Mittwoch, 28. Juli 2021
Dienstag, 13. Juli 2021

Piwarz sprachlos in Torgau Nordwest

Bildungsminister Christian Piwarz (4.v.l.) im Gespräch mit Vertretern der lokalen Politik und Leitern von Schulen und Kita in Nordwest.Foto: Bärbel Schumann

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Torgau/Weßnig. Kultusminister Christian Piwarz bekam am Montag in Weßnig und Torgau große Ohren:

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Eigentlich sollte es eine Informationstour werden, auf der sich Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) einen Überblick über die Situation in Bildungseinrichtungen nach der Corona-Pandemie verschaffen wollte. In den Gesprächen mit Lehrern und Erziehern wollte er erfahren, wie deren Sichten und Ideen auch perspektivisch sind, um einen abermaligen Lockdown erfolgreich zu meistern. Am Ende war das nur ein Bruchteil  seines Besuches, an dem auch Landtagsabgeordnete Christiane Schenderlein (CDU), der Präsident des Landesamtes für Schule und Bildung Ralf Berger,  Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth, teilweise auch Landrat Kai Emanuel und Mitarbeiter aus Behörden teilnahmen.  

Grundschule Weßnig:

Im ehemaligen Gutshaus befindet sich die Landschule mit ihren 82 Schülern. Der Hort, in Trägerschaft des ASB, ist ebenso hier. Schulleiterin Janine Schramm empfängt im Schulhof die Gäste, wo gerade die Drittklässler eine Sportstunde absolvieren. Präsenz zeigen auch Ortsvorsteherin und Vertreter des Elternrates. Beim Rundgang durch die Räume von Schule und Hort  schaut sich Minister Piwarz genau um, erkundigt sich nach perspektivischen Schülerzahlen, Lehrerproblemen, nach den Bedingungen zum Einsatz neuer Medien und den Besonderheiten der Schule. Schnell wird deutlich, warum sich der Ort, die gesamte Elternschaft, ja auch die Politiker vor Ort für den Erhalt der Weßniger Schule engagierten: eine familiäre Atmosphäre, regionale Verwurzelung bis hin zur Zusammenarbeit mit Firmen, Vereinen und der Kirchgemeinde oder auch der jährliche Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen, die es ohne diese Schule so nicht gebe. 

Piwarz betont, dass mit der Änderung des Sächsischen Schulgesetzes vor zwei Jahren die Weßniger eine von zehn kleinen Landgrundschulen im Freistaat ist, die es ohne diese Änderung nicht mehr gebe. Aber das sei vom Tisch, Weßnig bleibt. Im Hof erfährt der Minister, warum Sportunterricht im Sommer auf dem Hof oder dem Platz des örtlichen Sportvereins stattfindet. In Weßnig gibt es keine Schulsporthalle, nur einen Raum im Haus, der bisher dafür genutzt wurde. Aber das sei derzeit nicht möglich, auch perspektivisch nicht. Deshalb fahren Schüler und Lehrer in der kalten Jahreszeit nach Torgau in eine der Sporthallen. Aber die Situation in der Elbestadt bei den Sporthallen sei schwierig, nicht nur bei der Terminvergabe, wirft hier die Torgauer OBM ein. „Wir haben so im Schuljahr auch zwei unterschiedliche Stundenpläne, um alles effektiv organisieren zu können“, erzählt die Schulleiterin. Im Hort vermittelt dessen Leiterin Claudia Schwürz Einblicke in den Alltag. Hort und Schule seinen durch Corona krisenerprobt, das Zusammenspiel funktioniert, das Wir stehe immer bei der Lösungssuche im Focus. Im Anschluss geht es nach Torgau Nordwest.  

Problem-Wohnblöcke:

In der Nähe der Wohnblöcke mit den Familien der vielen ausländischen Arbeiter vor allem aus Osteuropa beginnt der Rundgang bis zur Kindertagesstätte „Biene Maja“. Obwohl hier derzeit durch den Wechsel der Hausmeisterfirma es ansehnlicher ausschaut, erhält der Minister von Romina Barth umfassende Informationen zur aktuellen Situation, zu Problemen die es gibt: Ordnung und Sauberkeit; wechselnde, der deutschen Sprache nicht mächtige, Bewohner, die noch dazu sich schwer tun, sich an unsere Gesetze von Melde- bis Schulpflicht zu halten. Manches andere muss nicht ausgesprochen werden, weil es sichtbar ist. Immer wieder hinterfragt der Minister bei der Oberbürgermeisterin und Mitarbeitern der Behörden. Romina Barth spricht dabei auch aus, dass die Stadt die bestehenden Probleme nicht allein lösen könne. Die Politik sei hier gefordert, müsse Druck machen und genauer hinschauen. Wo? Rekrutierung der Arbeiter, bei der Gestaltung der Verträge, bei den Deutschkenntnissen, bei der beruflichen Ausbildung. Gespräche mit Arbeitgebern der ausländischen Arbeiter, die sie geführt habe, hätten nicht zu Veränderungen geführt. Hier müssten andere Mechanismen greifen. 

