Mittwoch, 8. Dezember 2021
Donnerstag, 18. November 2021

Mario Kralisch: "Wälder sind deutlich Grüner"

Mario Kralisch: „Nicht erst handeln, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“ Foto: (Archiv): SWB

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Melpitz. Im SWB-Gespräch erklärt Mario Kralisch, Förster für Privat- und Körperschaftswald im Revier Pflückuff, warum der Wald seine Nutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion behalten soll.

 

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SWB: Wie lief das zurückliegende Jahr aus forstwirtschaftlicher Sicht?
Mario Kralisch:
Aufgrund der relativ normalen Wettersituation in diesem Jahr hat sich die Gesamtlage in den Wäldern entspannt. Wer mit offenen Augen durch die Natur läuft, sieht kaum noch Käferholz. Durch die Verjüngung der Wälder erstrahlt vieles in frischem Grün.

Es gab normale Niederschlagsmengen und kaum Dürreperioden wie in den letzten drei Jahren.
Richtig. Solch extreme Sommertage wie in den vergangenen Jahren gab es diesmal nicht so häufig. Die kurzen Dürreperioden wurden zumeist von ergiebigen Regenmengen, die bis in die tieferen Bodenschichten durchdrangen, beendet.

Hat das Wetter dem Borkenkäfer behagt?
Für den Borkenkäfer war es kein optimales Jahr.

Wurde er dadurch zurückgedrängt?
So weit würde ich nicht gehen. Aber die schnellen Generationsfolgen wie in der Vergangenheit waren dadurch nicht möglich.

Welche Schäden entstanden durch den ersten Herbststurm vor wenigen Wochen?
Nennenswerte Schäden gab es nicht zu verzeichnen. Lediglich Einzelbäume und kleinere Baumgruppen – viel abgestorbenes Holz – fielen dem Sturm zum Opfer.

Dennoch gab es Sperrungen in den Wäldern.
Richtig, davon waren einige öffnetliche Wege betroffen, wo Gefahr im Verzug war. Mit der Sperrung wollte ich die Gefahren durch Totholz und lose Äste sichtbar machen. Beispielsweise war der Seperationsweg hinter dem REPO-Markt in Torgau eine Zeit lang gesperrt. Eigentümer des sogenannten Bahnerwäldchens ist die Deutsche Bahn. Dort einen Verantwortlichen zu finden, benötigte eineinhalb Jahre. Mittlerweile ist die Gefahr behoben und der beliebte Wander- und Radweg ist wieder zugänglich. Dieses Handeln wünsche ich mir auch von Privatwald-Besitzern, die sich der Gefahr für die Allgemeinheit und für sich selbst nicht bewusst sind. Aber Eigentum verpflichtet.

Wie sieht es in Ihrem Revier, dem Torgauer Stadtwald, aus?
Die vorhandenen Baustellen konnte ich sukzessive abarbeiten. Gefahrenquellen auf Straßen und öffentlichen Wegen wurden dokumentiert, sichtbar gemacht und versucht zu beheben. Durch das viele Totholz ist das Gefahrenpotenzial gestiegen. Sich darauf zu verlassen, dass nichts passiert, ist zu kurz gedacht.

Welche Hilfe können Sie Privatwald-Besitzern angedeihen lassen?
Ich kann helfen, ja – indem ich berate, Tipps und Ratschläge gebe, was gefährlich ist. Ich kann Maschinensysteme vermitteln, mit denen Bäume gefällt und aufgearbeitet werden. Zudem kenne ich Firmen zur Verkehrssicherung.

Dann ist es in der Regel zumeist schon zu spät?
Ich würde mir mehr Prävention wünschen. Nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Den Privatwald-Besitzern sollte klar sein, dass trockene Bäume gefährlich sind.

Lässt sich mit kleinen Mengen Holz noch Geld verdienen?
Tendenziell sind die Holzpreise wieder gestiegen. Holz wird nicht mehr verschenkt. Preislich ist die Talsohle durchschritten. Die Nachfrage der örtlichen Sägewerke ist sehr hoch.

Holzmangel besteht also nicht mehr?
Natürlich ist Holz auf dem Weltmarkt gesucht wie nie zuvor. Die Preisschere zwischen Rundholz und Schnittholz beginnt sich langsam wieder zu schließen. Der Waldbesitzer bekommt wieder mehr Geld, die Sägeholzpreise sinken. Das ist für alle Beteiligten ein realistisches Szenario.

Wie steht es um die Aufforstung und den Waldumbau?
Diesbezüglich tut sich extrem viel. Im Stadtwald werden dieses Jahr noch 20 Hektar neu angepflanzt. Privatwald-Besitzer kann ich betreffs Fördermitteln beraten, es gibt eine Fördermittelrichtlinie beim Anbau von Mischwäldern. Die Naturverjüngung wird gefördert, das sollte für viele interessant sein.

Wie sieht der Wald der Zukunft aus?
Keiner weiß genau, worauf es hinausläuft. Die monotonen Wälder haben eigentlich schon in den letzten 30 Jahren ausgedient. Unsere Wälder sind deutlich grüner und bunter geworden. Die Durchmischung puffert schon einiges an schädlichen Einflüssen ab. Es wäre vermessen zu sagen, dass wir wissen, wo es künftig hinläuft: Auch wir tappen noch im Dunkeln. Wir müssen nur aufpassen, dass unser Handeln nicht der nächsten Generation auf die Füße fällt. Wichtig ist, Stabilität in die Wälder zu bekommen.

Auf welche Baumarten wird gesetzt?
Eichen zum Beispiel. Wir wollen unser Portfolio um Roteichen, Küstentannen und Douglasien erweitern. Diese Bäume kommen aus Regionen mit ähnlichen klimatischen Verhältnissen wie bei uns. Die Mischung verschiedener Arten und eine unterschiedliche Altersstruktur hat sich bewährt.

Welches Ziel steht hinter den Maßnahmen?
Wir möchten auch in 100 Jahren noch Holz nutzen. Der Wald soll weiter seine Nutz-, Klimaschutz- und Erholungsfunktion behalten.

Dennoch heben Sie warnend den Zeigefinger.
Ich finde es wenig zielführend, den Wald komplett unter Schutz zu stellen, sprich sich selbst, ohne Holznutzung, zu überlassen. Im deutschen Forstbereich wird schon länger auf Nachhaltigkeit gesetzt. Da sind wir vielen Regionen dieser Welt voraus. Deshalb plädiere ich für Holz aus einheimischen Wäldern und nicht aus Regenwald und Taiga.

 

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