Samstag, 24. Juli 2021
Dienstag, 20. Juli 2021

Die neuen Gesichter bei der Sängerakademie

Olaf Bär und Yamina MaamarFoto: Staatsoper Berlin/Yamina Maamar PR

Von Marie Luise Dreßen

Torgau. Die Internationale Sächsische Sängerakademie arbeitet 2021 erstmalig mit einer Dresdner Musikhochschule zusammen. Dementsprechend werden ab dem 23. Juli bis zum 1. August auch einige neue DozentInnen mit den Teilnehmern arbeiten und auftreten. Wir stellen zwei von ihnen vor.

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Torgau. ?Die Sängerakademie 2021 steht vor der Tür, die Planung läuft bereits auf Hochtouren und die Aufregung bei allen Beteiligten und dem Torgauer Publikum steigt. Neben den 56 Teilnehmern aus unterschiedlichsten Nationen werden auch wieder viele altbekannte Gesichter unter den Dozenten anzutreffen sein. 

Doch auch in diesem Jahr freuen sich die Initiatoren wieder auf neue Menschen, neue Impulse und neue Inspirationen. Im Rahmen der Akademiebegleitung „Torgauer Note“ möchte die Kulturredaktion der TZ den Lesern vier neue, besondere Gäste der Akademie 2021 vorstellen. 

Seit diesem Jahr gibt es, neben der altbewährten Kooperation mit der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn -Bartholdy, nun auch eine Kooperation mit der Dresdener Hochschule für Musik Carl- Maria von Weber. Seit dem 1.9.2019 ist die Sopranistin Yamina Maamar dort als Professorin für Gesang tätig. Nachdem sie ihre Karriere als Mezzosopranistin begann, entwickelte sie sich ins dramatische Sopranfach und kann mittlerweile mehr als 80 Partien zu ihrem Repertoire zählen. Sie sang viele zentrale Rollen ihres Fachs, wie beispielsweise Aida, Salome, Manon Lescaut, Lady Macbeth, Adriana Lecouvreur, die Fidelio- Leonore und die Marschallin im Rosenkavalier. Wichtige Theater in Deutschland an den sie auftrat sind zum Beispiel die Bayerische Staatsoper München, die niedersächsische Staatsoper Hannover, das Aalto- Theater Essen, Dortmund, Weimar, die Staatstheater Kassel und Darmstadt und viele weitere. Auch im Ausland war Yamina Maamar bereits oft zu hören. Sie sang unter anderem in den USA, der Schweiz, in England und Frankreich, in Belgien und in Schottland. 

 

 

TZ: Wie kamen Sie zum Unterrichten? Mussten Sie dazu ein extra Studium belegen? 

Yamina Maamar: Mit dem Unterrichten habe ich schon als Studentin in Hannover angefangen. Weil ich immer wissen wollte, wie alles funktioniert, war das naheliegend für mich. Meine damalige Professorin Carol Richardson hat immer viel physiologisch erklärt, was zu der Zeit noch nicht üblich war. Da ich direkt nach dem künstlerischen Studium ins Engagement gegangen bin, habe ich nie Methodik zusätzlich studiert, aber mehr oder weniger immer neben dem Beruf Privatstudierende gehabt. Es war immer mein Wunsch, mich nach meiner Sängerkarriere dem Unterrichten dann voll und ganz zu widmen.

 

Sind Sie noch aktiv als Sängerin auf der Opernbühne tätig?

Jetzt im Moment singe ich theoretisch noch. Aber mein Debüt als Brünnhilde im kompletten Ring des Nibelungen wurde durch Corona mehrfach verschoben. Im März 2020 haben wir die Walküre am Landestheater Niederbayern bis zur Generalprobe geprobt und dann erfahren, dass wir die Premiere nicht mehr spielen können. Da dachten wir noch, in drei Wochen ist der Spuk vorbei und alles verschiebt sich einfach nur. Wie naiv wir waren. Dann sollte jetzt im Oktober Walküre und im März 2022 Siegfried kommen. Momentan sind wir bei März 2022 für Walküre und März 2023 Siegfried. 2024 soll dann die Götterdämmerung kommen. Es gibt übrigens einen Roman namens Götterdämmerung, in dem es um die Vernichtung der Menschheit durch einen Virus geht.

 

Wurden noch andere Ihrer Engagements durch Corona verschoben oder gestrichen?

 

Mein anderer Gastvertrag aus der Spielzeit 19/20 , die Uraufführung von Anno Schreiers „Die Stadt der Blinden“ am Pfalztheater Kaiserslautern (sechs Monate Arbeit umsonst!), fällt leider ersatzlos weg. Das Thema: Ein unbekanntes Virus lässt die Menschheit ohne Vorwarnung erblinden. Die Geschichte erzählt, was das aus der Gesellschaft und mit unserer Menschlichkeit macht. Schade, da könnte selbst Oper einmal tagesaktuell werden. Aber erstens gibt es Bedenken, ob so ein Stück zurzeit spielbar wäre und dann gibt es auch einen Intendantenwechsel, der alte Pläne eh durchkreuzt. Ich muss allerdings sagen, dass beide Theater sehr fair waren und wir einen sehr großen Teil der Gagen erhalten habe. 

