Mittwoch, 28. Juli 2021
Freitag, 16. Juli 2021

"Einfach mal raus, was anderes sehen"

Radtouristen aus Salzburg in Torgau

Von unserem Redakteur Ulrike Wolf

Torgau. Von Sehnsüchten, Radtouristen und Urlaubsplänen. Ein Stimmungsbild aus Torgau.

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Mehr als ein Jahr Coronapandemie liegt hinter den Torgauern. Mehr als ein Jahr Verzicht, Kontaktbeschränkungen, ständiges Hin und Her, erschwertes oder gar kein Verreisen. Jetzt sind die Inzidenzen runter, endlich ist wieder mehr erlaubt, die Schutzmasken können öfters in der Tasche bleiben. Was haben die Menschen vermisst? Was genießen sie jetzt wieder? Wo soll es in den Urlaub hingehen und: Sind wieder Touristen in der Stadt? Das wollten wir auf einem kleinen Rundgang durch Torgaus Innenstadt wissen.

Erwachsene und Kinder unterwegs

Vor einigen Tagen, zur Mittagszeit, ist die Brücke zum Schloss Hartenfels gut besucht: Viele Leute bleiben stehen und schauen runter zu den Bären. Radtouristen schieben ihre Räder in den Schloss-Innenhof, Ausflügler laufen durch die kleinen Straßen. Endlich wieder ein wenig unbeschwerter durch die Stadt schlendern, bummeln und mit den Kindern etwas unternehmen: Die Erzieherinnen Tina Ulbrich und Melissa Ulbricht sind mit vier Vorschulkindern von Falkenhain nach Torgau gekommen. Gleich gibt es im Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museum eine Führung für die Knirpse. Aufgeregt wuseln die Kids schon an der Museumstür herum, es soll endlich losgehen. Die beiden Pädagoginnen wollen den Kindern, bevor im September die Schule losgeht, etwas bieten, ein schönes Erlebnis soll es an diesem Tag werden. Zurück zum Schloss: Im Innenhof  befestigen Frau und Herr Breuning aus Eberswalde die Packtaschen an den Rädern. Über Belgern und Schildau sind die beiden Brandenburger nach Torgau geradelt, eine Woche Urlaub wollen der Zahnarzt und die Lehrerin hier in der Region verbringen. Eben waren sie zur Besichtigung im Schloss, nun radeln sie weiter an der Elbe entlang. Zum Schutz vor Corona haben die beiden extra einen Urlaub ohne viele Menschen gewählt. Ob das Ehepaar Angst vor einer neuen, vierten Welle hat? „Ich bin schon ein bisschen beunruhigt“, sagt Henry Breuning. Im Umgang mit dem Virus und den Lockerungen stellt er eine schnelle Sorglosigkeit, eine Leichtgläubigkeit der Menschen fest. „Es wäre nicht gut, wenn alles wieder von vorn losgeht“, sagt Breuning. „Die Hemmschwelle ist schon wieder sehr niedrig. Hier in der Altstadt waren wir bei einem Bäcker. Keiner hielt es für nötig, eine Maske zu tragen, keiner sagte etwas“, kritisiert er. Zum Zeitpunkt unseres Treffens bestand in Geschäften noch Maskenpflicht. „Es gibt aber auch viele Menschen, in jeder Altersklasse, die sehr verantwortungsvoll beim Schutz vor Corona sind“, sagt Frau Breuning. Ihr haben vorrangig die sozialen Kontakte während der Pandemie gefehlt. 

Ausflüge und Reiselust

Auf der Brücke zum Schloss stehen Katja Reins und ihre Tochter Amelie aus Belgern. „Heute begegnen wir der Torgauer Zeitung gleich zweimal“, sagt die junge Mutter. Die 7-jährige Amelie kuschelt mit ihrem neuen Teddybären, den sie gerade aus der Zeitungs-Redaktion abgeholt hat. Die Grundschülerin hatte ihn beim TZ-Gewinnspiel gewonnen. Jetzt darf Teddybärin „Bea“ die echten Bären im Schlossgraben bestaunen. „Wir wollen ab jetzt wieder Ausflüge durch ganz Sachsen machen, einfach mal raus, was anderes sehen“, sagt Katja Reins. Die kleine Amelie hatte vor allem ihre Mitschüler vermisst, als sie im Home-Schooling saß, auch der wöchentliche Gitarrenunterricht fehlte ihr sehr. „Sie hat öfters gesagt: Ich kann das Wort Corona nicht mehr hören“, berichtet Mama Reins. So ging es vermutlich nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen, die Coronazeit: eine Geduldsprobe für alle. Erstklässlerin Amelie wurde,  als die Schule dicht war, viel von den Großeltern betreut. Vor der Heimerer Schule in der Schlossstraße stehen Lea, 21 Jahre alt und Lara, 19. Beide machen gerade ihre Ausbildung an der Berufsfachschule, kurz ist Pause. „Weggehen, mal in ein Café, in eine Disco, mit mehr als zwei Leuten treffen, hat mir enorm gefehlt“, sagt Lea. Angst vor Corona habe sie nicht, sie ist schon geimpft. „Jetzt habe ich mehr Sicherheit“, sagt die 21-Jährige, die bald zum Urlaub an die Ostsee will. Lara hingegen ist, was das Impfen betrifft, zögerlich. „Ich will noch warten. Angst vor dem Virus habe ich nicht“, sagt sie und freut sich schon auf ihre Reise nach Kroatien. „40 Grad, Sommer, Sonne, Meer“, schwärmt sie.

Gemeinsamer Sport und Gäste aus Österreich

Bei unserer Tour durch Torgau treffen wir auch Matthias Leisner und Jens Stepputat. Beide Männer hatten während der Coronazeit vor allem den Mannschaftssport vermisst. Matthias Leisner spielt Handball beim VfB Torgau, endlich konnte es dort wieder mit dem Training losgehen. Aber auch die Besuche bei Freunden, die Geselligkeit, mal im Biergarten sitzen, hatte ihm gefehlt. Wohin es in den Urlaub geht?„Wir fahren wie jedes Jahr mit der Familie an die Ostsee. Entspannen, baden und mit den Kindern viel unternehmen“, sagt der 36-Jährige. Die Angst vor Corona schwingt dabei nicht mit. Jens Stepputat fährt seit einigen Tagen wieder zum Basketball-Training nach Wittenberg und Belgern. „Den Sport, Basketball, Volleyball und das Fitnessstudio haben mir gefehlt“, sagt der 33-Jährige. Erst kürzlich hatte er Urlaub, ist aber zu Hause geblieben, wegen der Coronalage. „Eine Auslandsreise ist mir zu vage, man weiß nicht recht, wie sich das Geschehen und die Quarantäne-Vorschriften verändern“, sagt der sportliche junge Mann. Während nun auf den Freisitzen in Torgaus Innenstadt Mittag gegessen wird,  versammelt sich im Schlosshof eine große Gruppe Radtouristen: Aus Salzburg sind sie alle. Über Prag ging es bis Dresden per Bus, dann per Rad weiter. Bis Magdeburg soll es an der Elbe langgehen. Gemeinsam, unbeschwert und mit wiedergewonnener Lebensfreude.

 


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