Sonntag, 5. Dezember 2021
Freitag, 12. November 2021

"...das ist jetzt unsere letzte Patrone"

Das Kamerateam lässt sich eine der auf dem Fußballplatz aufgestellten Wildabwehrboxen erläutern.Foto: Thomas Manthey

Von unserem Redakteur

Torgau. Die Wildschwein-Problematik im Torgauer Hartenfelsstadion und in der angrenzenden Umgebung interessiert inzwischen auch die überregionalen Medien, so etwa diverse Fernsehsender. Freitagfrüh war in Kamerateam aus Leipzig in Torgau und drehte und informierte sich vor Ort über die Schäden und deren Ausmaß.

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„Wir haben uns  einen elektrischen Wildzaun zugelegt, den wir unter Strom setzen. Das ist jetzt unsere letzte Patrone“, so Hartenfels-Vereinschef Sören Wachsmann bei einem Telefonate, Sekunden vor den Dreharbeiten mit dem Team von DREIFILM aus Leipzig, das im Auftrag des MDR für einen Filmbeitrag über die Verwüstungen von Teilen der Fußball-Anlage im Torgauer Hartenfelsstadion durch Wildschweine. ?

Redakteur Tim Weingarten und Kameramann David Schneider waren gestern Früh, als die Stadt noch im dichten Nebel gehüllt war, überrascht, was das Ausmaß der Zerstörung anbelangt. Das Schwarzwild war bis zur Wochenmitte nachts auf Platz Zwei aktiv und ramponierte den Fußballplatz inzwischen vollständig und nahm nun auch den Hauptplatz „in Angriff“.

Wachsmann und andere Vorstandsmitglieder sind ständig im Austausch mit Trainer, Übungsleitern, Vorstandsmitgliedern und der Stadtverwaltung. Vor, während und anschließend klingelte bei Wachsmann ständig das Handy und musste der Vereinschef Anfragen zu den Schwarzwild-Randalen beantworten. 

Die Hartenfelser haben zur Abwehr der Wildschweinplage inzwischen noch einmal aufgerüstet, haben sich sogenannte Wildabwehrboxen zugelegt und kontrollieren jeden Tag die Zaunanlage. Donnerstag nach hielt sich der Schaden in Grenzen, doch man weiß nie, wann die „Viecher“ sich wieder Zutritt in das Hartenfelsstadion verschaffen und die Rasenflächen umackern. 

Auch im Technischen Ausschuss unter der Woche wurde die Problematik an- und begesprochen. Stadtrat Peter Nowack (FDP), selbst Mitglied und viele Jahre Trainer im Nachwuchsbereich des SC Hartenfels 04, fordert von der Verwaltung ein schnelleres Handeln, um eventuelle weitere Schäden abwenden zu können. Es geht vordergründig darum, die Wildschweine aus diesem Bereich, zu dem auch der Campingplatz, Das Strandbad und der Uferweg dazu gezählt werden müssen, wirkungsvoll und möglichst dauerhaft zu vergrämen. Der Einsatz von Lebendfallen muss schleunigst final beraten werden, da eine Bejagung in besiedelten Gebieten äußerst schwer bis gar nicht möglich ist (Siehe auch den nebenstehenden Artikel).

Das DREIFILM-Team ließ sich gestern von Sören Wachsmann die gesamte und komplexe Problematik erläutern. Redakteur Weingarten recherchierte in verschiedenen Richtungen. Wie die Leipziger andeuteten hat die Wildschwein-Problematik im Torgauer Hartenfelsstadion bereits auch das Interesse anderer Nachrichtensender und Sendestationen geweckt. Der gestern Früh gedreht und recherchierte Beitrag soll am Montag gegen 16 Uhr im MDR-Fernsehen ausgestrahlt werden.

Pressemitteilung der Stadtverwaltung

Die Zerstörungen durch die Wildschweine im Hartenfelsstadion und am Entenfang sowie im und um das Strandbad sind uns bekannt und sorgen jedes Jahr vor allem in der Herbstzeit für große Sorgen und Unmut. Seit 2017 unternimmt die Stadt Torgau jedwede Anstrengungen, um das Problem zu lösen. Es wurden Zäune gebaut und Vergrämungsmittel eingesetzt. Es gab zahlreiche Gespräche mit den Betroffenen, aber auch den zuständigen Jägern sowie den verantwortlichen Behörden beim Landkreis – der Unteren Jagd- und der unteren Naturschutzbehörde. „Hier müssen alle mitarbeiten, sonst haben wir kaum eine Chance“, sagt Oberbürgermeisterin Romina Barth. Auch der SC Hartenfels hat in den zurückliegenden Monaten finanzielle Zuwendungen zum Zaunbau gegen die Wildschweinverwüstungen bekommen. 

Inzwischen hat die Stadt den Kauf eines sogenannten Saufangs – einer Lebendfalle – getätigt. Geeignete Standorte für diese werden nun in Abstimmung mit dem Landratsamt festgelegt. Neben dieser Abstimmung hat die Stadt weitere Anträge zum Aufstellen eines Saufangs an drei zusätzlichen Stellen an die Untere Jagdbehörde des Landkreises gestellt. Bisher gibt es keine abschließende Genehmigung, die aber ist Voraussetzung für die Bejagung im Naturschutzgebiet. Um langfristig für eine Verbesserung der Situation zu sorgen, hat die Stadt per Ratsbeschluss jetzt auch die Jagd im Stadtwald vollkommen neu ausgerichtet. So kann bestenfalls auch jenseits des Großen Teiches mehr Einfluss genommen werden. Angefragt hat die Stadtverwaltung bei der zuständigen Behörde des Landratsamtes zudem die Möglichkeit einer Bewegungsjagd. Auch für diese gab es bisher keine Genehmigung, da die Gefahr im befriedeten Gebiet zu groß sei.

Ein weiteres Problem, das eine mögliche Lösung schwierig gestaltet, sind die Eigentumsverhältnisse vor Ort. Der Große Teich und die angrenzenden Flächen befinden sich bekanntermaßen im Eigentum des Freistaates, jedoch sind diese an keinen Jäger verpachtet. Die Jagdpächter der Jagdgenossenschaft Torgau dürfen auf den Flächen also nicht jagen. Auch hier gibt es in Kürze noch einmal Gespräche, um den Freistaat in die Lösungsfindung einzubeziehen und in die Pflicht zu nehmen.

Nach dem neuerlichen Vorfall im Hartenfelsstadion gab es Gespräche zwischen dem Vereinsvorstand und der Stadtverwaltung. „Daraufhin haben wir uns erneut an das Landratsamt gewandt, um die Dringlichkeit der Sache noch einmal zu verdeutlichen. Zudem haben wir den Verein gebeten, gleiches zu tun, da so hoffentlich deutlicher wird, das hier unbedingt etwas passieren muss“, erklärt Oberbürgermeisterin Romina Barth und weist Vorwürfe des SCH-Vereinschef von sich, man habe den Verein mit seinem Problem abschieben wollen. Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt den Verein beim Zaunbau finanziell unterstützt. „Jetzt hat der SC Hartenfels erneut einen entsprechenden Antrag gestellt und wir werden natürlich weiter helfen“, sagt das Stadtoberhaupt zu.

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