Donnerstag, 2. Dezember 2021
Donnerstag, 25. November 2021

Karl-Friedrich Potzelt: "Wir sind maßlos enttäuscht!"

Karl-Friedrich Potzelt: „Es ist lohnender, sich impfen zu lassen.“ Foto: (Archiv): TZ/cw

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Torgau. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch kommentiert  Karl-Friedrich Potzelt, Chef der IG Torgauer Wirte, die Absage des Torgauer Märchen-Weihnachtsmarktes.

 

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SWB: Seit dem 19. November steht es fest: In Sachsen wird es auch 2021 keine Weihnachtsmärkte geben. Ihr Kommentar zu dieser Entscheidung.
Karl-FRiedrich Potzelt:
Natürlich sind wir maßlos enttäuscht von der Bundes- und Landespolitik. Aufgrund der rasant steigenden Inzidenzen hätte man eine Absage eher kommunizieren können, ja müssen. Ich hätte mir mehr Transparenz und Ehrlichkeit versprochen, nicht erst nachdem alle Planungen im Gange waren.

Die Absage kam zu spät?
Auf alle Fälle. Zum einen sind die Inzidenzzahlen nicht erst seit ein paar Tagen so wie noch nie in Sachsen, zum anderen haben Virologen und Wissenschaftler schon im Spätsommer darauf hingewiesen, dass man mit so einer ernsten Lage rechnen muss. Da muss man sich als Normalo schon fragen dürfen, wie falsch die Landespolitik tickt. Trotz Warnung – weg mit den Impfzentren, impfen kann der Hausarzt, wir haben ja so viele in Torgau. Normale Patienten haben dann eben schlechte Karten.

Überwiegen die Vernunft und Einsicht oder doch die Enttäuschung und der Frust bei Ihnen?
Beides. Die Enttäuschung ergibt sich über die Impfunwilligen bzw. Impfskeptiker und deren verschobenes Weltbild, welches in der jetzigen Lage geradezu grotesk wirkt.  Andererseits empfinde ich manche Aussagen im TV als Frechheit, die spalten die Gesellschaft zusätzlich. Uns bringt es wirklich überhaupt nicht weiter, die Leute gegeneinander aufzuhetzen.

Wie haben die beteiligten Händler die Nachricht von der Absage aufgenommen? Hatten Sie schon Ware geordert?
Die Händler haben hoffnungsvoll geplant, ihnen wurde bis vor wenigen Tagen nichts anderes suggeriert. Und nun das. Die Buden samt Elektrik, die Bühne und Technik waren bestellt. Vorverträge wurden geschlossen für zwei Höhepunkte des Märchen-Weihnachtsmarktes. MDR-Jump hätte  im Rahmen der diesjährigen Weihnachtstour Torgau besucht, zur „Langen Weihnachtsnacht“ wollten wir mit einer irischen Band überraschen. Die überregionalen Werbemaßnahmen, aber auch das Herzblut, was von jedem Einzelnen eingebracht wird, sollte der Innenstadt zugutekommen. Unsere Innenstadthändler sind Teil des Ganzen und hätten ganz sicher vom Unterfangen Weihnachtsmarkt profitiert.

Sie hätten wieder Hausschlachtenes angeboten?
Ja. Wir haben schon Konserven produziert, der Schinken liegt in der Lake. Kurzum: Es ist schon das zweite Jahr in Folge, wo ich letztendlich mehrere Tausend Euro zum großen Teil in den Sand setze. Aber es gibt immer einen, den es schlimmer trifft. So hat sich ein Kollege von mir in Leipzig mit einigen Tausend Litern Glühwein eingedeckt. Dann kam das Alkoholverbot, also hat er sich alkoholfreien Glühwein besorgt und darf jetzt abbauen.

Sie hatten für Torgau eine Weihnachtsstraße ins Gespräch gebracht. Was spricht dagegen?
Wir wollten als Gemeinschaft unbedingt etwas machen. Die Weihnachtsstraße sollte sich über die Bäckerstraße bis in die Fischer- und Schlossstraße erstrecken. Die Idee hätte gut zu den zwei verkaufsoffenen Sonntage gepasst. Allerdings war dann die 2G-Regelung das Aus für diese Idee. Wir hätten alles einzäunen müssen, was sehr teuer geworden wäre. Das Abgrenzen der Verweilbereiche und das Ausgrenzen der Ungeimpften hätte die Gemütlichkeit empfindlich gestört. Es wäre keine vorweihnachtliche Atmosphäre entstanden. Und, wer hätte das alles kontrollieren sollen?

Seit ein paar Tagen steht der Weihnachtsbaum auf dem Torgauer Marktplatz. Ein schwacher Trost, oder?
Ein Vorschlag von mir wäre, ein paar Märchenfiguren aufzustellen. Oder alle gehen einmal in sich und denken darüber nach, dass es doch eigentlich schöner mit Weihnachtsmarkt wäre …

Die aktuellen Maßnahmen sollen bis zum 12. Dezember gelten.
Bei den aktuellen Inzidenzwerten ist keine Verbesserung zu erwarten – das zeichnet sich heute schon ab.

Welchen Vorschlag hätten Sie, um eine Besserung zu erreichen?
Was wir brauchen, ist eine ordentliche Impfberatung, um die letzten Impfskeptiker zu überzeugen. Es ist immer noch besser und lohnender, sich impfen zu lassen. Hier ist Überzeugungsarbeit gefragt.

Im vergangenen Jahr standen „zwischen den Jahren“ ein paar Buden auf dem Marktplatz. Ist das auch dieses Jahr denkbar?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn die Inzidenzzahlen wider Erwarten in den Keller gehen, wäre ein Wintermarkt im Januar oder Februar denkbar. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir dank starker Partner für Geselligkeit und eine Belebung der Innenstadt sorgen können.

Wird 2022 alles besser?
Wenn wir die Impfquote deutlich erhöhen, ja. Aber wir verlieren zu viel Zeit. Zeit, die wir eigentlich gar nicht mehr haben. Ich plädiere für eine stetige, aber behutsame Aufklärung wider den ganzen Fake-News in den sozialen Medien. Lieber ein Gespräch mehr führen. Es müssten wesentlich mehr Impfteams unterwegs sein. Wir haben so viel Orte, die man für solche Zwecke zur Verfügung stellen könnte. Das Gleiche gilt für Beraterteams. Warum nicht für Unentschlossene eine Beratung durchführen?

Wie sieht es bei Ihnen mit Veranstaltungen im kommenden Jahr aus?
Die Vorplanungen laufen auf Hochtouren. Die Agenturen und Veranstalter stehen in den Startlöchern. Natürlich sollen alle Festivals wie geplant stattfinden. Das gesellschaftliche Leben darf nicht gänzlich vor die Wand gefahren werden.

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