Samstag, 24. Juli 2021
Donnerstag, 22. Juli 2021

"Eine höhere Wertschätzung für unsere Arbeit"

Stefan Born: „An allem sollen wir Landwirte die Schuld tragen?“ Foto: H. Landschreiber

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Uebigau. Stefan Born über Mehraufwand, Landwirte im Speckgürtel der Großstädte und eine gute Ernte anno 2021

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Stefan Born vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Uebigau erklärt im SonntagsWochenBlatt-Gespräch, warum  ihm der Beruf des Landwirts Spaß macht.

Nach der Pflegebranche hat die Politik die Landwirtschaft als Thema für sich entdeckt. Begrüßen Sie das oder sind Sie eher argwöhnisch und skeptisch?
Stefan Born: Ist das so, dass die Politik uns Landwirte für sich entdeckt hat? Eines ist Fakt: Für uns Landwirte wird es nicht einfacher. Im Gegenteil. Alles wird komplizierter gemacht.

Was sind die größten Hemmnisse? Der Klimawandel oder die politischen Vorgaben und die hausgemachte Bürokratie?
Mit extremen Wetterlagen wird die Landwirtschaft immer zu kämpfen haben. Das haben die Bauern schon immer irgendwie bewältigt. Der Mehraufwand durch die Bürokratie ist schlimmer. Alles muss haarklein aufgezeichnet und nachgewiesen werden. Das nimmt viel Zeit in Anspruch, die woanders fehlt. Letztendlich spielt alles zusammen: Klimawandel, Bürokratie und politische Vorgaben. Mir fehlt an einigen Stellen die Wertschätzung für unsere Arbeit und Produkte.

Viele Landwirte sehen sich als die „Prügelknaben der Nation“ und trugen ihren Protest auf die Straße. Sie auch?  
Ich selbst habe mich noch nicht an einer Demonstration beteiligt. Ich kenne aber Landwirte aus der Region, die protestiert haben. Ich sehe uns Landwirte schon als „Prügelknaben“, weil wir seitens der Politik immer mehr aufgezwungen bekommen. Die Nitratverordnung, das Gülleproblem, das Bienensterben – an allem soll der Landwirt Schuld tragen. Allerdings ernte ich in unserer ländlichen Region Verständnis. Viele Leute kennen und verstehen die Zusammenhänge.
Wie sollte Ihrer Meinung nach die Landwirtschaft der Zukunft aussehen?
Zunächst müsste es eine faire Entlohnung für unsere Produkte geben. Landwirte im Speckgürtel der Großstädte haben es leichter, auf Bio umzustellen oder einen Hofladen zu eröffnen. Die haben das Klientel und die Nachfrage dafür. Für mich wäre das schwierig. Unser Landkreis ist im Vergleich eine wirtschaftlich schwächere Region. Viele würden sich die teureren Produkte nicht leisten können. Qualität hat nun mal ihren Preis.  

Was wäre Ihre dringendste Forderung, was sich in Ihrem Berufsstand ändern müsste?
In welche Richtung sich die Landwirtschaft zukünftig bewegt, ist noch nicht erkennbar. Klimaschutz ist gut und schön – aber vieles dürfte nicht auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden. Für mich als kleinen Einzellandwirt ist es schwer, Flächen zu erwerben. Oftmals habe ich das Nachsehen gegenüber Großinvestoren.  2023 soll es eine Agrarreform geben. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt. Wir Landwirte mussten schon immer flexibel sein und uns auf Veränderungen einstellen.   

Was tun Sie für eine ökologische Landwirtschaft?
Ich lege Blühstreifen und baue Zwischenfrüchte zur Humusbildung an. Allerdings müsste der Mehraufwand entlohnt werden. Meine Mutterkühe stehen das ganze Jahr über auf der Weide, können sich frei bewegen.

Lassen Sie uns zurückschauen: Wie sind Sie Landwirt geworden?
Meine Großeltern und Eltern haben alle in der Landwirtschft gearbeitet: 1995 haben sich meine Eltern mit ihrem Betrieb selbstständig gemacht. Ich bin als gelernter Industriemechaniker quasi ein Seiteneinsteiger. Bis zum Aus im Jahr 2019 habe ich in der Zuckerfabrik Brottewitz gearbeitet. Seitdem ist der elterliche Landwirtschaftsbetrieb mein Haupterwerb. Nebenbei habe ich Landwirt gelernt. Corona hat uns verschont.

Auf welchen Standbeinen fußt Ihr Unternehmen? Mit wie viel Mitarbeitern schultern Sie die tägliche Arbeit?
Ich bewirtschafte mit meinem Vater 330 Hektar, wovon 75 Hektar Grünland, 60 Hektar Mais, 30 Hektar Erbsen und der Rest Roggen, Weizen und Triticale – eine Kreuzung aus Weizen und Roggen – sind. Dazu haben wir Mutterkühe. Meine Mutter kümmert sich um die Buchhaltung.

Würden Sie sich nochmals für die Landwirtschaft entscheiden?
Selbstverständlich, ja. Der Beruf macht mir Spaß, die Arbeit an der frischen Luft und die freie Zeitgestaltung gefallen mir. Einen Nachfolger habe ich bisher leider noch nicht (lacht). Ich habe viel in neue und GPS-gestützte Technik investiert.

Wie fällt die Ernte anno 2021  aus?
Es sieht in der Tat gut aus, viel besser als in den letzten Jahren. Der Mais steht 2,80 Meter hoch – so gut wie lange nicht. Unser Problem ist zurzeit (Stand 16. Juli, Anm. d. Red.) das viele Wasser auf den Feldern, was es uns unmöglich macht, mit den schweren Maschinen auf die Felder zu fahren. Die Gräben sind noch randvoll mit Wasser gefüllt.

 

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Mountainbikemagazin

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de