Dienstag, 28. September 2021
Donnerstag, 9. September 2021

"Unsere Zeit schreit danach!"

Christian Poser spielt im neuen Bühnenstück „Dingsdabums“ der ScHerzberger die Rosa Rosenlieb. Foto: privat

Stefanie Kammer alias Lulu Huflattich

Herzberg. Theatermann Christian Poser über Satire, Spott und Schabernack in Pandemiezeiten

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Er ist der Mann mit den vielen Bühnengesichtern. Als Amtsträger, Drogenjunkie, Urologe und als Angela Merkel brachte Christian Poser in den Stücken der Theatergruppe „Die ScHerzberger“ das Publikum zum Lachen. Jetzt macht er als Rosa Rosenlieb die Bühne unsicher. Das neue Stück der ScHerzberger namens „Dingsdabums“ steht vor der Aufführung. Poser springt zwischen seiner Rolle als Rosa Rosenlieb und der eigenen Person hin und her und erklärt nebenbei dem SonntagsWochenBlatt, worum es in dem neuen Stück geht.

SWB: Herr Poser, nach gut anderthalb Jahren Bühnenzwangspause vermissen Sie sicher den Klamauk, oder?
Rosa Rosenlieb:
Poser? Geht`s noch? Ich heiße R o s a! Und dann so eine blöde Frage. Meine Bühne war nicht im Lockdown. Meine Bühne ist überall. Vorm Supermarkt oder am Biereck. Ich hol einfach meine Samtjogger raus, dazu die Plüschlatschen und dann leg ich eine Show hin, da fallen die Leute hier aus allen Wolken.

Ach, und ich dachte Sie spielen in Kürze Theater und karikieren die aktuelle Lage?
Die aktuelle Lage schiebste Dir am besten in Deinen Allerwertesten. Weil von dem ganzen Theater verstehst Du nix. Und überhaupt, wer das schon wieder ausgeplaudert hat! Mit Dingsdabums ist nicht zu spaßen, schon gar nicht, wenn es auf der Bühne umgeht. Ich für meinen Teil mach dieses Mal kurzen Prozess. Ich knall unsere blöde Bücherschrunze aus dem Buchladen ab. Hab lang genug meinen Hintern für alle hingehalten und immer gute Miene zum bösen Spiel gemacht.

Moment, Sie bringen im neuen Stück Ihre Mitspielerin um?
Na irgendwann reißen wir doch alle die Hufe hoch. Und das macht das Stück so unverwechselbar. Der Poser hustet sich tot, die Medenwald bleibt mit dem Kopf im Nachttopf stecken und erstickt. Ach, und unser Reinhard Straach – kennste doch, der ehemalige Stadtgärtner – bricht sich das Genick. So schnell ist man weg vom Fenster.

Das kann doch aber unmöglich das Ende sein?
Ende? Am Ende sind wir doch alle längst! Die Politik, die Amtshechte in der Verwaltung und selbst Euch Zeitungsfritzen geht’s nicht so prickelnd. Wie die Kassierer im Supermarkt stehen alle vorm Kollaps. Aber ich mach den Spuk so nicht mit. Ich gönn mir öfter mal was! Mal ein hübsches Tattoo oder neue schicke Nägel. Immer schön bunt. Dann sieht die Welt gleich ganz anders aus. Das hat mein süßer Arni och immer gesagt. Bevor ich ihn umgelegt habe.

Ist nicht Ihr Ernst! Arni musste auch dran glauben?
Was soll das Verhör hier? Auf Kripo und Co. habe ich überhaupt keinen Bock. Die nervige Fragerei ist genauso lästig wie juckender Fußpilz. So was wünscht man höchstens der Merkel oder dem Herzberger Bürgermeister. Ich streich die Segel und lass jetzt mal den Poser reden.

Okay, war mir ein Vergnügen. Schalten wir jetzt auf Christian Poser um. Warum spielen Sie? Und weshalb so wundersame Pflänzchen wie Rosa Rosenlieb.
Christain Poser:
Weil es Freude macht, ein anderer zu sein. Weil unser Alltag all das oft nicht hergibt: zu übertreiben, herumzuspinnen und über sich selbst und die Welt da draußen zu lachen.

Und dann entsteht einfach so eine Figur und eine abgefahrene Handlung aus dem Nichts heraus?
Nein, nicht ganz. Für die Bühnenarbeit gilt wie im richtigen Leben: Man muss es wollen und fleißig sein. Das neue Stück hat unsere Stückeschreiberin Stephanie Kammer in vier Wochen geschrieben. Dann haben wir geprobt, was das Zeug hielt. Jetzt läuft die Werbung an und ab Oktober soll „Dingsdabums“ das Hier und Jetzt aufs Korn nehmen. Unsere Zeit schreit danach, auf die Bühne gebracht zu werden. Wenn uns das Publikum spielen sieht und lacht, lässt sich der tägliche Wahnsinn leichter tragen.

Wie stellen Sie sich auf die pandemiebedingten Veranstaltungsvorgaben ein?
Wir haben die Personenanzahl im Publikum etwa halbiert. Darüber hinaus gilt die 3-G-Regel. Abstand wird eingehalten und bis zum Platz herrscht Maskenpflicht. Wir legen allen Menschen, die an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen wollen und viele Kontakte haben, ans Herz, sich und andere zu schützen. Wir mussten anderthalb Jahre auf jegliches Kulturschaffen verzichten. Hatten Stücke vorbereitet, die nicht aufgeführt werden konnten. Die Rückkehr zur Normalität ist mit Kompromissen verbunden. Wir möchten unbedingt wieder spielen und ausgelassen gemeinsam lachen. Wer dabei mithilft, diese Unbeschwertheit zurückzugewinnen, tut sich und allen anderen Gutes.

Ab wann gibt es Karten, und wo bekommt man sie?
Der Kartenvorverkauf läuft bereits. Als sich die ersten Infos zum neuen Stück herumsprachen, erhielten wir postwendend zwanzig Kartenreservierungen mit einem Schlag, ohne auch nur eine Eintrittskarte gedruckt zu haben. Wir verkaufen die Karten in der BücherKammer in Herzberg, Torgauer Straße 21. Eröffnet wird die Spielsaison am 22. und 23. Oktober in der Dresdener Straße 29, im Raum 1. Wir freuen uns sehr, wenn wir als kleine freie Bühne unser geschätztes Publikum wieder herzen und piesacken dürfen.

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