Mittwoch, 26. Januar 2022
Donnerstag, 16. Dezember 2021

"Sie hat es wirklich verdient!"

Loritta Pfeil mit Präsentkorb, daneben Wolfhard Reichelt und Gislinde Tetzlaff. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Seit Jahren engagiert sich die Döbrichauerin Loritta Pfeil für die Kirche im Dorf. Jetzt wurde die Rentnerin als Nachbarin mit Herz von der TZ geehrt. Ihren Mitstreitern gelang es, Loritta Pfeil zu überraschen. 

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Es ist nicht einfach, Loritta Pfeil zu überraschen. Die Döbrichauerin möchte auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen. Und eine Auszeichnung kommt schon mal gar nicht in Frage, ließ sie bereits im Vorfeld verlauten. Das sei nicht das, was sie mit ihrer Arbeit bezwecke.

Also mussten sich ihre Mitstreiter etwas Besonderes überlegen, damit die Ehrung „Nachbarin mit Herz“ gelingt. Denn diesen Titel hat sich die 69 -Jährige redlich verdient. Da sind sich alle im Dorf einig. Unter einem Vorwand wurde Loritta Pfeil am Dienstagnachmittag in die Kirche bestellt. Und genau dort erfolgte dann die würdige Ehrung für die verdienstvolle Döbrichauerin.

Gislinde Tetzlaff, Wolfhard Reichelt und TZ-Redakteur Nico Wendt übergaben den Nachbar-mit-Herz-Pokal und einen gut gefüllten Präsentkorb. Wegen Corona wurde der Personenkreis absichtlich klein gehalten und nur für das TZ-Foto durfte der Mund-Nasenschutz für einen kurzen Moment abgenommen werden. Die Freude war dennoch groß. Gislinde Tetzlaff und Wolfhard Reichelt sprachen das Dankeschön aller Döbrichauer aus, die vom Engagement der Rentnerin angetan sind.

Dass sich das Kirchengrundstück und der Friedhof heute in diesem ansehnlichen Zustand präsentieren, liegt vor allem am Einsatz der frisch gebackenen Nachbarin mit Herz. Seit 1994 ist Loritta Pfeil auf besondere Art und Weise mit dem Gotteshaus verbunden. Damals stand für sie im Rahmen einer ABM-Stelle die Aufgabe, nach finanziellen Mitteln Ausschau zu halten, so dass das Gebäude eventuell saniert werden kann.

Klingt einfach, war aber eine Mammutaufgabe. Denn im Grunde genommen glich die Kirche einer Ruine. Alles wirkte verfallen, Jahrzehntelang war nichts gemacht worden. Sogar das schlimme Wort „Abriss“ machte im Dorf die Runde. Selbst der damalige Pfarrer runzelte die Stirn und mutmaßte, dass es wohl kaum gelingen werde, das ehrwürdige Gemäuer zu retten.

Wahrscheinlich aber fühlte sich Loritta Pfeil gerade durch diese Prognosen besonders angestachelt. Und mit ihr zahlreiche Spender und Sponsoren in der Gemeinde. Eindrucksvoll gelang es danach, die 70 000 D-Mark Eigenmittel zusammen zu bekommen und in den Jahren 1995 bis 1998 einen Wiederaufbau für rund 500 000 D-Mark zu stemmen. Loritta Pfeil – bei der die Fäden zusammen liefen – war stolz und blieb dran. Denn ständig gab es neue Aufgaben, Herausforderungen, Pflege- und Instandsetzungsarbeiten.  Was ging, erledigte sie selbst. Bei den anderen Dingen bewies die Döbrichauerin ihr Organisationstalent.

„Alles läuft über Loritta. Es ist auch gut, dass sie immer so ruhig bleiben kann. Ich wäre schon hundert Mal durch die Decke gegangen. Aber unsere Loritta geht auch noch zum elften Termin, wenn sie vorher schon zehn Mal versetzt wurde“, lacht Gislinde Tetzlaff. Und Wolfhard Reichelt pflichtet bei: „Ganz toll, wie sie das immer hinbekommt und alles managt. Der Einweihungsgottesdienst, die Konfirmation und der Erntedankes-Gottesdienst  in diesem Jahr waren echte Höhepunkte.“ 

Die Friedhofspflege und die Friedhofsverwaltung liegen in den Händen von Loritta Pfeil. „Sie hält das Soldatengrab sauber, bringt Wege in Ordnung, harkt das Laub, gießt im Sommer, mäht den Rasen, schneidet die Hecke und bewässert die Grabanlage“, zählt Wolfhard Reichelt auf. Auch das Ausbessern des Zaunes habe sie veranlasst. Und die nächsten Ziele seien schon klar abgesteckt: Ein barrierefreier Zugang zur Kirche soll noch geschaffen werden und ein besonderer Sandstein mit Inschriften, der auf einem privaten Grundstück entdeckt wurde, soll noch seinen Platz am Eingang finden.

Loritta Pfeil, die sich bei der Ehrung am Dienstag sichtlich gerührt zeigte, wollte aber nicht das gesamte Lob für sich in Anspruch nehmen: „Natürlich ist es als Einzelperson ohne Hilfe nicht zu schaffen. Hinter mir stehen die Mitglieder des Kirchenvorstandes und noch andere freiwillige Helfer, die ebenfalls kräftig mit anpacken“, betonte die gelernte Agraringenieurin für Pflanzenzüchtung, die viele Jahre in Bernburg und später bei der LPG Zwethau (T) gearbeitet hat. Gerade nach einem Bandscheibenvorfall und einer Knie-OP sei sie auf Unterstützung angewiesen. Trotzdem freue sie sich über die Anerkennung, so ihre Worte am Dienstag. 

Loritta Pfeil ist verwitwet, hat eine Tochter und einen Enkel (13) und war mehrere Jahre Ortsvorsteherin in Döbrichau. Ihr größtes Hobby ist neben der Kirche der Garten auf dem privaten Grundstück, das sie gemeinsam mit der Familie bewohnt.

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