Dienstag, 28. September 2021
Dienstag, 14. September 2021

5000 Euro Belohnung nach Moped-Diebstahl ausgesetzt

Ausschnitt aus dem Facebook-Aufruf mit einem der zwei gestohlenen S 51 Foto: Repro TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Dieser Diebstahl sorgt für Aufsehen. Am Montag wurden gegen 12.30 Uhr zwei Mopeds der Marke Simson in Torgau gestohlen.

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Dieser Diebstahl sorgt für Aufsehen. Am Montag wurden gegen 12.30 Uhr zwei Mopeds der Marke Simson in Torgau gestohlen. Die Kleinkrafträder standen auf dem Parkplatz am Wasserturm in der Straße der Jugend unmittelbar an der neuen Kita. 

Kurios: Die zwei Mädchen –  eine 15, die andere 16 Jahre alt und Schülerinnen der Katharina-von-Bora-Oberschule – sahen ihre Mopeds noch mit zwei Unbekannten wegfahren und konnten der Polizei anschließend eine detaillierte Beschreibung geben. So hätten die Täter noch ziemlich jung gewirkt. Beide seien circa 1,70 Meter groß und dunkel bekleidet gewesen. Sie hatten Helme auf, einer schwarz mit roter Aufschrift, der andere komplett schwarz. Die Versicherungskennzeichen der Mopeds waren 843 NBB und 761 ACZ. 

Während die Polizei wegen besonders schweren Diebstahls ermittelt, wandte sich einer der Väter noch am gleichen Tag an den Verein Oldtimertreffen Torgau, der wiederum einen Facebook-Aufruf startete. 5000 Euro Belohnung werden für die Ergreifung der Täter und für beide unversehrten Simsons geboten. Ein Aufruf, der in der Stadt für Gesprächsstoff sorgt und mittlerweile zigfach im Internet geteilt wurde. „Wir helfen natürlich gerne in solchen Fällen. Nicht zuletzt, weil wir wissen, wie sehr man als Besitzer an diesen Dingen hängt“, sagt Lisa-Marie Dargatz, Vorsitzende des Vereins Oldtimertreffen Torgau. Sie hofft inständig, dass der Facebook-Post und die Ermittlungen der Polizei von Erfolg gekrönt sind. Vielleicht findet sich ja der entscheidende Zeuge, der bei der Identifizierung der Moped-Diebe helfen kann. Es sollte allerdings schnell gehen, bevor die Täter die Krafträder womöglich zur Ersatzteilgewinnung oder zum Neuaufbau zerfleddert hätten. 

Der Wert solcher Mopeds sei nach der Wende deutlich gestiegen und liegt schon seit geraumer Zeit bei etwa 3000 Euro je Modell. „Es boomt regelrecht“, weiß Lisa-Marie Dargatz. Mit der „Simme“ fahren, sei unter den Jugendlichen wieder voll „in“. Das kann auch eine örtliche Versicherungsagentur gegenüber TZ bestätigen. Seitdem das Fahren nach einem Pilotprojekt in Sachsen wieder ab 15 Jahren erlaubt sei, schossen die Anmeldezahlen in die Höhe. Allein die besagte Torgauer Agentur verzeichnete etwa 150 Anmeldungen in dieser Saison, die vom 1. März bis 28. Februar geht. 

Entsprechend einer Ausnahmeregelung im Einheitsvertrag kann die S 50/S 51 trotz einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei gefahren werden. Es gilt die Führerscheinklasse AM. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die Simson-Zweiräder bei den jungen Leuten sehr hoch im Kurs stehen. „Motorroller zum Beispiel fahren meist nur 45 bis 50 km/h und wenn etwas kaputt geht, ist man hilflos und muss in die Werkstatt“, weiß die Chefin des Vereins Oldtimertreffen. 

Mit der Simson hingegen seien meist schon die Väter und Großväter in jungen Jahren unterwegs gewesen. Reparaturen sind kein Problem, werden oft selbst erledigt und auch das Mischen des Kraftstoffes, den es in der Form nicht mehr an der Tanke gibt, stellt keine Hürde dar. „Es existieren unter den Jugendlichen in Torgau richtige Moped-Gruppen mit eigenem Namen, die sich meist per WhatsApp zu Ausfahrten treffen und sogenannte Hot Spots ansteuern“, lächelt Lisa-Marie Dargatz. Oft wird auch gemeinsam an den Maschinen getüftelt, geschraubt und poliert. Und das dürfte bei der älteren Generation Erinnerungen an die eigene Vergangenheit wecken. 

Zu DDR-Zeiten gehörten die Simsons viele Jahre zum Straßenbild. Hergestellt wurden sie zwischen 1980 und 1991 im VEB Fahrzeug- und Gerätewerk in Suhl. Mit über 1,6 Millionen produzierten Fahrzeugen ist die S 50/S 51-Reihe übrigens heute noch das meistgebaute Kleinkraftrad Deutschlands. DDR-Bürger zahlten zwischen 1200 und 2000 Mark (Enduro mit Elektronikzündung waren noch teurer). 

Umso schmerzlicher fühlt es sich an, wenn solch ein Liebhaberstück verloren geht. „Man sollte die Mopeds so sicher wie möglich anschließen und sie ruhig ein bisschen öffentlich abstellen, nicht unbedingt versteckt hinter Bäumen oder hinter einer Mauer“, hat Chris Graupner von der Polizeidirektion Leipzig ein paar allgemeine Tipps parat. Beim Schloss sollte man nicht an der falschen Stelle sparen und ruhig etwas mehr ausgeben. Gesteigerte Fallzahlen habe die Polizeidirektion Leipzig zuletzt nicht erkennen können. Oft handele es sich um Einzelfälle und Einzeltäter, die meist auch aus der Region stammen. Ein Netzwerk wie bei Fahrraddiebstählen gebe es allem Anschein nicht. „Mit Mopeds ist im Ausland nicht unbedingt ein lukratives Geschäft zu erwarten. Wer mit diesem  Hintergedanken Kraftfahrzeuge stiehlt, greift dann doch zu höherwertigen Pkw“, vermutet Graupner. 

Die beiden Mädels in Torgau hatten ihre Simsons ordnungsgemäß mit einem Schloss zusammen geschlossen. Die zwei S 51 standen unmittelbar neben neun anderen Mopeds. Besonders ärgerlich: Die 15-Jährige und die 16-Jährige kommen aus Belgern und Ammelgoßwitz, legten täglich ihren Schulweg damit zurück. Somit jetzt noch einmal die Bitte an die Leser: Wer mithelfen kann, den Diebstahl aufzuklären, sollte sich melden.

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