Freitag, 22. Oktober 2021
Donnerstag, 16. September 2021

Gabriele Holtorff: "Mein Herz hängt daran"

Gabriele Holtorff: „Wichtig ist, dass unsere Hilfe bei den Bedürftigen ankommt.“Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau. Am 26. 9. 2001 riefen Ilona Weigt und Gabriele Holtorff den S.T.U.B.E. e.V. in Torgau ins Leben. Im SWB-Gespräch erklärt Geschäftsführerin Gabriele Holttorff, warum sie Wert auf eine große Lebensmittelauswahl legt.
 

 

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SWB: Wie kamen Sie darauf, vor 20 Jahren den S.T.U.B.E. e.V. – Selbstständiger Torgauer Unterstützungs- und Beratungsverein für Erwerbslose zu gründen?
Gabriele Holtorff:
Da muss ich etwas weiter ausholen. Bis zur Wende studierte ich in Leipzig Kulturwissenschaften, leitete später das Kulturhaus in Torgau. Das war die Zeit, als viele Institutionen wie der Kulturbund oder das Kreiskabinett für Kultur in Auflösung begriffen waren. Es war auch die Zeit, als kaum ein Kulturhaus DDR-Künstler buchen wollte und es kaum bezahlbare Künstler aus dem Westen gab. Alles in allem war es eine schwere Zeit. Später hatte ich eine ABM, die mich aber nicht ausfüllte und befriedigte. So beschloss ich mit Ilona Weigt – eine ehemalige Kollegin aus dem sozialen Bereich –, etwas Soziales und Kulturelles für sozial schwache Bürger auf die Beine zu stellen.

Und so entstand der S.T.U.B.E. e.V.?
Am 26. September 2001 ließen wir den gemeinnützigen Verein eintragen. Unsere Idee war es, sozial schwachen Menschen, Rentnern und Erwerbslosen zu helfen. Tafeln und Lebensmittelausgaben gab es damals noch nicht. In der Anfangszeit bin ich bei Discountern regelrecht betteln gegangen. Der Verein war ein zartes Pflänzchen und die Gründung kam einem Sprung ins kalte Wasser gleich. Und dann benötigten wir noch eine Unterkunft.

Die Sie auch fanden?
Durch die Unterstützung von Andreas Huth von der Torgauer Wohnstätten GmbH fanden wir im Strandbadweg in einem Wohnblock eine Wohnung, wo wir einen Anlaufpunkt schaffen konnten. Schnell wurden die Räume zu klein. Wir bekamen zwei Wohnungen, wieder im Strandbadweg. Schließlich wohnte ein Großteil unseres Klientels in diesen Blöcken.

Das Credo des Vereins ist, Bedürftigen zu helfen?
Genau. Neben der Essensausgabe, sammelten wir Kleidung und Möbel. 2002 kam die Suppenküche hinzu. In einer kleinen Neubauwohnungsküche kochten wir täglich mehr als 40 Essen. Als die Blöcke weichen mussten, zogen wir in die Leipziger Straße, ehe wir 2005 am jetzigen Standort unser Domizil aufschlugen. Wir bekamen großzügige Hilfe und Unterstützung von vielen Gewerken und Unternehmen. Neben unserem Café-Stübchen in der Leipziger Straße 26, unterhalten wir die Lebensmittelausgaben „Körbchen“ im Lerchenweg 9 in Torgau-Nordwest und in der Leipziger Straße 21. Dazu die Suppenküche, das Möbelprojekt und die Kleiderkammer.

Wer kommt mit welcher Biografie zu Ihnen?
Das ist ganz unterschiedlich. Unser Klientel ist querbeet – vom Rentner, über soziale Härtefälle bis hin zu Erwerbslosen ist alles dabei. Bei vielen Menschen haben sich die Lebensumstände gewandelt, womit sie allein nicht klarkommen. In den Ferien kochen wir für die Förderschüler und die Jugendgruppe des diakonischen Werkes. Die Mittel bekommen wir durch private Spenden.

Sie sind sicherlich „Kummerkasten“ und Seelsorgerin in einer Person.
Richtig. Viele Leute brauchen einfach einen Zuhörer, um einmal ihr Herz auszuschütten. Über die Jahre ist ein Vertrauensverhältnis entstanden. Wir teilen Sorgen und Nöte. Wichtig ist, dass unsere Hilfe bei den Bedürftigen ankommt.

Haben Sie den Eindruck, dass es immer mehr Hilfsbedürftige gibt?
Ja. Die Vielfalt der Lebensmittel, die wir ausgeben können, ergibt sich daraus, dass wir von mehreren Discountern beliefert werden. Im Gegensatz zu den später in Torgau gegründeten Tafeln, hatte unsere Kundschaft schon von Anfang an die Möglichkeit, ihre Lebensmittel selbst auszuwählen. Wir achten darauf, dass nichts weggeworfen wird und wir sind auf Nachhaltigkeit bedacht. Die Würde des Menschen war und ist uns hierbei sehr wichtig.  

Die Kommunikation war und ist durch Corona empfindlich gestört.
Wir mussten zeitweise schließen, haben aber weiter für die Leute gekocht. Die Menschen sind dankbar und froh, wenn sie wieder mit Abstand bei uns essen können. Für viele Alleinstehende sind wir ein Anlaufpunkt – einige kennen sich seit Jahren und es sind Freundschaften entstanden.

Eigentlich sind Sie schon Rentnerin. Ist Ihre Nachfolge geregelt?
Nein, es wird schwer werden, einen Nachfolger zu finden. Ich arbeite ehrenamtlich. Noch hängt mein Herz daran, noch machen mir die Arbeit und das Verantwortung-Tragen Spaß. Solange es die Gesundheit zulässt, und unsere Leistungen angenommen werden, mache ich weiter. Wenn es nicht mehr geht, ist Schluss. Es darf nichts auf Krampf passieren.

Kontakt: Telefon 03421 776756

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