Sonntag, 28. November 2021
Donnerstag, 21. Oktober 2021

Mit 90 Jahren in die Luft gegangen

Überglücklich und schwer beeindruckt – Wilfried Müller, der mit 90 Jahren eine Ballonfahrt unternahm.Foto: PRIVAT

Torgau. Mit 90 Jahren wurde einem Torgauer ein Kindheitstraum erfüllt – eine Ballonfahrt über dessen Heimatstadt und die nähere Umgebung. Der 90-Jährige war tief beeindruckt.

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Für den Torgauer Wilfried Müller ging ein Kindheitstraum in Erfüllung. Eine Beobachtung, die er als Achtjähriger nahe der Fischer-aue gemacht hatte, beeindruckte  den Torgauer als Jungen so sehr, dass er davon zu träumen begann, selbst einmal an Bord eines Ballons die Lüfte zu durchqueren. Am Sonntagmorgen, 9. Oktober, erfüllte sich nun der Traum für den 90-Jährigen. Wilfried Müller hob ab und stieg mit einem Ballon in die Luft.  

Wie es zu dem Kindheitstraum kam, erzählt der heute 90-Jährige selbst: „Im Frühjahr 1939 sah ich zu, wie ein Gasballon auf dem Sportplatz am Sanssouci (Anm. d. Red.: ehemaliges Sportlerheim in der Dahlener Straße) aufgebaut wurde. Dazu war ein Netz ausgelegt, das mit zahlreichen Sandsäcken beschwert, den Ballon überdeckte. Während dieser befüllt wurde und sich zu erheben begann, ertönte immer wieder der Ruf: ,Eine Masche höher!’. Diese Anweisung galt den Männern, die an jedem einzelnen Sandsack dafür verantwortlich waren, die mit Haken versehenen Säcke im Netz jeweils eine Masche höher einzuhängen, um den Ballon am Boden zu halten. Ich sah, wie sich der Ballon aufrichtete und mehr und mehr füllte, bis er schließlich abhob. An diesem Tag malte ich mir aus, wie es wohl wäre, selbst an Bord eines Ballons zu sein.“  

Von seiner Familie anlässlich seines 90. Geburtstages nach einem noch unerfüllten Wunsch befragt, sprach Wilfried Müller von diesem Erlebnis. Er wünscht sich eine Fahrt mit einem Ballon. Und an besagtem 9. Oktober erfüllt sich der Traum. Der Torgauer ging selbst als Passagier in die Luft.  

Am Abend vor dem Start empfahl der Pilot, gut imprägniertes Schuhwerk zu tragen, da es am Startplatz auf den ostelbischen Wiesen vermutlich sehr nass sein würde.  Als Crew und Passagiere gegen 7 Uhr den Ballonstart vorbereiteten, bot sich ihnen ein unerwartetes, wunderschönes Naturfarbspiel. Statt triefender Nässe hatte dicker Raureif die Elbaue im festen Griff. Wenig später erhoben sich hinter der weißen Wiese sanfte Nebelschwaden vom Fluss und Torgaus Stadtsilhouette leuchtete prunkvoll im goldenen Licht der Morgensonne. Allein dieser Anblick war das zeitige Aufstehen wert.  Doch das war erst der Anfang des Abenteuers.  

Bevor Ballon, Crew und Passagiere gegen 8.15 Uhr startklar waren, galt es ein gutes Stück Arbeit zu verrichten. Die riesige Hülle des Ballons mit einem Durchmesser von 22 Metern erreicht eine Höhe von 25 Metern. Dazu muss ein Volumen von 3400 Kubikmeter zuerst mit Kaltluft befüllt werden, die dann erhitzt wird. Dafür wird jede Hand gebraucht. Nach gemeinsam verrichteter Arbeit unter kompetenter Anleitung von Kerstin und Steffen Krieche vom Elbland-Ballooning- Teams ging die Fahrt über Torgaus malerische Altstadt, Richtung Neiden, am Österreicher vorbei nach Elsnig und Dommitzsch bis kurz vor Trossin. Dabei boten sich spektakuläre Ausblicke.  

Wilfried Müller war hin und weg: „Die Heidegebiete um Torgau und die Stille des Morgens lassen wahrlich unvergessliche Eindrücke entstehen. Mit ihren zahlreichen Buhnen schlängelt sich die Elbe durch die sanfte Landschaft und Prettins Kirchturm grüßt von fern. Lautlos gleitet der Ballon auf einer Höhe von einigen Hundert Metern über dem Meeresspiegel dahin. Die neue Perspektive aus dieser Höhe ist beeindruckend und lässt alles Bekannte ganz anders erscheinen. Die Zeit scheint still zu stehen und vergeht doch viel zu schnell.“   

An Dommitzsch vorbei näherten sich dem Ballon bereits die Baumkronen der Landstraße nach Trossin. Da galt es, die Landung vorzubereiten. Gekonnt und sanft brachte der Pilot den Ballon auf einem unbebauten Feld zum Stehen.   

Das Abenteuer war damit noch nicht beendet. Die anschließende Taufe getreu der Tradition der Montgolfiere mit Feuer und Sekt erhob Herrn Müller in den Adelsstand.  Nach der Taufe vom Fliegen eines Ballons zu sprechen, wäre ein echter Fauxpas, denn dieses Gefährt der Lüfte fährt man.  

Nachdem der Ballon mit Korb gegen 9.45 Uhr fachkundig verpackt worden war, trat Herr Müller mit seiner Familie die Heimreise an. Sein Enkel Philipp hatte die luftige Fahrt des Großvaters am Boden verfolgt, während seine Tochter Angela ihren staunenden Vater im Korb begleitete und ein zufriedenes lächelndes Gesicht sah. An jenem Sonntagmorgen ging für Wilfried Müller sein über 80 Jahre gehegter Traum des Ballonfahrens in einem Heißluftballon statt eines Gasballons in Erfüllung. 

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