Dienstag, 28. September 2021
Montag, 30. August 2021

Eine Glocke erzählt ihre Geschichte

Nach der Orgelsanierung ertoente auch diese wieder am Sonntag.Foto: Kristin Engel

Von unserer Redakteurin Kristin Engel

Schöna. Glockenweihe nach der Sanierung in der Schönaer Kirche.

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Schöna. „Ich freue mich nach all der Zeit von meiner langen Reise vom Glockendoktor zurück zu sein. Immerhin bin ich mit meinen 750 Jahren schon eine alte Dame. Jetzt kann ich Euch wieder mit meinem Klang erfreuen. Als Schöna 1201 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, war ich noch nicht da, dafür konnte ich zur 800-Jahrfeier wie verrückt meinen Klöppel schwingen. Erst war ich katholisch. Durch Martin Luther wurde ich evangelisch. Ich war dabei, als 1575 die Schule in Schöna gegründet wurde und auch, als sie geschlossen wurde. Da war ich traurig. 

Ich habe viele schöne und schlechte Zeiten erlebt. Ich erlebte, wie die freiwillige Feuerwehr und die Blaskapelle gegründet und das Turmblasen zu Heiligabend eingeführt wurde. Ich erlebte auch, wie 1637 durch die Pest Schöna fast komplett ausgelöscht wurde. Nur vier Personen haben überlebt. Als 1701 der Turm der Kirche einstürzte, stürzten auch wir drei Glocken nach unten. Eine ging dabei kaputt. Nur meine kleine Schwester und ich blieben übrig. Doch meine kleine Schwester wurde im Zweiten Weltkrieg abgegeben, erst 1950 in Hamburg wieder entdeckt und zurückgebracht. Ich erlebte, wie ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen auf dem Kastanienplatz aufgestellt wurde. 

Es gab viele stürmische Zeiten. Doch Schöna ist immer Schöna geblieben. Ich habe viel erlebt und was werde ich noch alles erleben? Ich habe eine große Helferin, die Orgel. Gerade erst repariert, kam der Sandsturm und sie musste wieder erneuert werden. Wir sind nun wieder durch die Schönaer und Helfer im Dienst. Danke! Jetzt läute ich für Euch! Eure Glocke.“ 

Vor dem ersten Geläut am Sonntag war ein  leises Rattern zu vernehmen. Die „alte Dame“ setzte sich in Gang und dann war ihr Ton zu vernehmen. Zur Freude aller, die das miterleben konnten und aller, die dafür gesorgt haben, dass es zu diesem Erlebnis kommen konnte. 

Der Gemeindekirchenrat bedankte sich zu diesem festlichen Anlass bei den Spendern, den Mitstreitern des Gemeindekirchenrats und den helfenden Händen, ohne die so vieles nicht möglich gewesen wäre. „Die Orgel und die Glocke wieder heil zu machen, war ein finanzieller und personeller Kraftakt“, sagte Pfarrer Thomas Pfeifer anerkennend und zitierte ein Teil aus dem Stück von Friedrich Schiller „Die Glocke“. 

Im Anschluss an den Festgottesdienst wurde gemeinsam bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen und über den langen Weg gesprochen, der gegangen werden musste, bis die Glocke wieder an ihrem gewohnten Platz läuten konnte. 

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