Montag, 17. Januar 2022
Montag, 6. Dezember 2021

Neue Katastrophe für Region!

Die Skizze zeigt, welche große Fläche der Polder im Bereich Dautzschen und Großtreben einnehmen würde.Foto: Repro TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. In Dautzschen und Großtreben sorgen die Polderpläne des Freistaates für Entsetzen: Die Bürger sehen den Wertverlust ihrer Häuser. 

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Die Polderpläne des Freistaates sorgen für Zündstoff.  Vertreter der Landestalsperrenverwaltung und Planer stellten das Großprojekt in einer nicht öffentlichen Ratssitzung vor, damit die Gemeindevertreter Einblick  erhalten konnten. Hinterher saß der Schock tief. So tief, dass sich der Rat entschloss, Briefe an den  Ministerpräsidenten, an den Umweltminister, an verschiedene Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie an den Landrat zu senden. 

Tenor: Ein solches Projekt findet beim  Gemeinderat keine Zustimmung! Was hier passieren soll, können wir so nicht hinnehmen. René Vetter: Das Poldergebiet Dautzschen ist als größtes Poldergebiet im Freistaat geplant und soll eine Fläche von 1 430 Hektar haben, was einem beträchtlichen Teil des Gemeindegebietes entspricht. Eingeschlossen sind zwei Ortsteile (Last, Neubleesern), die mit Ringdeichen geschützt werden sollen. Die Dimensionen des Bauwerkes wären gigantisch. Geplant sind Dämme von sechs Meter Höhe in unmittelbarer Nähe von Großtreben und Dautzschen. An der Staatsstraße S 25 sollen mindestens drei Meter hohe Spundwände entstehen! Der Bürgermeister ist vor allem enttäuscht, dass es zwar Informationen zur technischen Umsetzung gab, dass aber von politischer Seite nicht einmal das Gespräch mit den Betroffenen vor Ort zum Thema  gesucht wurde. „Man hat uns bisher überhaupt nicht einbezogen. Viele Fragen stehen völlig unbeantwortet im Raum“, bemängelt Vetter. Er weist darauf hin, dass Hochwasserschutz nach dem Deichbruch 2002 ein sehr sensibles Thema in Dautzschen sei. Wenn der Flutpolder so gebaut würde, hätte das eine Entwertung des Grund und Bodens zur Folge. 

Das sieht auch Ortsvorsteherin Carla Pege so: „Die Wohnqualität leidet auf jeden Fall. Ich selbst lebe  gerne hier und genieße den Weitblick, den man hat. Wenn man künftig nur noch auf hohe Dämme blickt, ist das verheerend.“ 

Man könne davon ausgehen, dass kaum jemand in ein Poldergebiet ziehen will. Dabei sei gerade in den letzten Jahren ein Trend spürbar gewesen, dass junge Familien und ältere Menschen gerne wieder von der Großstadt aufs Land umsiedeln. Dass die Bauern Angst um ihre Äcker haben, sei ebenfalls nachvollziehbar. Carla Pege: „Wir haben die Landestalsperrenverwaltung zu einer Bürgerversammlung eingeladen, aber das wird wegen Corona erstmal nicht möglich sein.“ Bürgermeister Vetter ärgert sich derweil, dass es auf seine Briefe keinerlei Reaktionen gab, obwohl schon vier Wochen verstrichen sind. Lediglich Landtagsabgeordneter Volkmar Winkler teilte mit, dass ihm die geschilderten Verhältnisse so nicht bekannt waren. Er sagte Unterstützung zu. Im Rahmen eines Anhörungsverfahrens (Umweltverträglichkeit) wird die Gemeinde nun eine sechsseitige Stellungnahme bei der Landesdirektion abgeben. Problem seien auch die Auslaufzeiten. „Der Rückfluss des Polderwassers in nur sechs Tagen ist aus unserer Sicht reine Theorie. Bis die Böden wieder befahrbar und nutzbar sind, vergehen Monate bis Jahre. Welche Entschädigungen erhalten die betroffenen Landbesitzer und Bauern?“, so Vetter.

Auch das Grundwasser-Problem wurde nicht untersucht. „Mit sinkendem Flutpegel steigt der Grundwasserspiegel – dies zeigt die Praxis“, so Vetter. Mit dem geplanten Polder sei  fest davon auszugehen, dass alle  sechs Ortsteile Großtreben, Dautzschen, Last, Neubleesern, Döhlen und Rosenfeld  damit zu kämpfen hätten. „Es wurde die Maximalvariante mit dem maximal möglichen Stauvolumen gewählt. Damit müssten andere Polder in Sachsen gar nicht gebaut werden. Warum muss die Gemeinde Beilrode die Hauptlast tragen? Wir hoffen, dass es bald Gespräche mit der Landesregierung und dem Landrat gibt“, sagte Vetter. 

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