Donnerstag, 20. Januar 2022
Dienstag, 14. Dezember 2021

Der Fußballheld aus Torgau im DDR-Fußballmuseum

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Der Wahl-Torgauer Ronald Kreer (62) bestritt als Außenverteidiger 65 Partien in der DDR-Nationalmannschaft, davon die letzten sechs als Kapitän. Das war in den 1980er-Jahren. Die Erinnerungen daran wurden jüngst wieder lebendig, als er mit Freunden das private DDR-Fußballmuseum von Uwe Sturm besuchte.

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Der Ex-Fußballnationalspieler und Wahl-Torgauer Ronald Kreer hat mit Freunden ein Fußballmuseum besucht. Das stand schon einige Zeit auf dem Plan des 62-Jährigen, der in der höchsten Spielklasse des DDR-Fußballs, der Oberliga, für den 1. FC Lok Leipzig spielte. Beim damaligen Europapokalfinalisten zählte er in den 1980er-Jahren zu den prägenden Akteuren. Der Außenverteidiger bestritt 65 Partien in der DDR-Nationalmannschaft, die letzten sechs als Kapitän. Heute arbeitet Ronald Kreer im Torgauer Auto Center. 

Fußball spielt immer dann noch eine große Rolle, wenn er sich vor allem mit einstigen Sportkameraden trifft oder an Treffen von Traditionsmannschaften teilnimmt. Bei so einem Treffen lernte Kreer Uwe Sturm  kennen. Dessen privates Fußballmuseum befindet sich nur rund 30 Autominuten von Torgau entfernt in Gossa in der Gemeinde Muldestausee (Dübener Heide).  

Eigentlich sammelt „Sturmi“ schon immer Fußball-Fanartikel. Als Jugendlicher jagte er dem Ball hinterher, sollte sogar Kader des Halleschen FC werden. Wenn es bei Turnieren Gläser oder Wimpel gab, wanderten diese ins Regal. Aus der Profikarriere wurde nichts, dafür wurde die Sammelleidenschaft immer größer. Anfangs  stellte er seine Schätze in der Wohnung zur Schau, später im Haus, das er von der  Oma übernahm. Als er in das später einzog, baute er sich mit Freunden im Garten 2019 sein DDR-Fußball-Museum. 

Auf 65 Quadratmetern wird hier die Historie des DDR-Fußballs lebendig. Die ganzen Trikots ohne Werbung, die man als Sportfan aus der DDR-Zeit kennt – hier sind sie ausgestellt. Das Highlight – ein Netztrikot von Stahl Riesa, von dem es vermutlich nur noch zwei oder drei Stück gibt. Die Vielzahl der Vereine verrät, dass„Sturmi“ den Fokus  auf den ganzen Ostfußball legt. Natürlich findet man bei einem Besuch auch Trikots von Lok Leipzig. Ronald Kreers Unterschrift befindet sich  auf einem, das sogar gerahmt ist. „Ein einziger Verein wäre für mich zu langweilig“, sagt „Sturmi“, wie ihn seine Freunde, Fans und vor allem „Fußballverrückte“ nennen dürfen. Wie bei den Trikots gibt es  in seiner Gläsersammlung einzigartige Exponate. Sturm erklärt: „In jeder Mannschaft war ein Spieler für die Fanartikel zuständig, so wie ein anderer für das Aufpumpen der Bälle. Wenn es ein Jubiläum gab, fuhren sie nach Weißwasser und gaben Gläser in Auftrag, die besonders bedruckt wurden. So kamen Unikate zustande.“ Die Regale und Vitrinen zieren ebenso seltene Deckelvasen und Ehrengaben –, Plakate und Wimpel die Wände. Besondere Fanartikel sind ein Dynamo-Berlin-Stadionkissen oder ein Schwimmkissen von der BSG Stahl Riesa. „Die DDR war der größte Fanartikel-Exporteur der Welt“, weiß Sturm.

Der Gossaer entdeckt seine Schätzchen bei Ebay oder auf dem Flohmarkt – wie ein Paar DDR-Torwarthandschuhe. In erster Linie hilft ihm aber ein jahrelang gepflegtes, weltweites Netzwerk und der gute Draht zu den Legenden. Und wer von den Ost-Fußballlegenden zu ihm kommt, den bittet er, etwas aus seinem Fundus mitzubringen. „Sturmi“i kennt sie so fast alle persönlich, denn in  Kickerkreisen sprach sich schnell herum, dass es da einen fußballverrückten Ostalgiker gibt, dessen Sammlung man unbedingt ansehen muss. 

Im Jahr 2017 wurde „Sturmi“ zu einem Spiel der DDR-Traditionsmannschaft eingeladen, nicht als Zuschauer, sondern als Spieler. „Beinahe hätte ich selbst ein Tor gemacht, aber ich war so nervös, dass ich dem Torwart den Ball mitten in den Bauch schoss“, sagt Sturm und muss lachen. Das verpasste Tor macht den Nationalmannschaftseinsatz nicht minder unvergesslich, an dem Tag ging für „Sturmi“ ein Traum in Erfüllung. Für viele Fans ist der Besuch in der Gemeinde Muldestausee nichts anderes: ein Traum. 

Traumstunden seines Sammlerlebens erlebte „Sturmi“, als er durch verschiedene Glücksumstände das Protokoll aus der DDR-Kabine vom WM-Spiel DDR–BRD 1974 erhielt. Alle Spieler haben die Mannschaftsaufstellung und Joachim Streich den Zeitpunkt des Torschusses  darauf unterschrieben. Auch ein Pokal, den der BFC Stasi-Chef Mielke schenkte, landete vom Schreibtisch über Mielkes Sohn im Museum. 

Viele Sammler behalten ihre Exponate für sich, „Sturmi“ macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Vielleicht werden die Stars des DDR-Fußballs gerade dadurch ermutigt, ihre aufbewahrten Andenken an die Sportkarriere in Gossa abzugeben.  

Für das nächste Jahr planen Sturm und seine Freunde ein Treffen der Ehemaligen des 1. FC Lok Leipzig in Gossa. Ronald Kreer wird das unterstützen und natürlich dabei sein. 

Übrigens, es gibt keine festen Öffnungszeiten bei „Sturmi“, der beruflich Mehrfachbehinderte betreut. Man muss lediglich Kontakt mit ihm aufnehmen, am besten per E-Mail.

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