Freitag, 22. Oktober 2021
Freitag, 8. Oktober 2021

"Wenn das ganze Wasser wegströmt, ist es für uns eine Katastrophe"

An der Diskussionsrunde im Haus der Presse in Torgau nahmen keine Behördenvertreter teil. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Elsnig. Alle Wehre und Stauanlagen sind weg. In der Gemeinde Elsnig gibt es ein prekäres Wasserproblem. Bei einer Diskussionsrunde, organisiert vom Bürgermeister, lehnten die Behörden ihre Teilnahme ab. 

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Ein Runder Tisch sollte es werden. Eine gemeinsame Diskussionsrunde, um Lösungen zu finden. Eingeladen hatte der Bürgermeister der Gemeinde Elsnig, Stefan Schieritz. Im Mittelpunkt standen die Weinske und die Alte Elbe Döbern (im Volksmund Grube genannt), die seit einigen Jahren mit prekärer Wassernot zu kämpfen haben. Diese sei – nach Ansicht der Angler – nicht nur durch die Dürre der letzten Sommer ausgelöst worden, sondern habe sich vor allem durch den Wegriss sämtlicher Stau- und Wehranlagen extrem zugespitzt. Lange Gesichter nun am Donnerstagabend im Haus der Presse unter den anwesenden Anglern und Bürgervertretern aus der Gemeinde Elsnig. Alle Behörden hatten sich entschuldigen lassen. Ob Untere Wasserbehörde beim Landratsamt Nordsachsen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie oder Flussmeisterei Torgau. 

Konflikt spürbar 

Der Frust bei den Teilnehmern war deutlich sichtbar und entlud sich gleich zu Beginn. „Ich bin maßlos enttäuscht und schäme mich fremd für die nicht erbrachte Bürgernähe“, so Gemeindechef Stefan Schieritz. Die Ämter hätten unter „fadenscheinigen Gründen“ abgesagt. Es sei traurig und nicht nachvollziehbar. „Wir wollten gemeinsam Lösungsansätze finden, um die Grube Döbern und die Weinske am Leben zu halten. Beide Gewässer siechen jämmerlich vor sich hin“, sagte Schieritz. Er wolle, dass dieses Stück Kulturlandschaft und auch die Angelvereine erhalten bleiben.

Friedrich Richter, Geschäftsführer des Anglerverbandes Leipzig, ließ einen Konflikt mit dem Landratsamt anklingen. Man besitze in Döbern Wasserrecht, habe erst einen kleinen Staudamm am Zufluss zur Alten Elbe bauen dürfen, den man nun leider wieder wegnehmen muss. „Wenn alles über die Weinske wegströmt und nichts in die Alte Elbe fließt, ist das eine Katastrophe. Es sollte unbedingt möglich sein, überschüssiges Wasser abzuleiten. Zumindest bei Starkregen. Wir müssen um das Wasserrecht kämpfen“, betonte der Geschäftsführer. Er verwies auf eine EU-Richtlinie, die die Durchgängigkeit von Flüssen vorschreibt. Somit sehe es generell für alle Wehre im Land schlecht aus. „Wir können aber versuchen, uns für die Errichtung einer sogenannten Sohlrampe, auch Raue Rampe genannt, stark zu machen“, schlug er vor. Mittels Holz oder Natursteinen wäre somit ein Rückhalt von Wasser möglich, ohne den Durchfluss zu verhindern. 

Alles zugewachsen 

Friedrich Richter regte an, unbedingt mit den Behörden im Gespräch zu bleiben und lobte in diesem Zusammenhang die Landestalsperrenverwaltung und den Flussmeister als kooperative und kompetente Ansprechpartner. Seine Wut nur schwer verbergen konnte Falko Küttner, Vorsitzender des Elsniger Anglervereins. Er habe extra für den Runden Tisch einen Tag Urlaub genommen. Die Ämter hätten die „verdammte Pflicht“, mit den Bürgern zu sprechen. „Sie leben von unseren Steuergeldern“, schimpfte Küttner. „Wir brauchen Staustufen, die das Wasser aufhalten, ähnlich wie der Biber es macht“, sagte er. Michael König, ebenfalls vom Elsniger Anglerverein, machte deutlich, dass die Weinske aus der Luft gar nicht mehr zu erkennen sei. „Es ist alles zugewachsen. Bis auf eine Stelle, wo ein Biber ansässig ist. Ich verstehe nicht, warum kein Wehr gebaut werden kann.“

Steinschüttung 

Friedrich Richter wiederholte, dass es eine EU-Vorgabe sei. Die Folge wäre eben, dass Flüsse zeitweise austrocknen. Vielleicht sei aber auch ein Raugerinne, eine Art Steinschüttung, möglich, lautete sein Vorschlag. „Es ist doch ein Widerspruch. Wir sollen sparsam mit Ressourcen umgehen. Und dann lassen wir das Wasser 1:1 zur Elbe wegfließen und nehmen in Kauf, dass seltene Kleintiere, Fische und Wasservögel keinen Lebensraum mehr haben“, ging Bürgermeister Schieritz darauf ein. Armin Tauchnitz, ebenfalls Vertreter der Gemeinde, zeigte sich schockiert, dass die Ämter solche krassen Folgen für die Natur tatenlos hinnehmen. Motto: Die Gewässer sterben sowieso. „Wir haben ein Trinkwasserschutzgebiet, versorgen damit auch die Großräume Halle/Leipzig. Anderswo werden ganze Tagebaue geflutet und künstliche Biotope geschaffen und wir trocknen aus“, zeigte er sein Unverständnis. 

Kompromiss 

Biberschutzhelfer Volker Rudolf machte deutlich, dass der Regen die Situation jetzt vorübergehend entspannt habe. Die drei Jahre davor sahen anders aus. Und hätte der Biber nicht den Bereich Drebligar angestaut, wäre auch dieses Habitat längst verloren gewesen. Rudolf schlug vor, in einer Art Testphase von zwei bis drei Jahren doch eine Staustufe anzulegen und dann endgültig zu entscheiden. Vielleicht sei ein Kompromiss möglich. „Wir müssen auch den Vorwurf entkräften, wir hätten den Zufluss zur Alten Elbe Döbern verbreitert und vertieft. Das stimmt nicht“, meinte Sandro Reußner vom Anglerverein Döbern. Nach rund einer Stunde Diskussion fasste Friedrich Richter zusammen, dass man die Behörden doch „an einen Tisch“ bekommen sollte.

„Wir müssen den Zufluss zur Grube sicherstellen – soweit Wasser da ist. Es muss möglich sein, bei Trockenheit kleinere Maßnahmen realisieren zu können – wie Schaffung von Rückzugsgebieten für Fische. Wenn alles nichts hilft, sollte man notfalls auch mal Druck aufbauen mit der Masse unserer 46 000 Angel-Mitglieder in Sachsen“, so der Geschäftsführer. Konstruktive Lösungen sind weiterhin gefragt! Am Ende der Veranstaltung richtete Bürgermeister Stefan Schieritz noch ein großes Dankeschön an die Torgauer Zeitung, die die Räumlichkeiten im Haus der Presse zur Verfügung gestellt hatte.

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