Mittwoch, 28. Juli 2021
Donnerstag, 8. Juli 2021

Einstige Schönheit kehrt zurück

Ein Idyll: der Rosengarten mit seinen Wasserspielen und Pavillons. Objektmanager Holger Wolf verbindet mit dem Paradebeispiel barocker Gartenbaukunst Erinnerungen an seine Kindheit. Foto: Heiko Betat

Von unserem Redakteur Heiko Betat

Behutsam werden Baudenkmale auf dem Tiefenauer Schlossgelände rekonstruiert 

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Tiefenau. Bis Golfmobile übers Grün rollen und sich Golferinnen und Golfer zum Sundowner auf der Terrasse ihrer Unterkunft niederlassen, wird in Tiefenau noch einiges an Wasser die Kleine Röder hinunterfließen. Allerdings nimmt das Projekt „4-Sterne-Golf-Resort mit 18-Loch-Golfplatz" seit dem Startschuss vor vier Jahren immer mehr Gestalt an.


Holger Wolf braucht nur noch einen kleinen Moment, um die Arbeitsutensilien beiseitezustellen. Nun kann der kleine Rundgang mit dem Objektmanager starten. Im ehemaligen Wirtschaftshof fällt der Blick zuerst auf das westliche Torhaus. Noch ist es von einer Bauplane verhüllt. Diese zeigt aber ein Foto von der bereits fertiggestellten, von der B169 aus sichtbaren Fassade des baugleichen östlichen Torhauses, in welches perspektivisch ein Café und ein Hofladen einziehen sollen. Damit wird dem Betrachter ein Eindruck vom Gebäudeensemble nach der Sanierung vermittelt. Und es „thront" ein neuer Dachstuhl auf dem westlichen Torhaus, ausgeführt vom Oschatzer Bauunternehmen Voigtländer unter Verwendung der noch gut erhaltenen Balken. Der Denkmalschutz gab als Ziel aus, möglichst viel von der im Original erhaltenen Bausubstanz zu bewahren. „Eventuell ist das Dach im Herbst fertig", wagt Holger Wolf eine Prognose. Der Unsicherheitsfaktor hierbei sei allerdings das derzeitige Problem mit der Materialbeschaffung und den explodierenden Preisen. Eingedeckt werde das Dach mit Biberschwänzen.


Während die Torhäuser zusehends ihren ruinösen Zustand abschütteln, scheint das Wirtschaftsgebäude, das den einstigen Schlosshof im Süden begrenzt, in Erinnerung rufen zu wollen: „Seht her, keine Minute später. Dann wäre nichts mehr zu retten gewesen!" Als Ur-Tiefenauer freut sich Holger Wolf natürlich, dass sich ein Investor für das herrschaftliche Anwesen erwärmte und es nach 27 Jahren Leerstand und Verwahrlosung seit 2017 vor dem weiteren Verfall bewahrt.
Als „linke und rechte Hand" und „Mitarbeiter Nummer eins" des niederländischen Eigentümers ist dem Objektmanager schnell anzumerken, dass er nicht irgendeinen Job ausübt, sondern mit Herzblut dazu beiträgt, in seinem Heimatort ein architektonisches Juwel wieder erstrahlen zu lassen – mit der Heckenschere, der Maurerkelle, dem Zimmermannshammer oder am PC. Kurz: als Mädchen für alles.  Ob das Areal eine Zukunft habe – darüber herrschte im Ort anfangs Skepsis. Aber schon bald freute man sich, dass es vorwärtsgeht.
Das wird es übrigens auch schon bald hinterm Rosengarten. An der Alten Schäferei soll das Ferienhausgebiet Nord mit etwa 30 Unterkünften entstehen. Die archäologischen Voruntersuchungen sind abgeschlossen. Nach der Asbestbeseitigung ist der Abriss von Stall und Offenscheune geplant, sodass noch in diesem Jahr mit der  Erschließung begonnen und ein erstes Musterferienhaus errichtet werden kann.


Während dies ganz realistisch klingt, sind die Pläne für das unter dem kursächsischen Oberhofmarschall Graf Ferdinand August von Pflugk um 1710 errichtete und 1948 „zur Baumaterialgewinnung" abgerissene Schloss noch Zukunftsmusik. Dereinst soll ein Neubau am früheren Standort dem barocken Zweigeschosser mit gartenseitigem Wassergraben und Brücke zumindest äußerlich gleichen.  
Welche Pracht hier einst vorhanden war, ist im Rosengarten ablesbar – an den vier kunstvollen, plätschernden Brunnen und Pavillons, vor allem am Grottenpavillon mit seinem üppigen Stuck und den beiden Wasserspielen. In der Mitte des symmetrisch angelegten Barockgartens, der auch während der Bauphase montags bis donnerstags von 9 bis 16, freitags von 9 bis 14 und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden kann, klafft hingegen ein Loch. Teile des maroden Mittelbrunnens befinden sich gegenwärtig wenige Meter entfernt in Restauratorenhänden, wo der Sandstein gereinigt und Unrettbares fachmännisch ersetzt wird.


Die Rosen stehen in voller Blüte, und der Zünsler ließ bislang die Buchshecken in Frieden. Ein Idyll, das zum Verweilen einlädt. Nicht aber Holger Wolf. Das Handy klingelt, die Arbeit ruft.

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