Dienstag, 28. September 2021
Dienstag, 17. August 2021

"Es ist eine unvorstellbare Katastrophe"

In speziellen Containern werden die Fischkadaver gesammelt und abtransportiert. 

Von unserem Redakteur Thomas Manthey

Torgau. Die TZ im Gespräch mit Thomas Plate, Betriebsleiter Torgau der Teichwirtschaft, über das massive Fischsterben am Großen Teich.

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Das massive Fischsterben beschäftigt seit Ende der vergangenen Woche die Torgauer. Im Uferbereich sind hunderte tote Fisch angeschwemmt worden. Inzwischen sind die Kadaver geborgen und entsorgt. Die TZ sprach mit Thomas Plate, Leiter des Betriebsteils Torgau der Teichwirtschaft Torgau, über die Problematik:

Wie groß ist das Ausmaß?

Das ist sehr schwer zu sagen. Wir planen im Jahr immer mit einer Produktion von 60 bis 80 Tonnen Fisch. Sonnabend und Sonntag haben wir rund 31 Tonnen Lebendfisch abgefischt und in andere Teiche umgesetzt, so etwa in den Benkenteich und in Klitzschen. Rund ein Drittel haben wir gerettet.

Wie viele Tonne umfasst der Verlust?

Ich schätze, dass wir einen Verlust von 15 bis 20 Tonnen haben werden. Die genaue Zahl haben wir aber erst im Herbst nach dem Abfischen.

Können Sie schon was zur Ursache sagen?

Es ist eine unglückliche Konstellation, die nicht zu steuern war. Wir glauben, dass es mit dem massiven Absterben der Blau- und Sichelalgen sowie der Wasserflöhe zu tun hat. Diese sind entscheidend für die Sauerstoffproduktion im Teich. Kurz gesagt, Algen sind Sauerstoffproduzenten und die brauchen wir. Den Fischen fehlte schlichtweg der Sauerstoff. Doch die genaue Ursache ist uns gegenwärtig noch unklar, denn wenn wir es auf die hohen Temperaturen in der vergangenen Woche beziehen, so fragen ich mich, fragen wir uns, warum dieser akuter Sauerstoffmangel und diese Problematik nicht schon in den zurückliegenden zwei Jahren mit zwei heißen Sommern und teils höheren Temperaturen aufgetreten ist.

Wann wurde Sie über das Fischsterben alarmiert?

Donnerstag vergangener Woche hatte ich 19 Uhr einen Anruf erhalten. Da haben wir am Umfluter Frischwasser gegeben, um die aufgestiegenen Fische am Leben zu halten.

Und dann ging es los...

Ja, wir haben Freitag damit begonnen und bis Dienstag die noch lebenden Fische einzufangen und umzusetzen. Ab Montag hatten wir Container von der Tierkörperverwertung aufgestellt, um in zig Stunden die toten Fische zu bergen. Das Bergen wird uns noch bis zum Wochenende beschäftigen. Eine Fisch-Tierärztin und das Veterinäramt waren vor Ort und haben alles begutachtet, aufgenommen und registriert.

Haben Sie Helfer?

Ja, Gott sei Dank. Sechs Mitarbeiter und sechs freiwillige Helfer. Es ist eine sehr, sehr unangenehme Arbeit. Man steht in der Fischbrühe und ist der ganzen Zeit dem Gestank ausgesetzt.

Betrifft es nur den Großen Teich?

Ja. Sollten in anderen Teichen jetzt Verluste sein, sind das die umgesetzte Fische, die zuviel Stress hatten.

Waren bestimmte Fischarten betroffen?

Alle, bis hin zum Aal. Wir haben 300 bis 400, teils große Aal, tot geborgen.

Kann der finanzielle und wirtschaftliche Verlust schon beziffert werden?

Nein, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Wo werden die Fischkadaver entsorgt?

In der Tierkörperbeseitigungsanlage Sachsen in Lenz bei Großenhain. Dort werden die toten Fische gewogen und wir haben zumindest einen Richtwert, was den wirtschaftlichen Schaden anbelangt.

Gibt es Gegenmaßnahmen?

Wie gesagt, wir haben – soweit es ging – die noch lebenden Fische abgefischt und umgesetzt.

Wie geschieht das, wenn der Teich nicht abgelassen ist?

Die Fische zogen ja in Richtung Großer Umfluter, wo sie dann quasi standen. Zu sechst haben wir die Fische mit Netzen und teils vom Kahn aus eingefangen.

Derzeit ist es wesentlich kälter. Gut oder schlecht?

Für die Fische sind die aktuelle Kälte und der Wind gut. 

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