Mittwoch, 26. Januar 2022
Freitag, 10. Dezember 2021

"Oma Gutsche" verschlägt es fast die Sprache

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Die TZ und die Sparkasse ehren mit der Aktion "Nachbarn mit Herz" Menschen, die unseren Alltag bereichern und oft Gutes tun, dabei aber nie im Mittelpunkt stehen. Diesmal führte der Weg nach Weidenhain.

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Behagliche Wärme und Gemütlichkeit strahlt das Wohnzimmer von Rosemarie Gutsche beim Betreten aus.  Die Weidenhainerin lächelt, dennoch sind die Blicke fragend, als sie die Haustür öffnet und uns in die Stube bittet. „Nein, heute geht es mal nicht um den Läutedienst unserer Kirche“, sagt Sybille Mühlner. „Ich habe die Heimatzeitung mitgebracht. Wir wollen Dich ehren! Du bist immer für andere da, für Deine Tochter in den letzten Jahren besonders. In unserer Kirchgemeinde bist Du aktiv. Eine echte Nachbarin mit Herz!“  Als Nachbarin Sybille Mühlner die Worte zu ihrer Nachbarin spricht, muss die sich eine Träne aus dem Auge wischen, so gerührt ist sie. 

Inzwischen ist auch Tochter Simone dazugekommen, die seit einigen Jahren an Krebs erkrankt ist. Sie freut sich für und mit ihrer Mutter. Denn deren Fürsorge, deren Hilfe, deren Begleitung zu Ärzten und Behandlungen, bei den unterschiedlichsten Schritten dem Krebs Paroli zu bieten. Ja selbst bei den kleinen Spaziergängen an frischer Luft weicht  Mutter Rosemarie wann immer es ihr möglich ist, nicht von der Seite. Es gebe so viele Alltagsdinge in der Familie, wo die 77-Jährige eine wertvolle Stütze für die Familie der Tochter ist. 

In der Nachbarschaft wird die Weidenhainerin geachtet und geschätzt. Stets ein freundliches Wort zu anderen. Wenn jemand Hilfe braucht, greift sie einfach ein oder zu. Das schätzt man auch in der Kirchgemeinde. Dem Gemeindekirchenrat gehört sie seit 24 Jahren an und gestaltete so aktiv das Gemeindeleben mit. Obwohl schon 77-jährig, übernimmt sie immer noch Läutedienst, um die Kirchenglocke zu Gottesdiensten und anderen Ereignissen erklingen zu lassen.

Beliebt ist die Weidenhainerin auch bei den Dorfkindern. Für sie ist sie Oma Gutsche.  Den Heimweg aus der Kindereinrichtung oder vom Schulbus nehmen viele von ihnen am Grundstück der Familie vorbei. Hoffend, dass ihre Oma Gutsche im Garten oder auf dem Hof anzutreffen ist. Dann wird geschwatzt, gescherzt und Oma hat zum Abschluss immer eine Überraschung parat. Aus der Tasche von Schürze oder Jacke wird etwas Süßes geholt und an die Kinder geschenkt. „Ich freue mich, wenn die Mädchen und Jungen zu mir kommen. Sie wissen genau, dass ich immer etwas Süßes in der Schublade für sie habe. Zu Halloween war fast die ganze Dorfkinderschar hier“, so die Geehrte, die inzwischen nicht nur Oma, sondern auch Uroma in ihrer Familie geworden ist.

Die Weidenhainerin lebt gern in ihrem Ort. Im Mai 1944 in Schlesien geboren, ging die Mutter mit dem vierjährigen Bruder und ihr auf den Treck. „Ich war gerade mal acht Monate, als es uns nach Pressel verschlug“, erzählt sie. Dort wuchs sie auf. Am 1. August 1962 mit der Hochzeit wurde dann Weidenheim die neue Heimat. Viele Jahre bis zur Wende hat Rosemarie Gutsche auf den Feldern der LPG gearbeitet. Im Winter wurden Möhren für den Verkauf, den Handel oder die Gastronomie geputzt. Ab und an im Stall ausgeholfen. Nicht nur die Hände sind davon gezeichnet.

Dennoch kann es Rosemarie Gutsche nicht lassen, zu gärtnern. „Man sagt mir nach, dass ich einen grünen Daumen habe“, sagt sie. Vom Haus bis zum großen Garten ist die 77-Jähre fast jeden Tag unterwegs. Nur jetzt, wo die Winterfurche schon lange liegt, sieht man sie so seltener mit dem Rad durch das Dorffahren. „Da wurde ich letzten gefragt, ob ich krank war, weil es keinen Anlass gab.“ In der Gartensaison sei das anders, da gebe es jeden Tag etwas zu tun, um beispielsweise Tomaten, Gurken, Kartoffeln und anderes mehr für den Eigenbedarf und den der restlichen Familie zu ernten und weiter zu verarbeiten oder für den Winter haltbar zumachen. Apropos Gemüse. Rosemarie Gutsche hat sich im Laufe der Jahre zur Tomatenexpertin entwickelt. Besonders Fleischtomaten haben es ihr angetan. Die bringen bei ihr locker 800 Gramm auf die Waage. Davon werden verschiedene Sorten herangezogen. Was von den Jungpflanzen nicht gebraucht wird, verschenkt sie in der Nachbarschaft, eine Nachbarin mit Herz eben.

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