Dienstag, 19. Oktober 2021
Dienstag, 28. September 2021

"E-Bikes haben Radtourismus zusätzlich beflügelt"

Radtouristen unterwegs in der Elberegion. Das Bild entstand in Dommitzsch. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Nordsachsen. Der Elberadweg ist eine Erfolgsgeschichte: Allerdings brachte Corona viele Einschnitte. Koordinatorin Heike Grunow spricht über die Saison 2021. 

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Der Elberadweg feierte in der Region gerade erst 20-jähriges Jubiläum. Allerdings hat die Corona-Krise in den vergangenen eineinhalb Jahre viele Einschnitte gebracht. TZ sprach mit Heike Grunow, Projektkoordinatorin Elberadweg Süd, über schwierige Bedingungen und ehrgeizige Pläne:

Würden Sie sagen, dass die Saison 2021 trotz der Pandemie erfolgreich verlaufen ist?

Dieses Jahr lässt sich schwierig mit dem Ausnahmejahr 2020 vergleichen, wo es ja einen regelrechten Boom im Deutschlandtourismus gab und nach erstem Zögern die Saison richtig gut anlief. Vor allem der September war damals sehr gut, wo normalerweise der Frühling mehr für Radreisen genutzt wird. 2021 gab es ebenfalls wieder ein verzögertes Anlaufen des Tourismus, zudem sind viele Urlauber aufgrund der Lockerungen wieder vermehrt ins Ausland gereist. 

Welches Fazit könnte man also insgesamt ziehen? 

Regionen wie die Sächsische Schweiz waren und sind wieder sehr gut besucht, in anderen lief es nicht ganz so stark an wie im Vorjahr. Die Touristinformation Torgau sagte mir, dass in den letzten zwei Monaten wieder verstärkt Radreisende unterwegs sind, das merkt man am Verkehr in der Innenstadt und auch an der Auslastung der Gastronomie. Aber ein Highlight lässt auf 2022 hoffen – nämlich die Landesgartenschau in Torgau, die sicherlich auch für den viele Radgäste ein Anziehungspunkt sein wird.

Bei welcher Altersgruppe findet der Elberadweg besonders Anklang?

Der Elberadweg ist durch alle Altersgruppen hindurch beliebt, besonders aber bei Radreisenden über 50. Im Gegensatz zu jungen Familien, die vor allem in den Ferienzeiten unterwegs sind, radeln sie auch außerhalb der Sommerferien an der Elbe. Der Großteil stammt dabei aus allen Teilen Deutschlands, gerne sind auch die Sachsen selbst am Elberadweg unterwegs. Wir haben aber darüber hinaus Gäste, die mit dem Rad aus den Niederlanden, Tschechien, Skandinavien und Österreich anreisen.

E-Bikes haben den Radtourismus enorm beflügelt. Können Sie diesen Boom bestätigen und glauben Sie, dass der Trend weiter anhalten wird?

Ein ganz klares Ja. Laut ADFC waren letztes Jahr 32 Prozent aller Radreisenden mit E-Bikes unterwegs, 2017 waren es noch 18 Prozent. Der E-Bike-Markt wird sicherlich noch weiter wachsen, vielleicht nicht mehr ganz so stark, aber dafür wahrscheinlich diverser werden. Die Entwicklung von Pedelecs ermöglicht auch das Fahren längerer Strecken, da die Reichweite der Akkus immer länger anhält.

Wie werden die Alternativstrecken, die es in der Region seit einigen Jahren gibt, angenommen?

Laut Touristinformation Torgau werden die Alternativstrecken gut angenommen, insbesondere seit es eine Neuauflage der regionalen Radkarte „Radtouren in Torgau und Umgebung“ mit 10 Radrouten gibt. Darin sind einige Rundtouren zwischen 20 und 25 Kilometern enthalten und auch einige Streckentouren, z.B. nach Doberlug-Kirchhain, von wo aus man gut mit dem Zug zurück nach Torgau kommen kann. Die Karte ist erhältlich beim TIC.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kommunen aus?

