Dienstag, 18. Januar 2022
Freitag, 26. November 2021

Lange Warteschlangen und Lieferengpässe bei Impfstoffen

Hoffnungsträger Corona-Impfung: Die zur Zeit mitunter recht chaotische Impfsituation in Sachsen bereitet vielen Menschen Kopfzerbrechen und erhitzt die Gemüter. Vor allem Hausarztpraxen und mobile Impfangebote stehen momentan im Fokus der Debatte. Foto: Matthias Bein

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau/ Nordsachsen. Lange Warteschlangen bei Impfaktionen, volle Arztpraxen - viele Bürger wünschen sich mehr Auswahl an Impfangeboten. Mobiles Impfpersonal und Personal in Hausarztpraxen sind zuweilen am Rande der Belastbarkeit.

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Wo kann ich mich oder meine Angehörigen impfen lassen? Diese Frage beschäftigt zur Zeit auch in Torgau und Umgebung viele Menschen. Da stationäre Impfzentren aktuell noch geschlossen sind, sind es in Nordsachsen vor allem mobile Impfteams und Hausärzte, die gegen das Corona-Virus impfen. Doch diese Angebote stehen nicht immer jedem zur Verfügung und sind nicht für jeden geeignet. So wandte sich beispielsweise Leserin Antje Müller aus dem Landkreis Leipzig an die LVZ, da sie dringend nach einem Termin für eine Boosterimpfung ihrer knapp 82-jährigen Eltern suchte. Diese sind in Torgau wohnhaft und deren Hausärztin impfe nach Müllers Aussage nicht gegen Corona. Mobile Impfangebote sieht sie jedoch als für ihre Eltern nicht geeignet an: „Mein Vater ist stark gehbehindert und gar nicht in der Lage, sich mehrere Stunden dort anzustellen. Auch ist das aus meiner Sicht nicht zumutbar für diese Altersgruppe.“ 

Ihre Suche nach einer anderen Hausarztpraxis, in welcher ihre Eltern geimpft werden könnten, sei erfolglos geblieben. Auf ihre Nachfrage beim Torgauer Ärztenetz e. V. hin musste Ansprechpartner Alexander Schur ebenfalls auf den Hausarzt verweisen.

Problematische Impfsituation

In der Tat wirft die momentane Impfsituation in Torgau beziehungsweise im Landkreis allgemein einige Problemstellungen auf: Bei Impfaktionen mit mobilen Teams, welche ursprünglich vor allem als unterstützendes Angebot für die stationären Impfzentren gedacht waren, nun jedoch neben Hausärzten die einzige Impfmöglichkeit im Landkreis darstellen, ist die Nachfrage mitunter so hoch, dass es zuweilen zu mehreren Stunden Wartezeit kommen kann. Ein aktuelles Beispiel in dieser Woche war die Impfaktion des DRK-Kreisverbands Torgau-Oschatz im Torgauer Kulturhaus, bei welchem vor allem am Montag der Ansturm so groß war, dass sich eine knapp 100 Meter lange Warteschlange gebildet hatte. Allein am Montag wurden durch die Mitarbeiter 345 Personen geimpft, am Dienstag waren es 270 und am Mittwoch 276. 

Gerade in Zeiten von Corona sollten jedoch eigentlich Warteschlangen aufgrund des Infektionsrisikos vermieden werden, was jedoch organisatorisch häufig gar nicht möglich ist, da jeder Impfwillige durch die Mitarbeiter separat aufgeklärt werden muss und gegebenenfalls Fragen beantwortet werden müssen. Zudem sollte man bei der Debatte um lange Schlangen und Wartezeiten nicht außer Acht lassen, dass bei diesen mobilen Aktionen jeder Impfwillige ohne einen Termin erscheinen darf. Dieser Aspekt ist zum einen ein Vorteil, wenn man bedenkt, wie schwierig es lange Zeit war, überhaupt einen Impftermin zu bekommen und zum anderen können ohne Termin letztendlich oftmals mehr Menschen pro Tag geimpft werden als bei fest eingeteilten Zeitslots. 

