Freitag, 24. September 2021
Freitag, 30. Juli 2021

Gabriele Schmidt schreibt Zeitgeschichte in 40 Berufsjahren mit

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Seit 40 Jahren arbeitet Gabriele Schmidt im katholischen Kindergarten Torgaus. Eigentlich wollte sie nur ihr Anerkennungsjahr absolvieren. Sie blieb, leitet heute sorgar die Einrichtung.

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Torgau?. Aus allen Gruppen der katholischen Kindertagesstätte Piusstift in Torgau haben sich an diesem Vormittag Kinder und Erzieher im Mehrzweckraum versammelt. Ganz heimlich haben sie mit Erziehern ein Programm vorbereitet und den Raum mit Geschenken, Blumen und Symbolen geschmückt. Einiges wird sich in den nächsten Minuten in einer Feier hinzugesellen. Eine Feier, die Gabriele Schmidt gewidmet ist. Sogar Enkelin Marie, die auch die Kita besucht, hat dichtgehalten und nichts verraten. Die Erzieherin und heutige Leiterin der Kita begeht am 1. August ihr 40-jähriges Dienstjubiläum in dem kleinen Kinderparadies.

Anlass, auf all die Berufsjahre zurückzublicken. Berufsjahre, die auch ein Stück Zeitgeschichte widerspiegeln. Für die gebürtige Weißenfelserin war klar, nach der Schule einen pädagogischen Beruf zu erlernen. Lehrerin war das Traumziel. Doch das blieb Utopie, denn in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen, hatte Gabriele Schmidt nicht an der Jugendweihe teilgenommen. Unmöglich, unter diesen Umständen ein solches Ziel zu erreichen. Ihre katholische Gemeinde hatte schon zu DDR-Zeit einen eigenen Pfarrkindergarten. Ihr damaliger  Pfarrer lenkte sie dorthin, wo sie die Chance auf eine Erzieherausbildung an der katholischen Fachschule in Michendorf erhielt, die ein Aspiranturjahr als Vorbereitung und nach zwei Jahren Studium das Anerkennungsjahr in Torgau mit einschlossen. „Im Anerkennungsjahr kann man sich seinen Einsatzort nicht aussuchen. Ich wurde nach Torgau entsandt und wollte nur ein Jahr bleiben, weil ich anschließend in der Kita meiner Heimatgemeinde gebraucht wurde“, blickt die heute 59-Jährige an die Anfänge 1981 zurück. Aus einem Jahr sind nun gar 40 Jahre geworden. Die Liebe war schuld. „Torgau hatte damals eine sehr aktive und große  katholische Jugendgruppe. Ich habe mich da sehr wohlgefühlt und dabei meinen Mann kennengelernt. So bin ich geblieben“, sagt die Katholikin, die noch immer in Torgau ihren Lebensmittelpunkt mit der Familie hat. 

Bleibend in Erinnerung ist ihr auch ihr erstes selbst verdientes Geld. „Rund 240 DDR-Mark waren das. Zum Glück hatte ich eine mietfreie Dienstwohnung und meine Eltern haben mich damals auch sehr unterstützt, sonst wäre ich nicht über die Runden gekommen“, so Schmidt. Zu einem anderen Kindergarten mit besserem Verdienst wechseln?  Das war nicht möglich, denn der Abschluss als Erzieherin an einer katholischen Fachschule wurde in der DDR nicht mit dem Abschluss an einer staatlichen Fachschule gleichgesetzt und anerkannt. Gabriele Schmidt hätte als Hilfskraft arbeiten müssen. Doch sie blieb in Torgaus katholischen Kindergarten, der sich damals in beengten Räumen in der unteren Etage des Kinderheims im Piusstift befand. 

„Rund 50 Kinder haben den Kindergarten besucht. Ein Platz bei uns, der war damals gefragt. Oft haben wir Kinder über die Kapazitätsgrenzen hinaus aufgenommen“, schaut sie zurück. Heute kommen 88 Mädchen und Jungen in die katholische Kindereinrichtung. Ab dem 2. Lebensjahr bis zur vierten Klasse können sie hier von acht Erziehern betreut werden. Zum Team gehören aber auch Hausmeister, Küchen- Reinigungs- und Verwaltungsmitarbeiter. Ein Team, das Gabriele Schmidt seit 1996 leitet. Eigentlich, so sie selbst, sollte das nur eine Vertretungszeit andauern. Ein Dauerzustand wurde daraus. Und Gabriele Schmidt scheint es gut zu machen. Jedenfalls spürte man das, als Kinder und Mitarbeiter sie gestern mit einem Programm überraschten, dabei nicht mit guten Wünschen sparten, mit Lieblingsliedern und Geschenken ehrten. „Ich würde auf meinem Berufsweg heute wieder alles so machen“, sagt die Jubilarin. Wichtig sei ihr immer ein vertrauensvolles Mit- und Füreinander gewesen mit Eltern wie mit Mitarbeitern, ein Begleiten der Familien, ihr Einbeziehen. Das bringt Anerkennung, auch über die Kindertagesstätte hinaus. Anlass, um Gabriele Schmidt auch am Sonntag zur Heiligen Messe um 10 Uhr zu danken.

Übrigens, um die Anerkennung ihres Erzieherabschlusses an der katholischen Fachschule musste die Wahltorgauerin nach der Wende erst per Antrag an das Land Brandenburg kämpfen. 1992 hielt Gabriele Schmidt dann aber endlich die Anerkennungsurkunde als Staatlich anerkannte Erzieherin in den Händen. Sie war damit nicht die Einzige, die auch in der Bundesrepublik um ihre Berufs- und Fachschulanerkennung kämpfen musste. Gabriele Schmidts bisheriger Berufsweg ist so auch ein Stück Zeitgeschichte.

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