Erfahrungen, Handfertigkeiten und Tricks an die Hand gegeben wurden. „Den letzten Schliff zum Imkern muss man sich dann allerdings selbst durch eigene Arbeit beibringen“, betont der Vereinsvorsitzende.

50 000 Bienen je Volk

Angefangen hat Lothar Otto mit ein paar Bienenkisten, die er sich bei einem hochwertigen Händler für Imkereibedarf im Internet bestellt hatte, später stellte er solche Kisten auch selbst in Handarbeit her. Heute bevölkern schätzungsweise 50 000 Bienen je Volk seine 29 Bienenstöcke. Das älteste Volk stammt von 2015. Doch Biene ist nicht gleich Biene, macht er deutlich. Ein Volk besteht immer aus den weiblichen Arbeiterbienen, den männlichen Drohnen und einer Bienenkönigin. Die Arbeitsbienen, welchen unter anderem die Versorgung des Nachwuchses, die Herstellung des Honigs und vor allem auch die Verteidigung der Bienenstöcke gegen Feinde wie zum Beispiel Wespen obliege, benötigen 21 Tage, bis sie „reif“ sind, die männlichen Drohnen, welche ausschließlich für die Befruchtung der Königin zuständig seien, entwickeln sich in 24 Tagen von der Larve zur Biene und die Bienenkönigin, welche den Nachwuchs produziere, sei mit 17 Tagen am schnellsten, wie Otto ausführt. 

Ein Liter Honig aus einer Wabe

„Die unterste Etage eines Bienenstocks ist die Kinderstube, in welcher der Nachwuchs aufwächst“, erklärt Otto, „und die oberste beziehungsweise – wenn vorhanden – mittlere ist die Vorratskammer beziehungsweise Honigstube. An den dunkleren Waben erkennt man, dass die Bienenkönigin Nachwuchs zeugt. Für Lothar Otto als professionellem Imker, der die Erzeugnisse seiner Bienen auch verkauft, ist natürlich besonders die Honigstube von Interesse. Neben dem Honig, den er den Bienen lässt, um ihren Eigenbedarf zu decken und ihren Nachwuchs zu versorgen, kann er aus einer Wabe einen Ertrag von einen Liter Honig herausholen. 

Das funktioniert durch eine so genannte Schleuder, in welcher er die Waben platziert und mit der anschließend der Honig herausgeschleudert wird. Da sie Platz für vier Waben bietet, kann man so mit einem Mal vier Liter Honig aus vier Waben gewinnen. Vor dem Schleudern misst er allerdings erst einmal mit einem Refraktometer, ob der Honig überhaupt schon reif ist, indem er direkt aus der Wabe etwas von dem flüssigen Gold auf das Gerät streicht. „Es darf laut Imkerbund maximal ein Wassergehalt von 18 Prozent im Honig enthalten sein.“ Nach dem Schleudern filtert er den Honig durch ein sehr feines Sieb, entnimmt dann aus einem Zapfhahn das fertige Produkt und füllt dieses in die dafür vorgesehenen Gläser ab. „Durch den hohen Zuckergehalt hält sich der Honig sehr lange“, so der Hobbyimker. 

Nektarquelle bestimmt die Farbe

„Mein Favorit ist Lindenblütenhonig“, schwärmt Lothar Otto. Woher eigentlich die unterschiedliche Farbe der Honigsorten komme? „Die Honigfarbe wird bestimmt von dem Nektar, den die Bienen eintragen. Im Jahreslauf werden beispielsweise Raps-, Robinien-, Sonnenblumen- oder auch Waldhonig geerntet. Sehr heller, fast weißer Honig entsteht durch Raps- oder Apfelblüten, bernsteinfarbener Honig entsteht durch die Akazie oder Robinie. Ab Mitte September ist dann das Bienenjahr auch bereits vorüber und sie müssen für den Rest des Jahres von ihren Vorräten leben. Zusätzlich wird noch mit gekauftem Kunsthonig zugefüttert und im Frühjahr geht dann das Bienenjahr wieder los.“

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