Dienstag, 28. September 2021
Donnerstag, 9. September 2021

Gibt es eine Bienenmafia?

Thomas Mieth wurden im August ganze elf Bienenkästen geklaut.Foto: Laura Krugenberg

Von unserer Redakteurin Laura Krugenberg

Nordsachsen. Imker beklagen immer mehr Bienendiebstähle. In der Region Torgau sind diesen Sommer bereits neunzehn Bienenvölker über Nacht verschwunden.

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Nordsachsen. Seit einigen Jahren haben Imker in Deutschland zunehmend mit Diebstählen zu kämpfen. Ganze Völker mit tausenden Honigsammlerinnen werden über Nacht einfach geklaut. Auch in Nordsachsen hat sich das Problem in diesem Sommer verschlimmert. Das zeigen auch die Zahlen der Versicherungen: Entwendeten die Diebe sonst nur ein bis zwei Bienenkästen, werden in letzter Zeit Fälle gemeldet, bei denen die geschädigten Imker einen Verlust von fünf bis zehn Völker beklagen. In Süptitz kam es erst Ende August zu einem Vorfall, bei dem ganze elf Bienenkästen, in der Fachsprache auch als Beuten bezeichnet, über Nacht verschwunden sind.  

Zwei Diebstähle in zwei Monaten 

Besonders häufig treten Bienendiebstähle im Frühjahr auf, so der Landesverband Sächsischer Imker e. V., wenn die Völker den Winter nicht überstehen und sich Imker prompt bei ihren Kollegen „bedienen”. Doch auch im Sommer, kurz vor der Honigernte, sind die Beuten ein beliebtes Gut: „Die Diebe erbeuten dann nicht nur die Bienenvölker und die Beuten, sondern auch den Honig. Das trifft die Imker natürlich dann doppelt so hart. Da steckt immerhin sehr viel Arbeit und Herzblut drin”, erzählt Günther Friedmann. Der Wanderimker aus Baden-Württemberg hatte seine Bienenbeuten Ende Mai in die Nähe von Süptitz gebracht, um dort im Juli Akazienhonig ernten zu können. Bereits zum zweiten Mal kam er mit seinen Bienen von Ulm nach Nordsachsen: „In Sachsen gibt es sehr viele Blühstreifen und ökologische Landwirte, mit denen ich gern zusammenarbeite.” Im vergangenen Jahr verlief für Friedmann noch alles nach Plan, doch in diesem Sommer wurde auch er zum Opfer von Bienendieben. Insgesamt acht Beuten wurden dem Imker zwischen dem 17. und 20. Juni geklaut. „Das ist einfach eine echte Sauerei. Bei mir ist ein Schaden von über 3000 Euro entstanden. Aber das ist ja nicht mal das Schlimmste! Ich bin einfach entsetzt, wie Imker sich untereinander sowas antun können. Der ganze Honig, die ganze Arbeit, einfach dahin.” Um die Täter ausfindig zu machen hat Günther Friedmann eine Belohnung von 300 Euro angesetzt, für den Hinweis, der zur Ergreifung der Täter führt. Bei seinen Beuten handelt es sich nämlich um einen speziellen Bautyp, der dem geschulten Auge sofort auffällt.  