Lob gibt es auf der Runde auch. „Unsere Bürgerpolizisten sind echte Perlen“, sagt eine der Schulleiterinnen.  Immer mehr verschwindet dennoch das Lachen aus Piwarz Gesicht, ja der Minister wird sogar sprachlos, benötigt eine kurze Zeit, um alles zu verarbeiten, ehe die Kita- und Schulleiter von Nordwest, die den Tross begleiten, wieder sich an ihn wenden können. 

Kita „Biene Maja“:

Hier nur kurz ein Rundgang um die Einrichtung, dafür gab es aber viele Fragen an die Kita-Leiterin Cornelia Stöck, in der zur Zeit 196 Mädchen und Jungen vom Krippenkind bis zum Hortalter betreut werden. Das sind Kinder aus zehn Nationen. Piwarz will wissen, wie der Anteil der Ausländer in einer Gruppe sei. „Von 19 Kindern sind es fünf Deutsche in einer Gruppe“, nennt Stöck ein Beispiel. Ein Beispiel, das hier aber Normalität ist. Themen wie das Erlernen der deutschen Sprache, Integration, ob die Kita von den ausländischen Kindern regelmäßig besucht werde, kommen zur Sprache. Hier wird sichtbar, dass Handlungsbedarf schon in diesem Alter besteht, will man später an Schulen nicht größere Probleme haben. Aber: Eine Pflicht zum Besuch der Kita weist kein Gesetz auf. Als die Erzieherin aus dem Alltag der Kita berichtet, gibt es auch angenehmere Dinge, wie die tollen Außenanlagen mit viel Spielmöglichkeiten, von denen sie berichten kann. Weiter geht es zur Grundschule Nordwest. 

Grundschule Nordwest:

In die Schule oder die Turnhalle zu gehen, wird hier nicht notwendig. Es reicht den Ausführungen der amtierenden Grundschulleiterin und von Oberbürgermeisterin Romina Barth zu lauschen. Die OBM schildert eindrucksvoll, wie marode die Halle ist. Es regnet hinein, sie ist nicht lüftbar, in anderen Bereichen bedarf es ebenso einer Sanierung. Sportunterricht zu erlauben, sei grenzwertig. „Hier muss was passieren“, sagt Barth mit Nachdruck und hofft auf Unterstützung durch das Bildungsministerium, denn Torgau bereite einen Förderantrag für eine neue Drei-Felder-Halle mit einer Außenanlage vor. Ziel sei für den Baustart Ende 2022. Das Vorhaben sei nicht nur wichtig, weil die Oberschule nebenan die Halle mit nutzt, sondern ebenso unter dem Aspekt der Integrationsarbeit in diesem Stadtteil und der hohen Zahl der in ganz Torgau in die Jahre gekommenen Sporthallen mit Blick auf die Vereinsarbeit. Minister Piwarz denkt nach, überlegt, ob auch er aus seinem Budjet hier helfen oder wie andere Ministerkollegen mit ins Boot geholt werden können. Ein Ja oder Nein erwartetet keiner im Tross. Schockiert, sprachlos ist Christian Piwarz, als er hört, dass in der Grundschule einerseits Platzmangel besteht, andererseits Räume zur letzten Sanierung abgetrennt wurden, weil sonst das Vorhaben nicht förderfähig war. Nun werden wegen gestiegener Schülerzahlen Räume benötigt, die zwar vorhanden, aber wegen der Fördermittelbindung in den nächsten Jahren nicht genutzt werden dürfen. Sonst droht Fördermittelrückzahlung. Ein großes Problem, neben denen der fehlenden Fachkräfte für die DAZ-Klassen und zur Förderung von Kindern mit Defiziten. Hier sieht auch Landtagsabgeordnete Christiane Schenderlein Handlungsbedarf: „Wir müssen für die Kinder, die vor besonderen Herausforderungen im Schulalltag stehen, geeignete Instrumente finden, um sie gezielt zu unterstützen.“ 

Im Anschluss war Ortstermin an der Oberschule, allerdings nicht öffentlich. In Briefen hatten Eltern den Minister um Hilfe gebeten. 

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Mountainbikemagazin

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de