Dienstag, 28. September 2021
Mittwoch, 25. August 2021

Ärztemangel beschäftigt Bürger und Stadtrat - Was KV Sachsen und Stadt jetzt tun wollen

Seit Jahren mangelt es in den laendlichen Regionen an Fach- und Allgemeinmedizinern.Foto: dpa/Arno Burgi

Von Laura Krugenberg und Thomas Keil

Torgau. Die ärztliche Unterversorgung in der Stadt verschärft sich durch die Schließung zweier Arztpraxen. Jetzt sollen neue Maßnahmen Ärzte nach Torgau locken.

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Torgau. In den vergangenen Wochen kündigten gleich zwei Torgauer Praxen ihre Schließung an. Zum einen die Hausarztpraxis Dr. Thomalla und zum anderen Kinderärztin Dr. Götze. Das besorgt nicht nur Patienten, die vergeblich nach einem neuen Praxisplatz suchen, sondern beschäftigt auch die Stadt. In der vergangenen Sommerstadtrat-Sitzung machte Oberbürgermeisterin Romina Barth deutlich, welche Folge die Schließungen für Torgau haben: eine Unterversorgung droht nicht nur mehr, sondern „Wir sind damit mittendrin“, konstatierte Barth.

11 freie Stellen für Allgemeinmediziner  

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen liegt der hausärztliche Versorgungsgrad im Planungsbereich Torgau bei 75 Prozent. Andere Städte Nordsachsen schneiden dabei wesentliche besser ab. In Eilenburg liegt er bei rund 100 Prozent und auch in Oschatz gibt es eine Abdeckung von über 90 Prozent. Insgesamt gibt es in Torgau 11 Stellen für Allgemeinmediziner, die nicht besetzt sind (Stand 01.07.2021). Wie die KVS auf TZ-Anfrage mitteilte, versuche man seit Jahren der absteigenden Tendenz des Versorgungsgrades der Region entgegenzuwirken. Leider aber nur mit begrenztem Erfolg, denn trotz gezielter Niederlassungsberatung der KV Sachsen lassen sich nur wenige Ärzte im ländlichen Raum nieder.  

„Das KV-System ist madig“ 

Im Stadtrat hagelte Kritik an dem als zu starr angesehenem System der KV. „Im Jahr 2013 oder 2014 wollte ich eine Praxis in unseren Objekten an den Beilroder Allgemeinmediziner Sven Thielemann vermieten. Er wollte hier sozusagen eine Filiale eröffnen. Doch das wurde von der KV abgelehnt“, wunderte sich Freie-Wähler-Stadtrat Axel Klobe. Mit ähnlichem Unverständnis äußerte sich seine Fraktionskollegin Corinne Heise: „Die KV sagt, wir hätten genug Ärzte (…) Das KV-System ist madig. “. Gerade in Sachen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen, wenn Dr. Walter Pötzl keinen Nachfolger gefunden hätte, so die Hörgeräteakustikerin. Dem entgegnete Romina Barth, dass hier zwischen Fach- und Allgemeinärzten unterschieden werden müsse. „Dabei sind wir gemäß der theoretischen Berechnung der KV bei Fachärzten überversorgt und bei den Allgemeinmedizinern unterversorgt“, fasste sie zusammen. Doch auch die Oberbürgermeisterin erkannte Schwächen im System der KV. „Die Grenzgänger unter den Patienten werden nicht erfasst“, verdeutlichte die Oberbürgermeisterin. Schließlich kämen viele Patienten auch aus Herzberg oder auch Wittenberg nach Torgau. Und jene Patienten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt würden von der KV Sachsen schlicht und ergreifend nicht berücksichtigt. 

Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen” 

Weil der Ärztemangel nicht nur in Torgau, sondern im ländlichen Raum allgemein, ein großes Problem darstellt, hat der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Sachsen mehrere Fördermaßnahmen beschlossen. Dazu gehört unter anderem eine Einmalzahlung bis zu 100.000 Euro bei zum Beispiel Praxisübernahmen oder Praxisneugründungen. Fachärzte der Innere Medizin, die zunächst bei einer Anstellung in einer Hausarztpraxis Erfahrungen für eine zukünftige Tätigkeit als Hausarzt sammeln wollen, erhalten zudem einen „Gehaltszuschuss für Hausärzte auf Probe”, so die KV Sachen. Weitere Anstrengungen werden derzeit in der Nachwuchsförderung unternommen. Dazu gehört auch das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen”. Seit 2013 werden dadurch Studenten gefördert, die an der ungarischen Universität Pécs den deutschsprachigen Studiengang Humanmedizin belegen. Nach Abschluss ihres Medizinstudiums sin diese dann verpflichtet sich als Hausarzt im ländlichen Raum Sachsens niederzulassen. 

Ärzte nach Torgau locken 

Auch die Stadt will dem Ärztemangel entgegenwirken und Torgau für Mediziner attraktiver machen. So wolle man vor allem sogenannte Einpendler ansprechen. „Zum Beispiel mit einem Jahresticket der Deutschen Bahn zwischen Leipzig und Torgau oder auch mit Leasingverträgen für Pkw“, sagte Romina Barth. Außerdem wolle die Stadt der KV vorschlagen, für auswärtige Ärzte Hotelzimmer oder Ähnliches zur Verfügung zu stellen. Mit dem Ziel Bereitschaftsdienste in Torgau vor Ort abzudecken und örtliche Ärzte zu entlasten. Zusätzlich werde noch ein Imagefilm erstellt, der für Torgau unter den Ärzten werben soll.  

Was Patienten jetzt tun können  

Trotz Maßnahmen von Stadt und KV Sachsen bleibt die Situation für Patienten noch unverändert. Wer von den Praxisschließungen betroffen ist und Probleme hat einen neuen Arzt zu finden, dem rät die KV Sachen, sich an ihre Terminservicestelle zu wenden. Dort werden Bürger des Freistaates bei der Vermittlung von dringlichen Facharzt- und Psychotherapeutenterminen sowie Haus-, Kinder- und Jugendarztterminen unterstützt. Der Service ist unter der Rufnummer 116117 erreichbar. Eine andere Möglichkeit, sich zu den Ärzten der Region sowie zu deren Behandlungsschwerpunkten und Sprechzeiten zu informieren, ist die Arztsuche auf der Internetseite der KV Sachsen. Hier sind alle Angaben zu den Arztpraxen aktuell hinterlegt: www.asu.kvs-sachsen.de/arztsuche 

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