Mittwoch, 8. Dezember 2021
Dienstag, 23. November 2021

"Es fehlt an personellen und materiellen Ressourcen"

Die Zweigpraxis befand sich im Bürgerhaus. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Die Zweigpraxis von Hausarzt Dr. Volker Hahnewald schließt zum Jahresende offiziell. Warum und weshalb? Das hat der Beilroder Mediziner gegenüber TZ ausführlich dargelegt. 

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Traurige Gesichter in Dautzschen und Umgebung. Der Beilroder Hausarzt Dr. Volker Hahnewald  wird seine Zweigpraxis im Bürgerhaus zum Jahresende offiziell schließen. Schon seit einigen Wochen gab es keine Sprechzeiten mehr, waren die Türen geschlossen. Auf Nachfrage der TZ hat Dr. Hahnewald seine Situation jetzt ausführlich dargelegt und begründet. Und er hat dabei auch harsche Kritik an die übergeordneten Stellen gerichtet, die es aus seiner Sicht dazu kommen ließen. 

 

Aktuell rollt die 4. Corona- Welle über Nordsachsen und auch über Ostelbien hinweg. „Die bisher schon im sogenannten unterversorgten Gebiet sehr stark belasteten Strukturen der ambulanten sowie der stationären medizinischen Versorgung kommen an ihre Grenzen oder sind zu Stoßzeiten überfordert“, erklärt  Dr. Volker Hahnewald. Die Dienstbelastung bei Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten nehme spürbar zu. Die Unterversorgung habe sich durch bereits vollzogene und angekündigte Praxisschließungen im Berdarfsplanungsbereich Torgau-Oschatz noch einmal deutlich verschlimmert.

 

„Den Entscheidungsträgern bei Kassenärztlicher Vereinigung, Landesgeschäftsstelle, Sozialministerium und den Gesetzlichen Krankenkassen sind die Probleme bekannt, allerdings werden die notwendigen Schritte einschließlich Priorisierung, Ende der Budgetierung und Vergütung im Sinne der Wirtschaftlichkeit nicht gegangen“, kritisiert der Hausarzt. „Entlegene Zweigstellen, wie zum Beispiel unsere Zweigpraxis im Bürgerhaus Dautzschen, sind aktuell nicht weiter zu betreiben, da es an personellen und materiellen (vor allem EDV-technischen) Ressourcen fehlt“, spricht er Klartext.

 

Voller Interesse verfolgen er und seine Berufskollegen gerade das Fiasko um elektronische Patientenakte, eAU (Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) sowie e-Rezept: Das Konzept von freier Preisgestaltung der EDV-Firmen – die die Praxisverwaltungssysteme warten – auf der einen Seite und die viel zu geringen, aber festen Entschädigungssätze, zu denen die Leistungserbringer die Digitalisierung umsetzen sollen auf der anderen Seite – das funktioniere eben nicht. „Diese Form der Planwirtschaft hat ausgedient“, macht Dr. Hahnewald klar. Er sei überzeugt: Die Entscheidungsträger, allen voran das Bundesgesundheitsministerium, digitalisieren das System gerade an die Wand.

 

Der Mediziner fragt sich besorgt: Wann wird die Digitalisierung endlich auf solide Füße gestellt? „Es ist eine Schande, wie wir deutschen Ärzte uns bei unseren skandinavischen, niederländischen und baltischen Kollegen rechtfertigen müssen, weil die übergeordneten Stellen der ärztlichen Selbstverwaltung dermaßen schlecht liefern“, nimmt Dr. Hahnewald kein Blatt vor den Mund. Natürlich brauche es eine gesunde Motivation zur Digitalisierung, indem Projekte attraktiv ausgeschrieben, zertifiziert und umgesetzt werden. Die Initiative, ärztliches Personal für den Betrieb der Impfzentren zu rekrutieren, habe gezeigt, welche Mittel und Wege notwendig sind, um Kollegen für die anstehenden Aufgaben zu motivieren.

„Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen Mitarbeitern, meinen ärztlichen Kollegen, den Mitarbeitern der KV-Bezirksgeschäftsstelle Leipzig und auch den Mitarbeitern der Krankenhäuser für die gute Zusammenarbeit im Dienste der Patienten bedanken. Wir alle arbeiten unter aktuell wirklich schwierigen Bedingungen, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Mehrzahl der Patienten versteht das auch und nimmt längere Wege oder Wartezeiten auf sich. Ich persönlich hoffe auf bessere Zeiten und engagiere mich auch mit diesem Statement für das Benennen und Lösen der aktuellen Herausforderungen“, schließt Dr. Volker Hahnewald seine Ausführungen. 

Gespräche habe es in den vergangenen Wochen genug gegeben, bestätigt auch Beilrodes Bürgermeister René Vetter. „Der Entschluss von Herrn Dr. Hahnewald zur Schließung der Zweigpraxis im Bürgerhaus Dautzschen ist gerade für die älteren Einwohner ein harter Schlag und tut uns als Gemeinde sehr weh“, sagt der Bürgermeister. Auch im Gemeinderat habe es Diskussionen und Gespräche mit Dr. Hahnewald gegeben. Seine Ansichten seien auch nachvollziehbar. 

„Als Gemeinde haben wir immer versucht, Herrn Dr. Hahnewald mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Wir hatten unter anderem vorgeschlagen, dass die Zweigpraxis zumindest stundenweise mit einer Schwester besetzt wird. Dies ist seitens der Praxis leider nicht umsetzbar. Letztendlich ist es eine Entscheidung, die durch die Bedingungen und Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung bzw. Sozialministerium gefallen ist“, bekräftigt auch Bürgermeister Vetter.

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