Donnerstag, 20. Januar 2022
Sonntag, 26. Dezember 2021

"Torgau Nordwest wird immer ein Brennpunkt sein"

Romina Barth, Oberbürgermeisterin in Torgau.

von Nico Fliegner

Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (38, CDU) über die Stadtentwicklung, Vandalismus, die Landesgartenschau und ob sie im nächsten Jahr erneut kandidiert

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Torgau. Die Vorbereitung der Landesgartenschau hat Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth in diesem Jahr am meisten beschäftigt. Im Interview blickt die CDU-Politikerin zurück und erzählt, welche Herausforderungen im neuen Jahr anstehen, auch mit Blick auf die Oberbürgermeisterwahlen.

Frau  Barth, welches der drei folgenden Worte trifft auf 2021 am ehesten zu: arbeitsintensiv, herausfordernd oder gewinnbringend?

Herausfordernd.

Können sie das kurz erklären?

Man musste immer wieder flexibel reagieren, egal welche Bereiche das betraf. Ob das unsere Baustellen waren, ob es Corona war. Von daher war es für jeden, auch mental, ein sehr herausforderndes Jahr – positiv wie auch negativ.

Wie sehr hat sich gerade die Pandemie auf Ihre Arbeit und die Ihres Rathaus-Teams ausgewirkt?

Die Pandemie spielte eine große Rolle im Alltag. Wir mussten uns immer wieder an die Beschränkungen anpassen. Ich kann aber positiv anmerken, dass wir einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung gegangen sind, obwohl ich damit immer noch nicht zufrieden bin, aber diesen positiven Aspekt hat das Rathaus auf jeden Fall mitgenommen.

Was können Sie auf Ihrer To-Do-Liste für 2021 abhaken?

Das betrifft sehr viele Bereiche, zum Beispiel der Abriss des Schlachthofes, ABT-Gelände und Bahnhofes. Jetzt stehen wir kurz vor der Wiedereröffnung. Weitere Bauprojekte, die angeschoben oder beendet wurden. Das Baugebiet an der alten Festwiese, der Stadtstrand, auch die Entwicklung von Torgau Nordwest und einige Stellen, die wir da neu besetzen konnten. Die weitere Sanierung des Brückenkopfes. Also es gab schon viele Bereiche, wo wir einen Haken dran machen konnten. Letztlich muss man aber sagen, es hat alles viel länger gedauert als man das im Vorfeld erwartet hatte, auch pandemiebedingt, weil viele Ämter nicht besetzt waren, auf deren Zuarbeit man angewiesen war.

Sie sprachen gerade den neuen Bahnhof an. Wie sieht es da konkret aus?

Hier hatten wir einige Lieferverzögerungen im Innenausbau. Das betraf vor allem die Ladeneinrichtung. Wir gehen aber davon aus, dass die Baustelle im Februar, spätestens März abgeschlossen sein wird. Ich bin ganz zuversichtlich: Mit dem Start der Landesgartenschau im April wird auch das Bahnhofgebäude in Betrieb sein.

Neben den Baustellen im wörtlichen Sinn ist Torgau Nordwest eine Baustelle. Mit Blick auf Ordnung und Sicherheit dort: Sind Sie da weitergekommen?

Statistisch gesehen, also wenn wir die Auswertung der Polizei heranziehen, haben wir eine deutliche Besserung erreicht. Und auch die gefühlte Ordnung und Sicherheit hat einiges Gewinnbringendes gehabt, verbunden mit vielen finanziellen und personellen Ressourcen.

Was muss man sich darunter vorstellen, wo lagen die Probleme?

Die Ordnung und Sicherheit und die Kommunikation mit einzelnen Vermietern und Eigentümern, die deutlich verbessert werden musste. Und auch die Vernetzung der sozialen Akteure, bei der wir auf einem guten Weg sind, die aber noch nicht zufriedenstellend ist. Die Auslastung vom Stadtteiltreff wird derzeit noch mal überarbeitet.  Und was mir immer noch Bauchschmerzen bereitet, ist die nicht besetzte Streetworkerstelle.

Torgau wird nächstes Jahr die Landesgartenschau ausrichten. Was gibt es noch zu tun bis zum Start?

Viel, wirklich. Der Wegebau wird weitgehend im April abgeschlossen sein. Derzeit wird fleißig am Streichelzoo und Beachvolleyballplatz, der Beach-Bar und auf dem Schlachthofareal gearbeitet, der Festplatz werden soll. Das sind Baustellen, auf denen es zügig weitergehen muss.

Und Sie schaffen das bis zum Start am 23. April?

Davon gehe ich aus. Wir werden das  gemeinsam mit unseren Mitarbeitern und Bauunternehmen schaffen.

