Mittwoch, 28. Juli 2021
Donnerstag, 15. Juli 2021

Ein erfahrener Franzose für Torgau

Dr. Fabrice AbbottFoto: Ulrike Wolf

Von unserem Redakteur Ulrike Wolf

Dr. Fabrice Abbott ist neuer Werksleiter der Flachglas Torgau GmbH

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„Bonjour! hieß es vor einigen Tagen für die Torgauer Zeitung im Büro von Dr. Fabrice Abbott, dem neuen Chef der Flachglas Torgau GmbH. Der 43-jährige Franzose, in Paris geboren, hat seit Anfang des Monats die Leitung der Produktion übernommen und tritt die Nachfolge von Uwe Naumann an, der sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unternehmen, das zur Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH gehört, zurückziehen musste. Fabrice Abbott ist ein ruhiger, sehr freundlicher Mensch, er spricht perfekt Deutsch. Das Torgauer Werk und die Tradition der Flachglasproduktion in der Elbe-Stadt kennt er bereits gut.

Forschung und Verantwortung 

Seit langem ist Abbott für den französischen Industriekonzern Saint Gobain tätig: 2004 begann seine Karriere am Forschungszentrum des Unternehmens in Paris, Abbott forschte bis 2008 im Bereich Kunststoffe, dann erfolgte sein Einstieg in die Glasindustrie: Er ging für Saint-Gobain ins Flachglaswerk nach Südfrankreich, nach Salaise-sur-Sanne. Einen Abstecher nach Torgau machte Abbot schon 2005: Für ein mehrmonatiges Projekt für die Entwicklung der Glasproduktion war er in Torgau tätig. Von 2016 – 2018 übernahm Fabrice Abbott die Verantwortung für die zwei Magnetron-Produktionslinien im Torgauer Werk. Magnetron, ein Spezialverfahren, bei dem Rohglas veredelt und hauchdünn beschichtet wird und dann als Wärmedämmungsglas und Sonnenschutzglas in die ganze Welt verkauft wird. 2019 bis 2020 ging es noch einmal nach Paris, zur Technischen Assistenz und Weiterentwicklung von Veredelungsprozessen in der Glasindustrie. In dieser Zeit lebte er aber schon mit seiner Familie in Leipzig. Von der Messestadt aus ging es regelmäßig zur Arbeit in die französische Hauptstadt, während der Coronapandemie arbeitete er im Home Office.

Neue Herausforderung angenommen

In diesem Jahr nun trat die Unternehmensführung von Saint-Gobain Glass Deutschland mit dem Angebot an ihn heran, die Werksleitung in Torgau zu übernehmen. Hat er gezögert, als das Angebot kam? „Nein, nicht wirklich, eine Werksleitung zu übernehmen, das war für mich sehr interessant“, sagt Abbott, die Führung einer ganzen Produktionsstätte sei für ihn eine neue, große Herausforderung, die Aufgaben spannend und vielfältig. „Einige Mitarbeiter kenne ich natürlich schon von meiner früheren Tätigkeit hier, aber alle 300 Mitarbeiter kenne ich noch nicht“, sagt Abbott. Gespräche und Abstimmungen gab es erst einmal mit den Teamleitern der Float, der zwei Magnetron-Linien, der Verbundglas-Produktionslinie, der Zuschnittabteilung und der Planung. Aber auch mit der Instanthaltung und dem Lager, der Abteilung für Sicherheit, Qualitätsprüfung, dem Umweltschutz, dem Personalwesen und dem Kundenservice. „Wir haben hier ein sehr erfahrenes Team. Ich habe vollstes Vertrauen in die Mitarbeiter“, erklärt Abbott. Er will in seiner Führungsposition neue Dinge mit Ruhe und Bedacht angehen, er setzt auf Wertschätzung, Teamgeist und Austausch. Stichwort Austausch und Kommunikation: „Die sächsische Sprache ist nicht immer einfach“, sagt Abbott schmunzelnd. 

Das Werk in Torgau - es ist eines der größten Produktionsstätten des französischen Industriekonzerns Saint-Gobain in Europa. Mehrere hundert Tonnen beschichtetes Flachglas, zum Beispiel für die Bauindustrie oder für die Automobilbranche, werden hier produziert. Ständig werden LKW´s beladen und verlassen das Firmengelände. In Torgau sind mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir produzieren für Deutschland und Europa, auch für Asien, USA, Mexiko, China. Unser Glas geht in die ganze Welt“, sagt Abbott stolz. Einige Produkte sowie Produktfamilien, wie zum Beispiel hochwertiges Sonnenschutzglas wird nur hier in Torgau hergestellt, das macht das Werk besonders. “Es ist ein extrem wichtiger Produktionsstandort innerhalb der Saint-Gobain-Gruppe“, bestätigt Abbott.

Klimaneutral bis 2050

Fabrice Abbott will die Produktion vorantreiben, weitere Flachglasprodukte sollen entwickelt werden und dafür wird es wahrscheinlich deutliche Weiterentwicklungen der Produktionslinien geben. „Wir haben noch ein weiteres großes Ziel: Die Saint-Gobain-Gruppe will bis 2050 komplett klimaneutral produzieren“, ergänzt der Glasexperte Abbott. Eine große Aufgabe, wenn man bedenkt, dass hier im Werk ein riesiger Hochofen läuft, viel Energie verbraucht wird. „Dieser Prozess, das Unternehmen klimaneutral zu stellen, beginnt jetzt, heute, jeden Tag wollen wir daran arbeiten“, sagt Abbott. „Dafür werden wir von der Erfahrung des Teams hier in Torgau, aber auch von neuen Technologien, die in der Forschung in Paris entwickelt werden, profitieren“, ist sich der neue Werksleiter sicher. 

Zum Abschluss des Gesprächs gibt es für die Torgauer Zeitung einen kleinen Einblick in eine der Produktionshallen. Im angenehmen französischen Akzent erläutert Abbott die einzelnen Schritte der Glasproduktion. Eine kleine Frage am Ende des Pressetermins: Möchten die Mitarbeiter jetzt die französische Sprache lernen? Abbott lacht: „Das weiß ich noch nicht. Ich bin hier der einzige Franzose, ich freue mich, wenn ich ab und zu meine Muttersprache spreche, im Moment allerdings mit den Kollegen in Paris“.

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