Dienstag, 18. Januar 2022
Samstag, 27. November 2021

Nordsächsischer Lichterglanz aus Berlin

Lukas Mehner (r.) präsentierte seine Produkte auf dem November-Abendmarkt. Foto: Thomas Keil

Von Thomas Keil

Torgau/Berlin. Der aus Drebligar stammende Lukas Mehner fertigt in der Hauptstadt Schwibbogen.

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?Eigentlich war der Torgauer Abendmarkt im November wie immer – nur dunkler wegen des mittlerweile zeitigen Sonnenuntergangs. Dank brennender Schwedenfackeln und Glühweinausschank erinnerte die Stimmung durchaus an den Torgauer Weihnachtsmarkt. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch den Stand von Lukas Mehner. Neben seinem Barkas hatte er einen Verkaufsstand mit scheinbar erzgebirgischem Weihnachtsschmuck. Doch der Schein trog. Vor dem Rathaus leuchteten mit LED bestückte Schwibbogen und Teelichtleuchter. „Alles eigene Produktion“, sagte der Eigentümer der Firma Schwibsbogen, die eben nicht aus dem Erzgebirge stammt, sondern ihren Sitz ausgerechnet in der Bundeshauptstadt Berlin hat. 

Anfragen auch aus Elsnig

Im Angebot hatte er drei unterschiedliche Motive – Torgau, Dommitzsch und Berlin. „Das sind meine Standardmotive, aber ich fertige auch nach Kundenwunsch“, erläuterte der junge Ingenieur. So habe er auch schon einen Harry-Potter-Bogen ausgeliefert. Ebenso gebe es bereits Anfragen nach anderen Ortsansichten. „Elsnig zum Beispiel“, sagte Lukas Mehner. Neben Privatkunden interessieren sich auch Firmen für seine Lichterbögen. „Als Weihnachtsgeschenke mit entsprechend eigenen Motiven.“ Das können dann auch schon Kleinserien mit teilweise hohen zweistelligen Stückzahlen werden.

Warum Torgau und Dommitzsch als Motive? „Meiner Heimat wegen“, begründete er. Schließlich sei er in Drebligar aufgewachsen, besuchte in Dommitzsch die Grundschule und legte am Johann-Walter-Gymnasium das Abitur ab. „In Dommitzsch spiele ich übrigens auch immer noch für den SV Grün-Weiß“, merkte Lukas Mehner an. Sein jüngster Einsatz datiert auf Anfang Oktober gegen Glesien/Delitzsch II.  Zum Studium zog es ihn schließlich nach Berlin. „Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau“, zählte Lukas Mehner auf. Im Juli des vorigen Jahres schloss er es mit dem Master erfolgreich ab.

Vor  zwei oder drei Jahren, jedenfalls mitten im Studium, sei er auf die Idee gekommen, Schwibbogen  zu fertigen. „Was kann man mit Lasern anfangen?“, fragte er sich damals. Als Antwort habe er eben Lichterbögen gefunden. „Es war der klassische Spieltrieb eines Ingenieurs“, ordnete er ein. Außerdem verbinde er Kindheitserinnerungen mit zahlreichen Schwibbogen in den Fenstern zur Weihnachtszeit. „Und mich faszinierte von Beginn an die Kombination aus kreativem Design und technischen Raffinessen im Zusammenbau.“

Die Herstellung erfolgt im Happylab, einer offenen Werkstatt in Berlin. „Hier kann sich jeder einmieten“, erläutert Lukas Mehner. So schneidet er die Pappelsperrholzplatten ganz in der Nähe des Hum-boldthains mit einem Laser aus. „Der hat 60 Watt Leistung – ausreichend für rund einen Zentimeter dickes Sperrholz“, ordnete der Ingenieur ein. Damit dauere der Zuschnitt einer einzelnen Platte etwa 10 bis 15 Minuten. „Insgesamt brauche ich anderthalb bis zwei Stunden pro Bogen“, macht er klar. Bevor aber der Zuschnitt erfolgen kann, geht es am Rechner um Designarbeit. „Mit Fotos arrangiere ich die Motive und erstelle die notwendigen Dateien für den Zuschnitt“, erläuterte der Wahlberliner.

Nach dem Ausschnitt kommt die Montage und Elektrifizierung des Bogens. „Das schaffe ich nur mit der Hilfe von Freunden und meiner Familie – mal in Berlin, mal in Drebligar“, legt er dar. Besonders bei Großaufträgen gehe es nicht anders. Vor allem bei Vertrieb und Marketing sei diese Hilfe unschätzbar. „Den Großteil verkaufe ich durch Mundpropaganda“, ordnete der Jungunternehmer ein.

Wie viele Bögen fertigt er pro Jahr? „2020 waren es 50 bis 60 Stück“, blickte Lukas Mehner zurück. Auch in diesem Jahr sei es bei jener Menge geblieben. „Mit Torgau und Dommitzsch 30 bis 40 Bögen und noch einmal etwa 20 mit dem Berliner Motiv“, zählte er auf.

Neu im 2021er Sortiment: Keksausstecher. „Die Förmchen stammen aus dem 3-D-Drucker“, erläuterte der Ingenieur. Zusätzlich zur reinen Umrandung weisen die Förmchen noch Querstreben auf. An diesen sind Stempel befestigt, womit in den Teig beim Ausstechen sogar noch eine Oberflächenstruktur eingeprägt wird. „Dazu muss der Teig mindestens fünf Millimeter dick sein“, verdeutlichte Lukas Mehner. Und tatsächlich – auf den in Torgau präsentierten Keksen in Bärenform prangt der Schriftzug „TORGAU“. Der Druck eines Ausstechers dauere ungefähr eine Stunde. So produziere er an einem Arbeitstag bis zu acht Stück. „Während ich auf Arbeit bin, werkelt der Drucker allein zu Hause“, sagt der Jungunternehmer.

Lukas Mehner fertigt unter anderem auch Keksausstecher im 3-D-Druck. 

Mittlerweile feiert sein Online-Shop den ersten Geburtstag. „Im September 2020 gründete ich Schwibsbogen und ging zwei Monate später ins Netz“, erinnerte sich der Ingenieur. Er beschreibt dies als sein Hobby. Der Name „Schwibsbogen“ gehe dabei auf einen versehentlichen Versprecher zurück. „Nach dem einen oder anderen Bier  in der Kneipe.“ Letztendlich finde er den Namen passend – dieser zeige, dass bei dem ganzen Projekt der Spaß im Vordergrund stehe.

Alter Barkas jetzt Werbeträger

Der Barkas als Firmenwagen ist übrigens ebenfalls ein alter Bekannter in der Gegend zwischen Torgau und Dommitzsch. „Er stammt von der Elsniger Feuerwehr“, blickte der Ingenieur auf seinen vierrädrigen Untersatz. Mit der Beschriftung „Schwibsbogen“ und einem großen Lichterbogen auf dem Dach dient der einstige Mannschaftstransportwagen nun als Werbeträger und Schwibbogenlieferfahrzeug.   

Wohlgemerkt: Das Ganze ist für Lukas Mehner ein Hobby und damit bisher nur ein Nebenerwerb. „Hauptberuflich arbeite ich für ein ebenfalls recht junges Unternehmen im Bereich  digitaler Zutrittssysteme“, führt er aus. Ob er sich in Zukunft ausschließlich um seine „Schwibsbogen“ kümmern möchte? „Das weiß ich noch nicht“, lässt er die weitere Entwicklung offen.

 


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