Dienstag, 28. September 2021
Freitag, 27. August 2021

Amelie Alterauge: "Geschichten über den Tod hinaus"

Amelie Alterauge: „Die Grüfte unter der Riesaer Klosterkirche sind außergewöhnlich interessant für die Wissenschaft.“Foto: Peter Noack

Von unserem Redakteur Peter Noack

Amelie Alterauge über die Grüfte in Riesa

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Amelie Alterauge war wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Bern und ist seit April 2020 Koordinatorin für prähistorische Archäologie an dieser Universität. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bestattungsbrauchtum des Mittelalters und der Neuzeit, Sonderbestattungen, bildgebende Verfahren (Röntgen, CT), biologische Anthropologie und Mumifizierung. Heute berichtet sie über ihre Forschungsergebnisse und eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Riesa zu den Grüften unter der Klosterkirche.

SWB: Frau Alterauge, warum forschen Sie ausgerechnet in Riesa? Sind das so wichtige Grüfte?
Amelie Alterauge:
Wenn man auf dem Gebiet der Bestattungskultur im 17. Jahrhundert forscht, kommt man an Riesa nicht vorbei. Die Qualität der erhaltenen mumifizierten Leichname ist erstaunlich. Auch die Anzahl von bestatteten Personen in diesen Grüften ist außergewöhnlich groß. Bisher habe ich nur in kleineren Grüften geforscht. Der Erhaltungszustand der Textilien, wie z. B. der Kleidungsstücke oder der Grabbeigaben, ist einzigartig. Einzigartig ist auch die Belegungsdauer von der ersten Hälfte des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Befund erlaubt es, Veränderungen in der Bestattungskultur nachzuvollziehen, die sich im Dekor der Särge, in den Inschriften, in der Kleidung der Bestatteten und den Beigaben widerspiegeln. An dieser Stelle möchte ich mich auch für die wunderbare Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Riesa und der Evang.-Lutherischen Kirchengemeinde Riesa bedanken.

Wie konnte es passieren, dass unter der Riesaer Klosterkirche Mumien zu finden sind?
Die Bestattungen in Kirchen galten ab dem Mittelalter als Privileg geistlicher Würdenträger und des Adels. In der Neuzeit wurden statt einfachen Gräbern Grüfte für adlige Familien angelegt, so auch in der Klosterkirche Riesa. Mit dem Patronat über die Kirche besaßen die Riesaer Rittergutsbesitzer das Vorrecht für einen solchen Bestattungsplatz. Hier sollten die Verstorbenen im Kreise ihrer Familien bis zur Auferstehung ruhen. Bedingt durch die klimatischen Bedingungen und einen ständigen Luftzug in den Grüften haben sich einige Leichname als natürliche Mumien erhalten.

Was machen diese Mumien für die Wissenschaft so interessant?
Prunkvolle Särge mit Inschriften, kostbare Kleidung und schmückende Beigaben bezeugen den zu Lebzeiten erworbenen Stand und beleuchten den Umgang mit Tod und Abschiednehmen. Die Grundlage unserer Arbeit ist eine detaillierte Auflistung anlässlich der Gruftöffnung 1828. Von 2016 bis 2018 wurden im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Riesa die Gruft unter dem Altar sowie die Nordgruft durch Forscherinnen der Universität Bern und der Museen der Stadt Dresden wissenschaftlich untersucht. Eine Sonderausstellung dazu kann im Stadtmuseum Riesa bis zum 16. Januar besucht werden. Die Ausstellung widmet sich dem Thema Tod und Umgang mit demselben. Sie befördert damit auch das Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit und die Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Sinn des Daseins und der eigenen Verantwortung dafür. Neben einer umfassenden Bestandsaufnahme der Grüfte wurde auch die sich über die Jahrhunderte hinweg vollziehende Belegung sowie die Umstände ihrer öffentlichen Präsentation nachvollzogen. Gegenstand detaillierter Untersuchungen waren die Särge, Mumien, Beigaben und Textilien.

Die Ausstellung umfasst auch begleitende Veranstaltungen. Was können Sie dazu sagen?
An dieser Stelle kann ich nur einzelne Programmpunkte nennen. Zum Begleitprogramm gehören unter anderem Expertenführungen nach telefonischer Anmeldung unter 03525-65 93 00 oder Vorträge wie „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ von Cornelia Hofmann, Diplom-Restauratorin Museen der Stadt Dresden, am Sonntag, 19. September, 11 Uhr, im Stadtmuseum Riesa oder „Lasset die Kindlein zu mir kommen. Zur Bedeutung der Totenkronen aus der Gruft in der Klosterkirche Riesa“ mit Dr. Juliane Lippok, Kulturhistorisches Museum Magdeburg, am Sonntag, 24. Oktober, 11 Uhr, im Stadtmuseum Riesa. Sicher sehr interessant sind die geführten Rundgänge durch Klosterkirche und Grüfte. Sonderführungen sind telefonisch unter 03525-62010 zu vereinbaren. An öffentlichen Führungen ohne Anmeldung kann man vom 28. August bis 13. November jeweils samstags und sonntags von 14 Uhr bis 18 Uhr teilnehmen.

 

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