Dienstag, 28. September 2021
Freitag, 10. September 2021

Grenzenlose Euphorie

Herbert Schröder, Heike Karau, Stefan Schieritz und Martin Röthel setzen jeweils ihre Unterschrift unter die Kooperationsvereinbarung.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Dommitzsch. Mit ihren Unterschriften  unterstrichen vier Bürgermeister grenznaher Kommunen am Donnerstagnachmittag im Dommitzscher Mehrgenerationenhaus ihren Willen, künftig noch enger zusammenarbeiten zu wollen. 

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Doch was heißt schon Grenze... „Wir leben hier, als gebe es diese überhaupt nicht“, sagte Elsnigs Bürgermeister Stefan Schieritz. Und trotzdem scheint die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen in vielerlei Dinge eine hohe Hürde. Exemplarisch sollen hier nur zwei Beispiele genannt sein: einerseits die unterschiedlichen Schulsysteme, andererseits Unterschiede bei der Organisation des Personennahverkehrs. Und wenn die Latte, die es hierbei zu überqueren gilt, sehr hoch liegt, könnte man ja auch auf den Gedanken kommen, einfach unten durch zu schlüpfen...

50 lokale Akteure

Zwei Jahre hat es gedauert, bis  Bürgermeisterin Heike Karau zu jener Abschlussveranstaltung, bei der die Ergebnisse vieler Workshops vorgestellt wurden, nach Dommitzsch laden konnte. Zwei Jahre, in denen 50 lokale Akteure aus Dommitzsch, Elsnig, Trossin und dem sachsen-anhaltischen Nachbarn Bad Schmiedeberg unter Anleitung von Projektkoordinator Axel Thomas trotz Corona-Einschränkungen an Ideen feilten, wie eine kommunale Kooperation im ländlichen Raum mit Leben gefüllt werden kann und wie vor allem die Bürger in den jeweiligen Ortschaften davon profitieren könnten.

Viele Ideen

Von anfänglichen Ideen  wie der Einrichtung eines Bürgerbusses, dem Aufbau freier W-Lan-Hotspots, der Schaffung von Gewerbeflächen, einer neuen Bus-Bahnlinie, einer Arbeitsplatzbörse oder auch der Schaffung eines digitalen Informationsportals kristallisierten sich am Ende drei ernst zu nehmende Favoriten heraus: So soll länderübergreifend  Druck gemacht werden, die bestehende Buslinie Torgau-Dommitzsch-Greudnitz nach Pretzsch und Bad Schmiedeberg zu verlängern, um von dort aus im Idealfall mit einem getakteten Anschluss nach Wittenberg und Bad Düben zu gelangen. Trossin soll mit einer höheren Taktfrequenz an die Linie nach Bad Schmiedeberg in Dommitzsch angebunden werden, was durch Anruftaxis realisiert werden könnte. Erste Gespräche mit den Behörden beider Bundesländer seien bereits erfolgt, sagte Axel Thomas. Nun müsse es an die Detailabstimmung zu Routenführung und Finanzierung gehen.

Hortausbau

Zweites Großprojekt wird die Erweiterung und Konzentration der Betreuungskapazitäten im Hortbereich  sein. Bereits am Montag im Stadtrat kurz erläutert, kommt dafür die zu großen Teilen leerstehende ehemalige Dommitzscher Mittelschule (im Erdgeschoss hat das Mehrgenerationenhaus seinen Sitz) in Frage. Wie Bürgermeisterin Heike Karau gegenüber der Torgauer Zeitung erläuterte, würde dadurch die Beförderung von Hortkindern nach Trossin und Elsnig entfallen, was im Einzelnen auch für Hortkinder zutreffe, deren Heimat Bad Schmiedeberg sei. „Wir sind hier bereits auf einem sehr guten Weg“, sagte Axel Thomas, der davon ausgeht, das bereits im Oktober sämtliche Vorstellungen in Projektform gegossen sein könnten. 

Infoportal

Bei weitem noch nicht ganz soweit ist man hingegen in Sachen Aufbau eines digitalen Infoportals, auf dem Tourismusangebote der vier Kommunen beworben werden sollen. Ergänzt würde das Portal – sofern es gelingt, dafür die Personalkosten bereitzustellen und überhaupt Personal zu rekrutieren –  beispielsweise durch eine Jobbörse und ein Bauflächenkataster. 

Wie wichtig gerade Letzteres im Kampf um einen für junge Familien attraktiven Standort ist, betonte Bad Schmiedebergs Bürgermeister Martin Röthel, für den die Konstellation, dass eine Kommune aus Sachsen-Anhalt von einem sächsischen Förderprogramm profitiert, etwas ganz besonderes sei. Auch Herbert Schröder konnte einem gemeinsamen Kataster nur Gutes abringen. „Die Anfragen von Familien aus dem Leipziger Raum nach Bauplätzen werden deutlich mehr“, sagte der Trossiner Bürgermeister, dem vieles an der angestrebten Verlängerung der Busverbindung liegt. Ein verlässlicher ÖPNV über die Landesgrenze hinaus in Richtung Kurzentrum Bad Schmiedeberg sei wichtig.

Pendlerströme

Doch wie gesagt, was heißt  schon Grenze? Die Pendlerströme in beide Richtungen seien groß, fügte Schröders Amtskollege Röthel an. Eine Verlängerung der Buslinie von Torgau in Richtung Bad Schmiedeberg sei daher nur folgerichtig. „Jeder spricht von Strukturwandel“, meinte Elsnigs Bürgermeister Stefan Schieritz. Doch langsam werde es Zeit, dass dieser auch mit Projekten unterfüttert werde. Mit Blick auf die Kooperation der vier Kommunen appellierte Schieritz auch an die beiden Landratsämter Nordsachsen und Wittenberg, im Sinne der Bürger „auch mal Kompromisse einzugehen“. Der Döberner Armin Tauchnitz lobte die unterzeichnete Zusammenkunft mit all ihren Ideen, die es nun umzusetzen gilt. Nur so könne einer Landflucht entgegengewirkt werden.

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