Mittwoch, 8. Dezember 2021
Mittwoch, 21. Juli 2021

Vierbeinige Deicharbeter an der Elbe unterwegs

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Großwig/Weßnig. Für die rund 800 Schafe von Martin Weber war gestern ein besonderer Tag. Die Schur stand an. In 3. Generation führt der Großwiger die Schäferei.

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Futter gibt es für die rund 800 Tiere umfassende Schafherde von Martin Weber in diesem Jahr reichlich auf und um die Elbdeiche. Das Gras wächst und wächst. Derzeit „arbeiten“ die Assistenten des Großwiger Schäfers nahe Weßnig. Die TZ-Sommertour besuchte die Herde und war dabei, wie Experten die Wolle von ihren Leibern scherten. 

Vierbeinige Deicharbeiter 
unterwegs

Ja, die Schafe arbeiten, denn die Tiere sorgen beim Grasen gleich zweifach für einen gepflegten Deich. Einmal halten sie das Gras kurz, zum anderen wird das Erdreich des Dammes durch ihr Laufen immer wieder fest getreten. Das ist nützlich für die Stabilität der Deichanlagen an der Elbe. Gestern jedoch ging es etwas ruhiger bei den Pfennigsuchern zu, wie Schafe auch volkstümlich auf Grund ihrer Suche nach Fressbarem auch auf weniger gehaltreichen Flächen bezeichnet werden. Das Scheren der Herde stand auf dem Programm.   

Zur Herde der Schäferei Weber gehören 800 Tiere, alles Muttertiere und einige Böcke. Die Großwiger haben sich auf die Rasse der Suffolk-Schafe spezialisiert. Die ist erst seit dem 18. Jahrhundert aus England bekannt. Die Schafe sind sehr muskulös. Die Wolle ist generell weiß, das Gesicht, die Ohren und die Beine sind tiefschwarz und nur glatt behaart. Weder Schafe noch Böcke tragen Hörner. Jährlinge erreichen schon ein stattliches Gewicht von um die 100 Kilogramm.  

Martin Weber führt seit zwei Jahren die Schäferei Weber eigenständig, hat sie von seinem Vater Konrad übernommen. Damit ist sie in der dritten Generation in Familienhand. Doch Konrad Weber ist zu sehr mit Leib und Seele Schäfer, als dass er selbst im Ruhestand seinen Sohn unterstützt. Auch gestern war er dabei, sorgte beispielsweise für ein ordentliches Frühstück für die beiden Scherer und Helfer.

Gekonnt ist 
eben gekonnt

Seit Jahrzehnten schert der Sprottaer Harald Tröster bei den Weber’s Schafe. Der 69-jährige Tierhändler hat das Scheren schon als Kind gelernt. Später, zu DDR-Zeit die Ausbildung zum „Staatlich anerkannten Schafschere“ absolviert. „10000 Schuren musste man nachweisen können und 18 Jahre alt sein, um die Prüfung abzulegen“, so der Sprottaer, der seinen Lebensunterhalt als Scherer und Viehhändler verdient. Heute sei alles anders. Es gibt kein geregeltes Berufsbild für Schafscherer in der Bundesrepublik. In einer Ausbildung zum Tierwirt ist eine Fachrichtung Schäferei aufgelistet, in der „Schurmethoden unterscheiden und Voll- und Schwanzschur durchführen“ Ausbildungsinhalt ist.

Pro Schaf, brauche man zwei bis drei Minuten, bis die Wolle vom Tier sein, erzählt der Sprottaer, als er gerade ein Schaf fertig hat und das nächste von Martin Weber aus dem Wartegatter zu ihm gebracht wurde. Nebenan hat auch Marco Gödecke mit einem Schaf begonnen. Zeitig musste der Sangerhausener aufstehen, um pünktlich in Weßnig zu sein. Doch er liebt seine Arbeit mit den Tieren. Das ganze Jahr über hätten Scherer gut zu tun, weil immer weniger scheren richtig können. Um Wunschtermine zu erhalten, da sorgen dann die Schäfer auch dafür, dass es den Scherern bei ihren Terminen vor Ort auch gut geht. In Weßnig bringt der Senior deshalb ein reichhaltiges Frühstück zum Scherplatz. Aber das muss noch etwas warten, denn gerade sind die beiden Scherer, denen Martin Weber und Marcel Ludwig die Schafe einzeln jeweils zuführen, emsig bei ihrer Arbeit. Nebenbei ist zu erfahren, dass man für eine Herde von 1000 bis 1200 Tieren schon bis zu zwei Tage einplanen müsse, um die Wolle von den Vierbeinern zu bekommen. 

Heute kaum gefragt, 
früher begehrt

Zu DDR-Zeiten war die Wolle der Schafe heiß begehrt und wurde entsprechend bezahlt. Heute bekommt ein Schäfer für ein Kilo rund 20 Cent. Pro Schur und Tier fallen rund 3,5 Kilo an. Dem gegenüber stehen Kosten von 1,60 Euro pro Tier für das Scheren, hinzu kommen aber auch noch weitere Kosten wie für den Strom oder die Arbeitszeit zum Einfangen der Tiere. „In Spitzenzeiten gab es für ein Kilo Wolle umgerechnet 1,60 Euro“, erzählt der Senior. die Schur nahe dem Gatter auf der Elbwise geht gut voran. In Gattern stehen die Schafe bereit. Muttertiere, für die es nicht die erste Schur ist. Und so hält sich das Määh der Schafe vor Aufregung in Grenzen. Jetzt im Sommer ist die zeit für die Schur ab Mai ideal, denn so kann bei ganzjähriger Weidehaltung das Fell bis zum beginn der kalten Jahreszeit wieder nachwachsen. 

Zuverlässige 
Vierbeiner

Nicht alltäglich ist so ein Schertag auch für die beiden Hütehunde Nekar und Assor. Es gibt kaum Arbeit für sie. Dennoch entgeht ihrer Aufmerksamkeit nichts. Fremdlinge werden angebellt, ansonsten das Geschehen aufmerksam beobachtet. Seit zwei Jahren sind die beiden Altdeutschen Pudel als Hütehunde bei den Webers. Sommer wie Winter, zu allen Jahreszeiten sind sie bei den Schafen und wachen. 

Die Großwiger Schäfer hüten ihre Herden nicht nur im Gebiet von Weßnig an der Elbe. Konrad Weber zählt auf, wo gehütet wird: Region um Elsnig, Gebiete der Stadt Torgau, bis nach Belgern. Aber auch in Richtung Leuna, Treuenbrietzen und Luckenwalde. Im Winter sind die Standorte in der Umgebung von Großwig. Bis zu sieben Kilometern kann ein Schaf am Tag übrigens mühelos zurücklegen. „Wenn es mehr wird, geht es an die Substanz der Vierbeiner“, sagt der erfahrene Schäfer. 

Froh sind alle an dem Tag, dass die Sonne sich hinter Wolken versteckt und auch die Temperatur angenehm ist. Das geht die Arbeit gleich besser von der Hand und für die Tiere gibt es weniger Stress.

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