Wir arbeiten eng mit den Touristinformationen der Elbkommunen zusammen und nehmen Radwege aus den einzelnen Regionen, die den Elberadweg kreuzen oder teils parallel verlaufen bzw. Verbindungswege zu anderen Radfernwegen darstellen, mit in das Elberadweg Handbuch auf, das jährlich erscheint. In der Region Torgau ist das z.B. der Torgische Radweg, der den Elberadweg mit dem Mulderadweg und dem Radweg Berlin-Leipzig verbindet. Einen Ausbau der Zusammenarbeit streben wir an, bedarf aber noch einiger Abstimmungen unter den Koordinierungsstellen. Wichtig ist aber auch, dass die Grundlagen dafür vorliegen, also Beschilderung, Aufbereitung der Daten im Internet und in Radkarten usw. Wir nehmen die anderen Radwege gern mit, der Elberadweg hat ja auch eine gewisse Strahlkraft, die es ermöglicht, dass Gäste länger in der Region bleiben, Sterntouren unternehmen und so die gesamte touristische Wertschöpfungskette vom Hofladen über den Biergarten am Radweg bis hin zur Gästeführerin davon profitiert.

Immer wieder taucht der Vorschlag auf, die neuen Deichverteidigungswege in das Radfahrernetz einzubeziehen. Wie lautet ihre Meinung dazu und wo liegen die Schwierigkeiten?

Als Koordinatorin wünsche ich mir natürlich, dass der Elberadweg immer möglichst nah am Fluss verläuft. Wenn dies ein Deichverteidigungsweg ist, dann ist das eine gute Sache, zumal hier die Instandhaltung für viele Bereiche wichtig ist und demnach die Wege auch wirklich erhalten werden. Schöner wäre es natürlich schon, wenn es auch möglich ist, Wege direkt auf dem Deich oder davor zu nutzen: Hier sehen die Gäste den Fluss und die Elblandschaft aus einer für sie ansprechenderen Perspektive.

Gibt es für die nächsten Monate schon irgendwelche Pläne oder Vorhaben bezüglich der Vermarktung? Wo ist Kartenmaterial erhältlich? 

Aktuell arbeiten wir an der Neuauflage des Elberadweg Handbuchs für 2022, das Anfang des neuen Jahres erscheinen wird. Für den südlichen Abschnitt haben wir außerdem gemeinsam mit dem ehemaligen Rennradprofi und Dresdner Filmemacher Markus Weinberg neue Videos produzieren lassen, die wahrscheinlich zeitlich parallel in Form einer umfassenden Onlinekampagne erscheinen werden.Kartenmaterial erhält man sowohl online in Form von GPS-Daten bzw. kann sich gedruckte Karten nach Hause bestellen. Auch die Touristinformationen haben oft Radkarten im Verkauf. Große Verbesserungen an der Strecke sind in meinem Abschnitt meines Wissens nach nicht geplant. Dies liegt auch immer in der Hand der jeweiligen Kommune und ist abhängig von der Haushaltssituation dieser. 

Wie profitieren Hotels, Pensionen und Gaststätten vom Radtourismus am Elberadweg? Gibt es genug Übernachtungsmöglichkeiten? 

Laut ADFC hat der Radtourismus einen Anteil von 12 Prozent am gesamten Deutschlandtourismus. Vor allem im ländlichen Raum, wo ja ein Großteil der Radwege verläuft – und da ist der Elberadweg inbegriffen – sind Gäste mit Rad ein wichtiges Standbein der regionalen Wirtschaftsförderung und eine wichtige Einnahmequelle für Unterkünfte und Gaststätten. Aber: Ohne radfreundliche Gastgeber gibt es keinen Radtourismus. Wir haben ein gutes Netzwerk an Unterkünften, das aber vermutlich in den nächsten Jahren dünner werden wird, weil viele, vor allem  kleinere, familiengeführte Betreiber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolger finden. Die Nachfrage ist definitiv da, wir freuen uns über jeden zusätzlichen zukünftigen Gastgeber, der sich beteiligen möchte, um vom Radtourismus zu profitieren, aber auch dadurch das Projekt Elberadweg zu stärken. 

Wie schätzen Sie die Beschilderung ein? 

Die Beschilderung am Elberadweg liegt in den Händen der Kommunen, ist also entsprechend der gesamten Strecke in Deutschland unterschiedlich. 2016 hat der Freistaat das Beschilderungskonzept des Elberadwegs verabschiedet und dieses in den vergangenen Jahren Stück für Stück umgesetzt, auch im Kreis Nordsachsen. Sicherlich gibt es immer Optimierungsbedarf und Luft nach oben.

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