 

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie zur internationalen, sächsischen Sängerakademie nach Torgau kommen?

 

Im Jahr 2012 habe ich die internationale Opernakademie IOA mitgegründet. Unser Anliegen war, für zwei Wochen eine Campusatmosphäre zu schaffen, die internationale KünstlerInnen zusammenbringt. Nicht nur miteinander lernen im Kursgeschehen, sondern auch Kommunikation und Austausch untereinander waren uns sehr wichtig, sowie die gemeinsamen Konzerte. In Torgau hoffe ich auf eine ähnlich fruchtbar-kreative Atmosphäre, auf schönes Zusammensitzen und den Austausch am Abend, auf kollegiales Miteinander und viele aufgeschlossenen KünstlerInnen. Das Kursangebot ist riesig und breit gefächert und ich freue mich besonders darauf, so viele tolle KollegInnen wieder zu treffen, fast alle kenne ich bereits von der Hochschule oder von der Bühne.

 

 


 

 

Seit 2004 ist der bekannte Bariton Kammersänger Olaf Bär ordentlicher Professor an der Dresdener Musikhochschule. Die Karriere des Sängers ist außerordentlich. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie, in der Schule wegen hoher Begabung unterfordert, wurde Olaf Bär 1967 in den weltberühmten Kreuzchor aufgenommen. Mit 18 Jahren verließ er den Chor und wurde, nach seinem Gesangsstudium in Dresden und zwei Jahren im Opernstudio der Semperoper, an ebendieser, festes Ensemblemitglied. Obwohl Olaf Bär weder Mitglied der SED, noch einer anderen Blockpartei, war, wurden ihm in der DDR große Reisefreiheiten eingeräumt, die ihn schon vor der Wende am Londoner Covent Garden, beim Festival Aix-en-Provence, in Mailand, Wien und in Chicago debütieren ließen. Inzwischen ist er in allen berühmten Musikzentren dieser Welt aufgetreten und hat beispielsweise bei den Bayreuther und bei den Salzburger Festspielen gesungen. 

 

TZ: Herr Bär, wie sind Sie zum Unterrichten gekommen?

Olaf Bär: Das Unterrichten war ursprünglich in meinem Lebensplan nicht vorgesehen. Da aber Lebenspläne selten dem eigenen Szenario folgen, ist dann alles anders gekommen. In meiner aktiven Zeit als Sänger habe ich hin und wieder die Chance bekommen, Workshops oder Meisterklassen zu gestalten. Hierbei ist mir schnell klar geworden, dass ich nicht die „reine Lehre der Gesangstechnik“ unterrichten kann und will. Interpretation von Liedern war und ist (auch aufgrund des Verlaufes meiner Karriere) mein eigentliches Metier. Dass dabei gesangstechnische Aspekte eine Rolle spielen, versteht sich von selbst. Für 2004 wurde dann die Nachfolge der Stelle „Leitung der Lied- und Konzertklasse“ von Prof. Gertraud Geißler an der Hochschule für Musik Dresden ausgeschrieben. Diese Stelle mit diesem Profil in meiner Heimatstadt schien mir eine sehr gute Gelegenheit, es zu versuchen. Und so wurde das Unterrichten doch noch ein mittlerweile zentraler Teil meines Lebens.

 

TZ: Wie hat sich denn die Coronakrise auf ihr künstlerisches Schaffen ausgewirkt?

Da ich nur noch kurze (um nicht zu sagen kleine) Rollen an der Staatsoper Berlin singe, hat sich die Krise auf mein künstlerisches Schaffen weniger ausgewirkt. Aber in der Lehre und in der Betreuung der jungen Menschen, die oft in ihrer Entwicklung „ausgebremst“ wurden und werden, hat sich diese Zeit sehr deutlich mit all der Belastung eingebrannt. Und ich fürchte, diese Krise wird sich in Zukunft in unserer Gesellschaft vor allem in den künstlerischen Bereichen noch spürbar und mit schmerzlichen Einschränkungen bemerkbar machen.

 

TZ: Worauf freuen Sie sich, wenn Sie zur Sängerakademie nach Torgau kommen?

Ich freue mich auf die jungen Menschen und Künstler und die Arbeit mit ihnen, ich freue mich auf Begegnungen mit mir bekannten und neuen Kolleginnen und Kollegen und ich freue mich auf die Stadt Torgau, die ich seit einem Konzert mit dem Dresdner Kreuzchor Anfang der 70er Jahre nie wieder besucht habe.

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