Lösungsstrategien

Doch das DRK ergreift bereits Maßnahmen, um der Warteschlangen-Situation entgegenzuwirken, wie Anne Lissner, Vorstandsvorsitzende des DRK- Kreisverbandes Torgau-Oschatz am Mittwoch im LVZ-Interview erklärte: „Wir stehen aktuell mit den Sta¨dten und Gemeinden in Kontakt, um nach gro¨ßeren Ra¨umen zu suchen und Wartezeiten mit Sitzmo¨glichkeiten ertra¨glicher zu machen. Fu¨r die na¨chsten Termine setzen wir das bereits um.“ Infos zu weiteren Impfaktionen des DRK gibt es unter https://drksachsen.de/impfaktionen.html sowie immer donnerstags auf der Service-Seite der TZ.

Überlastung und Lieferengpässe

Ein weiteres Problem ist die Impfsituation in Hausarztpraxen. Auf TZ-Anfrage zeigte sich, dass viele Praxen nur die eigenen Bestandspatienten impfen – ein Umstand, der es für „außenstehende“ Impfwillige schwierig macht, einen passenden Arzt für eine Impfung zu finden. Zu bedenken ist bei dieser aktuellen Lage allerdings, dass das Praxispersonal sich schließlich nicht nur um die Corona-Impfungen kümmern kann, sondern der „normale“ Praxisbetrieb und -alltag mit allen anderen anfallenden Aufgaben trotzdem besteht. Hier wirbt Alexander Schur vom Ärztenetz Torgau e. V. um Verständnis:

„ Leider ist es aufgrund der nicht besetzten Arztstellen in unserer Region – uns fehlen etwa ein Drittel der benötigten Hausärzte – und des zusätzlichen Corona-bedingten Ausfalls weiterer Praxen aktuell nicht möglich, neben der ‚normalen’ Versorgung aller Patienten Impftermine wie eigentlich wünschenswert zur Verfügung zu stellen. Die wenigen Hausärzte, die zur Verfügung stehen, tun, was Sie können. Nun wurden den Ärzten auch noch die Lieferungen des Biontech-Impfstoffs gekürzt. Die momentane Deckelung liegt hier bei 30 Impfdosen für eine Woche, was viel zu wenig ist. Hierdurch müssen zum Teil bereits vereinbarte Termine platzen oder die Patienten müssten zur Not auf einen anderen Impfstoff ausweichen, was die wenigsten möchten. Zusätzlich muss das Praxispersonal mit sehr vielen negativen Reaktionen bis hin zu Drohungen und Erpressungsversuchen umgehen.“  

Hoffnungsschimmer

Sowohl die mobilen Impfteams als auch das Praxispersonal sehen sich derzeit einer Situation gegenüber, die an die Grenzen der Belastbarkeit führt. Einen Hoffnungsschimmer gibt es von Seiten des Landratsamts Nordsachsen:

"Das sächsische Sozialministerium sieht die niedergelassenen Ärzte, flankiert durch die mobilen Teams des DRK, als Hauptakteure der Impfungen. Auch Krankenhäuser und Betriebsärzte sind vom Ministerium aufgerufen, Impfungen anzubieten. Der öffentliche Gesundheitsdienst hingegen wurde mit den Corona-Impfungen bislang nicht betraut, damit sich die Ämter vollständig auf Kontaktermittlung und Nachverfolgung zur Pandemie-Bewältigung konzentrieren können.

Dennoch hat der Landkreis die Impfungen immer mit viel Engagement logistisch unterstützt - sei es bei der Einsatzplanung der mobilen DRK-Teams in den Pflegeheimen und Kommunen, der Gewinnung von Impfteams der Bundeswehr, der Organisation von Impfungen für bestimmte Berufsgruppen oder auch durch die Bereitstellung eines Impfbusses.

Vor wenigen Tagen hat das Sozialministerium nunmehr finanzielle Mittel in Aussicht gestellt, damit zusätzlich auch die Landkreise und kreisfreien Städte eigene Impfangebote schaffen können. Das Angebot soll selbstständig sein, beispielsweise mit Ärzten aus dem Ruhestand besetzt werden, und das Regelsystem der niedergelassenen Ärzte sowie das derzeit etablierte System der mobilen Teams punktuell ergänzen. Die Landkreisverwaltung arbeitet bereits mit Hochdruck an der Realisierung dieser neuen Möglichkeit und wird dann entsprechend informieren.“

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