Dienstag, 28. September 2021
Mittwoch, 1. September 2021

Schulstart in Sachsen: Filtern oder nicht Filtern - das ist hier die Frage!

Luftfilter an Schulen sind ein sehr umstrittenes Thema. Die einen halten sie für ein wichtiges Mittel zum Schutz vor der Verbreitung des Corona-Virus’ und andere halten sie schlichtweg für überflüssig und wirkungslos. Foto: Sven Hoppe

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Nordsachsen/Torgau. An nordsächsischen Schulen geht das Thema Luftfilter nur  langsam voran – das sorgt für Diskussionsstoff. TZ sprach darüber mit dem bildungspolitischen Sprecher der SPD Nordsachsen, Heiko Wittig und Vertretern des Jugendforums Torgau, des Kreiselternrats Nordsachsen sowie dem Schulleiter des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums, Peter Nowack. 

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Nicht effizient genug, eine zu große Lärmquelle, zu hohe Stromkosten – so viele Argumente, die scheinbar gegen die Nutzung von Luftfiltern zum Schutz vor dem Corona-Virus an Schulen sprechen, stehen im Moment ebenso wie der hohe verwaltungstechnische Aufwand einer vollumfänglichen Ausstattung nordsächsischer Einrichtungen mit den luftreinigenden Geräten entgegen. Argumente, die freilich nicht jeder teilt und nachvollziehen kann, denn an diesem Thema scheiden sich die Geister. Auch in Torgau selbst ist nach wie vor unklar, ob überhaupt Luftfilter eingesetzt werden sollen, wie aus einem Statement der Stadtverwaltung auf TZ-Nachfrage deutlich wird: „Wir prüfen derzeit, ob der Einbau von Luftfiltern für unsere Schulen sinnvoll und effizient ist. Eine genaue Aussage zum Durchführungszeitraum und welche Luftfilter verwendet werden könnten, kann derzeit noch nicht getroffen werden.“ TZ sprach außerdem mit dem bildungspolitischen Sprecher der SPD Nordsachsen, Heiko Wittig und Vertretern des Jugendforums Torgau, des Kreiselternrats Nordsachsen sowie dem Schulleiter des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums, Peter Nowack darüber, ob sie Luftfilter an nordsächsischen Schulen für sinnvoll erachten und wie sie der zähen Entwicklung in dieser Thematik gegenüberstehen. ?

Heiko Wittig, bildungspolitischer Sprecher SPD Nordsachsen

Luftfilter sollten dringend genutzt werden! Ich konnte  nicht glauben, was ich kürzlich zu lesen bekam. 200 Millionen Euro hat die Bundesregierung für Luftfilter in Schulen zur Verfügung gestellt. In Berlin und Bremen, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind bereits über 10 000 eingebaut. In Nordsachsen aber erklären die Verwaltungen, warum die Luftfilter kein Thema sind. Zu laut, zu hohe Energie- und Wartungskosten und was nicht noch alles als Begründung aufgeführt wird, warum der Bund sein Geld lieber behalten solle. Die betroffenen Schüler und Lehrer bleiben kopfschüttelnd zurück und freuen sich bereits jetzt auf die wieder gut durchgelüfteten Klassenzimmer in den Wintermonaten. Vom Lärmpegel, von dem die Schulen an den Hauptstraßen betroffen sind, mal ganz abgesehen. Um es ganz klar zu sagen, es geht nicht darum, komplett alle Klassenräume in ganz Nordsachsen mit Luftfiltern auszustatten. Es geht um die vergleichsweise kleineren Räume und vor allem um die Räume, die an Hauptstraßen liegen und in denen bei offenen Fenstern ein enormer Lärmpegel herrscht. Schauen wir mal, was die Lehrer-Personalräte sagen, wenn die Vereinbarung mit dem Kultusministerium, dass alle erforderlichen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz in den Schulen zu ergreifen sind, von den Schulträgern nicht unterstützt werden. Die neue Dienstvereinbarung sieht dazu klare Regularien vor. Insofern sehe ich nun die Lehrervertretungen, aber auch die Eltern- und Schülersprecher am Zug, sofern die Verwaltungen bei ihrer Haltung bleiben, zu erklären, warum es nicht geht, statt zu sagen, welche Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Umsetzung des Bundesprogramms auch in Nordachsen zumindest an Brennpunkten erfolgen kann.

Peter Nowack, Schulleiter Johann-Walter-Gymnasium Torgau

Grundsätzlich stehe ich dem Thema „Luftfilter“ positiv gegenüber, denn hilfreich wären diese schon. Dennoch bin ich diesbezüglich realistisch, dass die wenigsten Träger sich vollumfänglich werden ausrüsten können. Wir werden auch zukünftig um das Lüften nicht herumkommen und ohne Luftfilter in das neue Schuljahr starten. In unseren Klassenräumen, die alle eine Kapazität von 24 bis 30 Schülern haben, ist das Lüften sehr gut möglich. In der Zeit und mit dem finanziellen Aufwand ist nicht zu erwarten, dass so schnell genügend Luftfilter zur Verfügung gestellt werden - auch an keiner anderen Schule im Landkreis.

Nils Haß, Jugendforum Torgau

Die Debatte über Investitionen für Luftfilter in den Schulen Sachsens startete nun auch bei uns, zu Beginn des neuen Schuljahrs 2021/22. Wir als Jugendforum finden, dass flächendeckende Luftfilter in den Klassenräumen einen Teil zur Bekämpfung der Coronapandemie beitragen können. Maßnahmen wie regelmäßiges Lüften der Klassenräume sind dabei jedoch noch effektiver. Luftfilter können die Menge der Aerosole in geschlossenen Räumen verringern, aber nur, wenn spezielle und qualifizierte Geräte eingebaut sind. In Klassenräumen, in denen nur schwer die Luft ausgetauscht werden kann, können die Filter dabei unterstützend wirken. Besonders in den kommenden kalten Jahreszeiten können sie das Luftklima in den Klassenräumen verbessern, jedoch nicht das Lüften ersetzen. Eine Anschaffung finden wir deshalb bis zu einem gewissen Maße sinnvoll.

Sebastian Lenz, Stellvertretender Vorsitzender Kreiselternrat Nordsachsen

Das Thema Luftfilter ist sinnbildlich für die Arbeitsweise und Prioritäten der Landesregierung in Sachsen. Während für die meisten Menschen die Pandemie in den letzten 18 Monaten zum Alltag geworden ist, werden die Verantwortlichen immer wieder überrascht und beschäftigen sich, wenn überhaupt, erst viel zu spät mit Lösungen. So überrascht es kaum, dass Herr Piwarz sich erst Ende Juli mit Luftfiltern beschäftigen wollte, schließlich müsse man ja erst einmal Kosten abwägen und bis zum Schulbeginn waren es ja noch ein paar Wochen. Statt jede kleine Möglichkeit zu nutzen, unsere vor allem jungen Kinder nicht ungeschützt dem Risiko einer Infektion auszusetzen, wird wieder viel zu spät geprüft und eventuell entschieden. Geht es aber um wirtschaftliche Entscheidungen, wie den Ausfall von Arbeitskräften bei ausbleibender Schulpflicht oder die Durchführung von Großveranstaltungen, geht vieles ganz schnell und heimlich. Resignation ist daher das vorherrschende Gefühl für viele Eltern und im Kreiselternrat und man überlässt es den Schulen, wie sie mit der Situation klarkommen.

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