Freitag, 22. Oktober 2021
Donnerstag, 16. September 2021

"Kinder und Jugendliche sind politisch interessiert, man muss sie nur abholen."

Die Kandidaten für die Bundestagswahl stellten sich bei der U-18-Wahl im KAP Torgau den Fragen der Kinder und Jugendlichen.Foto: Laura Krugenberg

Von unserer Redakteurin Laura Krugenberg

Torgau. Wortgefecht und überraschende Fragen bei der U-18-Wahl im KAP Torgau e.V..

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?Am Mittwochnachmittag stellten sich fünf der zwölf Bundestagswahlkandidaten aus Nordsachsen den Fragen interessierter Kinder und Jugendlicher. Obwohl leidlich zehn junge Torgauer die Chance nutzen, um mit den Kandidaten über Zukunft, Klima und ihre Interessen zu debattieren, freut sich Veranstalter und Moderator Enrico Kurmann über das hohe Interesse und die rege Beteiligung der Jugendlichen sowie der Parteien. „Die Kinder hatten reichlich Fragen vorbereitet. Es gab wirklich sehr interessante Antworten und Diskussionen. Auch das Ergebnis der Wahl hat überrascht”, so der Jugendsozialarbeiter des KAP Torgau e.V. 

Unerwartete Fragen 

Auf die kurze Vorstellungsrunde der Kandidaten, Rüdiger Kleinke (SPD), Karsten Gutjahr (DIE PARTEI), Martin Richter (FDP), Denis Korn (DIE GRÜNEN) und Alexander Dierks (CDU), der Dr. Christiane Schenderlein vertrat, folgte direkt die Fragenhagel der Teilnehmer. Themen wie die Rechte der LGBTQ+-Community, Klimakrise und der Kohleausstieg 2038 sorgten für eine politisches Wortgefecht à la bonne heure, mit allem, was dazu gehört – inklusive Seitenhiebe der Kandidaten gegenüber ihren Mitstreitern. Bei diesen Themen musste vor allem die CDU, aber auch die SPD einige Schläge einstecken. Sowohl Karsten Gutjahr als auch Denis Korn nutzen ihre Antworten, um gegen die Politik der Regierungsparteien und deren Entscheidungen in der Vergangenheit zu schießen. Kritisiert wurde vor allem die Blockade einiger Gesetze zur Gleichberechtigung von queeren Personen durch die CDU, aber auch die Missachtung des Pariser Vertrages, in Bezug auf die Klimapolitik der  Bundesregierung. Martin Richter konnte hierbei gut die Waage halten und stimmte sowohl Kleinke und Dierks, als auch Gutjahr und Korn in einigen Punkten immer wieder zu. Dabei glänzte der FPD-Kandidat besonders durch sein Auftreten und die kindgerechte Sprache. Das lobt auch Moderator Enrico Kurmann, der zusammen mit Daniela Voigt, Schulsozialarbeiterin des Förderzentrums Torgau, die U-18-Wahlveranstaltung organisierte: „Ein großes Dankeschön geht an die Kandidaten. Es ist für Politiker sicher nicht einfach, ihre Inhalte an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Alle haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, was die Kinder auch echt super fanden. Wir haben nur positives Feedback bekommen.”  

Zum Ende der Runde überraschte die Frage eines Jugendlichen die anwesenden Erwachsenen besonders. Der 16-jährige Ruben fragte die Kandidaten, wie sie der Offenlegung beziehungsweise einem Verbot von Nebeneinkünften für Abgeordnete gegenüberstehen. Auch  wenn die Frage unerwartet war, waren es die Antworten nicht. FDP, SPD und CDU warben für Nebeneinkünfte, natürlich unter maximaler Transparenz. Korn und Gutjahr hingegen sprachen sich für ein Verbot aus.  

FDP knapp vor GRÜNEN 

Nach eineinhalb Stunden war schließlich die maximale Aufmerksamkeitsspanne der U-18-Wähler erreicht und es wurden freudig Stimmen abgegeben. Vor allem Martin Richter und Denis Korn konnten die jungen Noch-Nicht-Wähler von sich überzeugen und sicherten sich den Großteil der Stimmen, wobei die FDP die GRÜNEN nur knapp überholte. „Dass Herr Richter überzeugen konnte, überrascht mich nicht. Er hatte einfach einen guten Zugang zu den Kindern”, sagt Enrico Kurmann. Die verbleibenden anwesenden Kandidaten gingen hingegen leer aus. Überraschend auf Platz 3 lag die LINKE, obwohl Direktkandidat Philipp Rubach nicht an der Veranstaltung teilnahm. Mit Abwesenheit glänzten zudem auch Uta Strenger (ÖDP), Sven Asmus (ASMUSfddB) und René Bochmann (AfD).  

Viel Potenzial  

Auch wenn die Kinder und Jugendliche bewiesen haben, dass auch sie ein hohes Maß an politischem Interesse mitbringen, zeigt sich Veranstalter Enrico Kurmann etwas enttäuscht über die geringe Teilnehmerzahl: „Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Jugendliche im Oberstufenalter mitmachen. Dass nur so wenige gekommen sind, liegt aber eher an der ungünstigen Lage der Schulferien sowie der Corona-Situation. Wir konnten kaum persönlich in den Schulen werben und die Kinder dort abholen. Die Wahl hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Jugendliche in politische Debatten mit einzubeziehen. Denn alle, die gekommen sind, waren super interessiert. Man muss ihnen nur die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.” Dem stimmen auch die Kandidaten der Parteien zu. „Die Fragen der Kinder und Jugendlichen haben mich in ihrer Qualität und Aktualität begeistert. Besonders hat mich die Bandbreite der Fragen erfreut”, so Martin Richter nach der Wahlveranstaltung. Konkurrent Denis Korn beeindruckte vor allem das Interesse zum Thema Kohleausstieg. Er bedauert jedoch, dass nicht alle Kandidaten und nur wenige Jugendliche erschienen sind. Dem schließt sich auch Rüdiger Kleinke in seinem Feedback an: „Ich finde die U-18-Wahlen sehr wichtig, um junge Leute an das wichtigste Instrument unserer Demokratie heranzuführen. Umso bedauerlicherweise ist die schwache Teilnahme an den Wahlen.” 

Nach der Veranstaltung äußerte sich auf Anfrage der TZ auch Dr. Christiane Schenderlein, die durch CDU-Generalsekretär Alexander Dierks vertreten wurde, zu der Debatte im KAP: „Die Anregungen und Ideen der Jugendlichen nehme ich sehr gerne in meine politische Arbeit auf. Im Gegenzug erwarte ich, dass sie verstehen, dass politische Prozesse oftmals sehr komplex sind. (…) Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind oftmals reiner Populismus.”

 

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