Und das war nicht der einzige Bienendiebstahl in Süptitz. Gerade einmal einen Monat später erstattet der Landschaftsbauer Thomas Mieth Anzeige bei der Polizei. Auch bei ihm ist der Verlust groß: Ganze elf von zwölf Bienenvölkern wurden dem 54-jährigen gestohlen. Die Beuten standen am Rande eines Waldgebietes zwischen Großwig und Süptitz und wurden wahrscheinlich zwischen dem 21. Und 26. August gestohlen. „Ich habe den Honig erst kurz vorher abgeerntet und meine Bienen für den Winter vorbereitet. Ein paar Tage später dann der Schock: Fast alle weg.” Auch bei den Bienenkästen von Thomas Mieth, sogenannte Pienka- Beuten, handelt es sich es um eine Bauart, die Imker eher selten verwenden. Aus diesem Grund vermutet er, dass es sich bei den Dieben nicht um Imker aus der Region handelt. „Wenn jemand plötzlich solche Kästen bei sich stehen hat, würde das auffallen. Ich glaube, dass die gestohlenen Beuten im Ausland weiterverkauft werden.” Neben dem finanziellen Schaden, über 4000 Euro, trifft der Verlust seiner Völker den Imker auch emotional sehr. Seit zwölf Jahren sind Bienen die Leidenschaft des Landschaftsbauers, der durch seinen Sohn zu dem Hobby kam. Die letzte ihm verbliebene Beute, die die Diebe wahrscheinlich wegen einer kleinen Beschädigung zurückließen, steht jetzt auf dem Grundstück des 54-jährigen.  

Kriminelle Strukturen 

Bienendiebstähle im großen Stil sind auch in anderen Ländern seit Jahren ein Problem, welches sich zunehmend verschärft. In den USA beispielsweise ist mittlerweile die Rede von einer sogenannten Bienenmafia. Das auch Deutschland steigende Fälle verzeichnet, liegt unter anderem daran, dass Imkerei ein immer beliebteres Hobby wird. Nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in Großstädten wächst die Zahl der Bienenvölker. Laut Landesverband Sächsischer Imker kann man in Deutschland noch nicht von dem Phänomen Bienenmafia sprechen. Nichtsdestotrotz zeigen sich viele Imkervereine und deren Mitglieder besorgt. „Das sind meiner Meinung nach keine  Laien, die so viele Beuten auf einmal klauen. Und da es immer mehr solcher Fälle gibt, denke ich schon, dass sich auch hier bei uns kriminelle Strukturen entwickeln”, vermutet Thomas Mieth. Damit ist er nicht alleine, auch Wanderimker Günther Friedmann äußert Bedenken, dass es sich hierbei um organisiertes Verbrechen handeln könnte. 

Polizei macht wenig Hoffnung 

Hinzu kommt, dass die Aufklärungsrate bei Bienendiebstählen nahezu bei null liegt. Auch Thomas Mieth macht sich wenig Hoffnung und ist enttäuscht über die Vorgehensweise der Polizei: „Die Beamten haben mir gesagt, dass die Aussichten schlecht sehr sind. Das frustriert mich sehr. Ich hätte mir ein bisschen mehr Polizeiarbeit gewünscht. Als ich den Diebstahl gemeldet habe, wurden nicht einmal Fotos vom Tatort oder dem verbleibenden Bienenkasten gemacht.” Zukünftig müssen Imker ihre Bienenkästen deshalb so gut es geht selbst schützen. Der Landesverband Sächsischer Imker rät, die Beuten so individuell wie möglich zu gestalten, damit diese einen hohen Wiederkennungswert haben. Zudem kann man verschiedene Technik einsetzen, wie zum Beispiel Wildkameras oder GPS-Tracker. Zu solchen Maßnahmen werden künftig auch Thomas Mieth und Günther Friedmann greifen. Beide werden ihre verbleibenden oder neuen Beuten mit GPS-Trackern versehen, die eine Benachrichtigung auf ihr Handy senden, sobald sich der Kasten bewegt. „Was anderes kann man eigentlich nicht machen. Richtige Profis nehmen ja sogar die Überwachungskameras mit, da bleibt einem nur GPS”, stellt Mieth fest. Trotz alledem hoffen beide Imker, dass der oder die Täter doch noch gestellt werden, auch wenn die Aussichten schlecht sind. Wer die Beuten gesehen oder Hinweise auf deren Verbleib hat, der kann sich bei Günther Friedmann unter guenter.friedmann@imkerei-friedmann.de sowie bei Thomas Mieth unter post@galabau-mieth.de  melden.

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