Mittwoch, 28. Juli 2021
Mittwoch, 14. Juli 2021

Bibi ist immer obenauf

Kuno und Bibi sind ein eingespieltes Team.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Audenhain. In seinem Wildtiergehege hat Kuno Pötzsch tierisch viel Spaß mit einer Steinbockdame.

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Kuno Pötzsch macht vor niemandem einen Buckel. Doch bei der 35 Kilogramm schweren Steinbockdame Bibi kann er nicht anders. Auch wenn deren scharfkantige Hufe schon den ein oder anderen Kratzer im Gesicht des 64-Jährigen  hinterlassen haben, verbindet die beiden dank einer Handaufzucht im Wildpark bei Geising eine enge Mensch-Tier-Freundschaft.

„Tierische“ Selbstständigkeit

Am 1. April 1991 begann für den ehemaligen Lagerverwalter des damaligen VEB Kombinats industrielle Mast (KIM) Mockrehna die „tierische“ Selbstständigkeit. Aktuell ist das 110 Hektar große, zusammenhängende Areal das größte Wildtiergehege in ganz Sachsen. Auf dem weitläufigen Gelände sind zehn vierbeinige Wildtierarten zu finden, darunter Sikawild oder auch Lamas. Auf einem künstlich angelegten Teich fühlen sich zudem verschiedene Wildenten-Arten wohl. Selbst ein putzig anmutender Steinkauz sowie der Wiedehopf haben in den Biotopen längst ihr Zuhause gefunden. 

Böse mitgespielt

„Ich habe einfach eine Ader für die Natur“, sagt Pötzsch, dem die Corona-Zeit böse mitgespielt hatte. Keine Besucher mehr, keine Safaris übers Gelände und wegen Ausgehbeschränkungen kaum noch Fleischverkauf. Auf der anderen Seite natürlich all die laufenden Ausgaben, zum Teil auch für lebensnotwendige Spezialitäten wie beispielsweise spezielles Moos aus Schweden. Denn auf dieses ist Pötzschs Rentierbullen-Trio angewiesen. „Ohne Moos nix los“, sagt der Audenhainer, der sich noch genau an einen Anruf am 23. Dezember des Jahres 1989 erinnert: „Es war 15 Uhr, als mich der ehemalige KIM-Chef fragte, ob ich mir nicht vorstellen könne, die werkseigene 125-köpfige Damwildherde zu übernehmen.“ Nach kurzem Hin und Her war klar, dass Pötzsch mit einem solchen privaten Zweigbetrieb der erste in den neuen Bundesländern sein würde. Von da an wurde investiert. Nicht nur die eingefallene Scheune auf dem Areal wurde auf Vordermann gebracht. Pötzsch war stets darauf bedacht,  die Flächen zu vermehren. Auf denen habe er in all den Jahren etwa 150000 Bäume und Sträucher gepflanzt.

Verband gegründet

Pötzsch hob nach der Wende zugleich den Wildhalterverband im Freistaat aus der Taufe, den er vier Jahre lang als Vorsitzender anführte. Und trotzdem würde er mit dem Wissen von heute jenen beruflichen Weg nicht noch einmal wählen. Behördliche Vorgaben seien vielfach zu nervenaufreibend. Zudem hätten im Wildtiergehege schon zwei Mal  Wölfe ihr Unwesen getrieben. „Da blutet einem das Herz, wenn nicht nur die toten Tiere in den Gehegen eingesammelt werden müssen, sondern es bei Muttertieren auf Grund des Stresses vielfach zu Totgeburten kommt“, sagt der Audenhainer, dem seine Lebensgefährtin Dagmar stets eine feste Stütze ist. 

Safari-Touren

Mittlerweile nehmen die etwa einstündigen Safari-Touren dank der Corona-Lockerungen wieder an Fahrt auf. Und Pötzsch ist froh, seine positive Wildmacke wieder mit anderen Leuten teilen zu können. Ob er im kommenden Jahr sein Rentnerdasein genießen wird? „Ich glaube nicht. Ehrlich gesagt kann ich mir ein Leben ohne die Tiere gar nicht mehr vorstellen.“ Pötzsch spricht’s und kassiert von Steinbockdame Bibi gleich wieder den nächsten Stupser. Natürlich will sie wieder nach oben. Natürlich macht Kuno wieder den Buckel krumm. Aber eben nur für Bibi.

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