Mittwoch, 28. Juli 2021
Donnerstag, 8. Juli 2021

"Wir müssen sicherstellen, dass jedes Kind erreicht wird"

Dass ausschließlich analoger Unterricht heutzutage nicht mehr ausreicht, hat die Corona-Krise deutlich gezeigt. Die veränderten Umstände erfordern im Bildungsbereich große Fortschritte in der Digitalisierung. Foto: Sebastian Gollnow

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Parteimitglieder von CDU, SPD, GRÜNEN und DIE LINKE äußern sich in der TZ über Möglichkeiten, die Schulen besser auf das kommende Schuljahr vorzubereiten. 

 

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Ist die aktuelle positive Entwicklung der Corona-Inzidenzwerte dieses Mal von Dauer oder steuert Deutschland wieder auf einen erneuten Lockdown zu wie im letzten Jahr? Die Unsicherheit diesbezüglich ist groß, weshalb es umso wichtiger ist, dass die Vorbereitung auf einen möglichen neuerlichen Lockdown in diesem Jahr umfänglicher erfolgen muss als im Sommer 2020, so zum Beispiel auch im schulischen Bereich.  

Grund genug, einmal bei Dr. Christiane Schenderlein, Landtagsabgeordnete der CDU für Nordsachsen, Luise Neuhaus-Wartenberg, Vize-Präsidentin des Sächsischen Landtags und LINKEN-Kreisvorsitzende Nordwestsachsen, Christin Melcher, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag und Heiko Wittig, schulpolitischer Sprecher der SPD Nordsachsen, nachzufragen, was nötig ist, damit sich Sachsen in diesem Jahr besser auf das neue Schuljahr vorbereiten kann als im letzten Jahr.

Was müssen Lehrer künftig leisten können und wie muss sich die Ausbildung von Lehrern verändern?

Wie Luise Neuhaus-Wartenberg (LINKE) sagt, muss „Veränderung bereits mit der Ausbildung beginnen“ – ein Aspekt, in welchem sich alle befragten Parteien einig sind. Für Christiane Schenderlein sollen „pädagogische Konzepte und die Ausbildung von Lehrern weiterentwickelt“ und „digitale Kompetenz umfassend in den Unterricht integriert werden“, „Aus- und Fortbildung von Lehrkräften hinsichtlich des Einsatzes digitaler Lehr- und Lernmethoden deutlich zu intensivieren“, fordert Christin Melcher von den GRÜNEN. Heiko Wittig (SPD) sieht in einer während Fort- und Ausbildung vermittelten „verstärkten Medienkompetenz“ der Lehrkräfte einen wichtigen Ansatz für Veränderung. 

Doch die Verantwortung für nachhaltige Veränderung kann nicht nur beim Lehrpersonal allein liegen. So betont Neuhaus-Wartenberg, dass „eine Lehrkraft nicht die Eier-legende-Wollmilchsau sein kann“, sondern es „auch die richtigen Rahmenbedingungen“ braucht, das wären für sie beispielsweise Zeit für Vernetzung und Austausch des Lehrpersonals oder eine unterstützende „IT-Kraft an jeder Schule“. Die GRÜNEN sicherten im Landeshaushalt die „Kofinanzierung der Lehrer-Laptops“ und sehen in einer Verbesserung von Breitbandanbindungen und gängigen Lernplattformen wichtige Voraussetzungen für digitalen Fortschritt.

Wie sollen Schüler für den Umgang mit Fern- beziehungsweise E-Unterricht qualifiziert werden?

„Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die Schüler ganz gut mit dem Fernunterricht zurechtgekommen sind. Der Fokus sollte hier daher vor allem auf der Stärkung der Informatikgrundkenntnisse und der Medienkompetenzen liegen“, meint Christiane Schenderlein. Luise Neuhaus-Wartenberg betont, dass es nicht nur „um einen digital optimierten Unterricht in tradierter Form gehen solle“, sondern darum, „die Vorzüge der analogen Welt“ mit den Möglichkeiten der digitalen zu verknüpfen. Die Qualifizierung für E-Unterricht müsse für sie also bereits im Präsenz-Unterricht erfolgen. 

Wie für den Präsenzunterricht plädiert Christin Melcher dafür, dass auch der Wechsel- oder Distanzunterricht „bestimmte Anforderungen erfüllen“ müsse, weshalb die GRÜNEN einen  Qualitätsrahmen vom Kultusministerium forderten, der in Form der Formulierung von „Standards häusliche Lernzeit“ umgesetzt wurde. 

Wie kann sichergestellt werden, dass alle Schüler technisch am Homeschooling teilnehmen können?

Diesbezüglich sei für die SPD ein wichtiger Punkt, zum einen entsprechende Internetkapazitäten bereitzustellen. Zum anderen müsse der bestehenden Bildungsungerechtigkeit entgegengewirkt werden. In Maßnahmen wie der Finanzierung digitaler Endgeräte mittels des Digitalpakets beziehungsweise der Bezuschussung durch Sozialhilfe bei besonders Bedürftigen sehen sowohl Wittig (SPD) als auch Melcher (GRÜNE) wesentliche Schritte in die Richtung der Teilhabe aller Schüler am Homeschooling. 

Darüber hinaus solle laut Melcher einzelnen Kindern auch im Fall von (Teil-)Schließungen Präsenzunterricht ermöglicht werden, „die im Distanzunterricht nicht erreicht werden“, denn „Wir müssen sicherstellen, dass jedes einzelne Kind erreicht wird [...]. Nur so können wir sicherstellen, dass die Lücken, die die Pandemie reißt, nicht noch größer werden.“ Zur Teilhabe gehört für Neuhaus-Wartenberg (LINKE) vor allem ein „bezahlbarer und schneller Breitbandinternet-Anschluss […]“.

Welche Hilfestellungen kann es künftig für Eltern geben, wenn Homeschooling ansteht?

Als mögliche Hilfestellung für Eltern sieht DIE LINKE eine „Kooperation zwischen Schule und Elternhaus, welche auf mehr Chancen- und Teilhabegerechtigkeit ausgerichtet sein muss“ sowie weniger Druck von Arbeitgeberseite. In eine ähnliche Richtung geht die SPD, welche ein individuelles Feedback vonseiten der Lehrer, zum Beispiel in „regelmäßigen Telefon- oder Videosprechstunden für Schüler und Eltern“ als wichtig erachtet. 

Eine „Erweiterung der Notbetreuung in Kitas, ein Corona-Elterngeld inklusive Kündigungsschutz und einen Krisenzuschlag für einkommensschwache Familien“ und den Ausbau von Familienberatungsstellen, Krisendiensten, Nothilfehotlines sowie Eltern-Kind-Kuren oder Urlaubsgutscheine sehen die GRÜNEN als mögliche Maßnahmen, um Familien bei Schulschließungen zu entlasten. 

Nach Meinung der CDU sollte das „Homeschooling während der Corona-Pandemie 2020/21“ grundsätzlich eine Ausnahme bleiben. „Persönlich konnte ich feststellen, dass Homeoffice und Homeschooling kaum zu vereinbaren sind. […]  Gleichzeitig kann es auch nicht unser Anspruch sein, dass die Eltern ein Äquivalent zu einer studierten pädagogischen Fachkraft bilden“, führt Schenderlein aus.

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