Montag, 17. Januar 2022
Dienstag, 30. November 2021

Versteckte Aufgabe an die Dorfbewohner von Dautzschen

Enrico Hilgers aus Bad Schmiedeberg ist für die Produktion des Kalenders zuständig. Foto: Elbetal Fotografie

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Die Spannung steigt: Der Vorstand des Förderkreises der Kirche Dautzschen erwartet in wenigen Tagen die druckfrische Ausgabe des neuen Heimatkalenders für 2022. 

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Es gibt nicht viele Dörfer in der Region, die einen eigenen Heimatkalender vorweisen können. In Dautzschen ist das Tradition. Und zwar schon seit vielen Jahren. Gerade steigt mal wieder die Spannung im Beilroder Ortsteil. In wenigen Tagen soll die neue druckfrische Auflage für 2022 eintreffen. 

Geheimnisvoll 

Volker Theilemann, Vorsitzender des Vereins Förderkreis Kirche Dautzschen, gefällt es, die Spannung noch ein bisschen zu steigern. Denn das Deckblatt will er in der Torgauer Zeitung noch nicht veröffentlicht sehen. Stattdessen schwärmt er von dem besonderen Titelmotiv. Es zeige ein sehr bekanntes Gehöft in Dautzschen – nämlich die ehemalige Gaststätte Däumichen. Zu erkennen seien auch einige Personen vor dem Grundstück. Wie alt die historische Postkarte ist, kann er nicht sagen. Mag sein, dass sie schon vor dem Ersten Weltkrieg aufgenommen wurde. Vielleicht wissen es einige Dautzschener besser. Doch erst mal muss das Paket mit den nagelneuen Exemplaren im Dorf eintreffen. 

„Wir haben gemerkt, dass das Kaufinteresse auch ein wenig mit dem Bild auf der ersten Seite zusammenhängt. Wenn dort ein besonders schönes Motiv abgebildet ist, geht der Kalender umso besser über den Ladentisch“, lächelt Volker Theilemann. Er muss es wissen: In den vergangenen zehn Jahren haben die Vorstandsmitglieder des Förderkreises, die den Heimatkalender immer wieder aufs Neue zusammenstellen, wichtige Erfahrungen gesammelt. Mit viel Liebe und Eifer versuchen sie stets, die Arbeit vom Vorjahr noch ein wenig zu übertrumpfen. Vor allem bei den letzten drei bis vier Auflagen sei ein weiterer Qualitätssprung zu spüren gewesen, sagt der Vorsitzende nicht ohne Stolz. Bereits im Sommer sitze man zusammen, um über die jeweils nächste Ausgabe nachzudenken. Mittlerweile wird das ganze Dorf einbezogen wenn es darum geht, interessante Bildmotive zu finden. Gefragt sei alles, was die Heimat widerspiegelt. Egal ob historische Ansichten, reizvolle Landschaften, Bilder von Festen und Veranstaltungen, Tiermotive oder Abbildungen von bekannten Gebäuden und Denkmälern. 

Über den Tellerrand 

Manchmal blicken die Dautzschener dabei ein wenig über den Tellerrand. Zum Beispiel hätten es auch schon Aufnahmen von der Mühle Rosenfeld oder aus dem Nachbarort Großtreben in die engere Auswahl geschafft. „Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass uns Hobby-Fotograf Georg Milling unterstützt, der ja in Großtreben wohnt“, erklärt Volker Theilemann. 

Was die aktuelle Ausgabe betrifft, hält sich der Vorsitzende standhaft bedeckt. Ein paar tolle Schneelandschaften seien zu sehen und das neue Insektenhotel im Wald bei Brucke, lässt er lediglich durchblicken. Achja – und ein historisches Hochzeitsfoto. Und da ist Volker Theilemann gleich bei einem Punkt, der zusätzlich den Reiz des Dautzschener Heimatkalenders ausmacht. Denn der Vorstand des Förderkreises Dautzschen hat jedes Jahr eine versteckte Aufgabe für die Dorfbevölkerung in petto. 

Meist handelt es sich um eine altes Pärchenfoto oder eine sonstige historische Abbildung mit Menschen und die Einwohner sollen dann herausbekommen, um welche Personen es sich handelt. Über das Feedback freuen sich die Kalender-Macher jedes Mal sehr. Manchmal werde tagelang im Dorf gegrübelt und es kommen spaßige Bemerkungen. 

Datenschutz 

Allerdings fühlen sich die Vorstandsmitglieder von den mittlerweile sehr strengen Bestimmungen in Deutschland bezüglich Datenschutz und Recht am eigenen Bild ausgebremst. „Wir würden zum Beispiel gerne Klassen- und Schulfotos aus den vergangenen Jahrzehnten veröffentlichen. Aber ohne Zustimmung der abgebildeten Personen werden wir lieber darauf verzichten, um keinen rechtlichen Ärger auszulösen. Also müssten wir schon Motive haben, die 100 Jahre zurückliegen“, erklärt der Vereinschef das Problem. Dabei seien Fotos mit Menschen immer interessant, weil sich Leute erkennen beziehungsweise diese von anderen erkannt werden. Zum aktuell gedruckten historischen Hochzeitsbild möchte Volker Theilemann nur verraten, dass ein Schulkantor eine Bauerstochter heiratete. Das Geschehen spielt etwa vor 100 Jahren. 

Kein Weihnachtsmarkt 

Ein weiteres Problem ergibt sich dieses Jahr coronabedingt. Denn eigentlich galt der Dautzschener Weihnachtsmarkt als fester Verkaufstermin. An jenem Tag wurde meist die gesamte Auflage an den Mann (bzw. an die Frau) gebracht. Diesmal fällt der Termin aus. Die Exemplare sind stattdessen in der Bibliothek im Bürgerhaus und in der Blumenboutique Kynast in Dautzschen zu haben. Rund 100 Heimatkalender hat der Verein drucken lassen, eine deutliche Steigerung der Auflage im Vergleich zur Anfangszeit.

Für Layout und Produktion zeichnet seit einigen Jahren der Bad Schmiedeberger Enrico Hilgers im Auftrag der Firma Elbetal Fotografie verantwortlich, dessen Frau aus Dautzschen stammt. Wie gesagt, ein wenig Geduld ist noch gefragt, bis der Verkauf starten kann. Den genauen Termin wird TZ ankündigen.

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