Wenn aber nun doch etwas nicht fertig werden sollte?

Der Großteil wird definitiv fertig sein. Sollten minimale Teile nicht rechtzeitig fertig sein, werden wir trotzdem eröffnen. Dann gibt es für diesen kleinen Teilbereich eine Interimslösung. Das tut dann aber keinen Abbruch.

Es gab ja einige Rückschläge durch mutwilligen oder auch nicht mutwilligen Vandalismus. Wie sehr hat Sie das geärgert?

Unabhängig von der Landesgartenschau ärgert mich Vandalismus immer. Die Achtung vor dem Eigentum anderer hat maßgeblich abgenommen. Der Respekt und Anstand in vielen Teilen ist gesunken. Das ärgert mich und hat zur Folge, dass wir in eine größere Überwachung gehen müssen, was einfach nicht sein müsste. Es kann nicht das Ziel sein, dass wir öffentliche Plätze oder Spielplätze mit Video überwachen müssen.

Was wird Ihr persönliches Highlight auf der Laga sein?

Ich glaube jede einzelne Veranstaltung. Mich freut immer noch besonders, dass wir es geschafft haben, diese Infrastruktur, die geschaffen wird, als nachhaltige Infrastruktur für Torgau zu erhalten. Wenn ich mir die neuen Glacis-Wege anschaue, dieser große Kranich, der Sport- und Freizeitpark, die Skateranlage oder der Streichelzoo – da bin ich heute schon Fan davon, den Leuten zuzugucken. Das sind so Dinge, die ich dann für Torgau nicht mehr missen möchte.

Anderes Thema: Was wird 2022 wichtig für Torgau?

Die weitere Entwicklung unserer Stadt, wofür ein integriertes Stadtentwicklungskonzept die Grundlage sein wird. Der Klimawandel, die Digitalisierung, das sind Aspekte, die im Zuge der Landesgartenschau bislang zu kurz gekommen sind. Torgau Nordwest wird immer ein Brennpunkt sein. Wir müssen dort weiter mit den sozialen Akteuren kommen und die EU-Bürger integrieren. Dabei spielt auch der Gesamtumbau des Stadtteiles eine Rolle. Aber auch die Einbindung der anderen Ortsteile und deren Entwicklung bis hin zur Schaffung von neuen Bauflächen für Eigenheime wir uns beschäftigen und die Sanierung der städtischen Gehwege.

In Gemeinden westlich von Torgau gibt es Zuzug von jungen Familien, die dort Häuser bauen. Spüren Sie das auch in Torgau?

Ganz deutlich. Bei uns in der Wirtschaftsförderung kommen nahezu täglich Telefonate an, wo die Leute nach Bauplätzen fragen. Wir müssen jetzt schauen, wo wir als Stadt in diesem Bereich weiter aktiv werden können. Innerstädtisch haben wir momentan keine Flächen in unserem Eigentum, in den Ortsteilen haben wir eine Prioritätenliste erstellt, wo noch Bauplätze möglich sind, die mit einem Bebauungsplan entstehen können. Da ist gerade Mehderitzsch ganz vorn dabei. Der Bedarf ist da. Die Familien wollen hier bleiben, sie haben einen Kita-Platz und eine gute S-Bahn-Anbindung. Das freut uns.

Wie sieht die finanzielle Situation der Stadt Torgau aus?

Ein kommunaler Haushalt ist immer angespannt. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen von Bund und Land sollte einfach besser sein. Den gewünschten und versprochenen Bürokratieabbau merken wir überhaupt nicht. Es ist eher so, dass es mit sämtlichen Fördermittelanträgen schwieriger wird. Dennoch sind wir in Torgau echt kreativ und versuchen mit den wenigen Eigenmitteln maximale Fördermittel zu generieren, um die Stadt weiter zu entwickeln. Und da ist auch die Landesgartenschau ein gutes Beispiel: Hier erhalten wir circa 80 Prozent Fördermittel und setzen 25 Millionen Euro um. Das ist schon eine Hausnummer. Und das muss uns erstmal jemand nachmachen.

Im neuen Jahr stehen auch Oberbürgermeisterwahlen an. Können die Torgauer mit Ihnen rechnen?

Wissen Sie, ich will die Weihnachtszeit einfach nutzen, um das mit meiner Familie zu besprechen und danach bespreche ich das gerne mit der Torgauer Zeitung.

Als Sie vor sieben Jahren angetreten waren, ging es im Wahlkampf auch um die Belebung der Innenstadt. Was hat sich da getan?

Wir haben besser kommuniziert, es gab die regelmäßigen Händlerstammtische und wir haben versucht, durch unterschiedliche Aktionen für eine Belebung zu sorgen. Das beste Beispiel sind die regelmäßigen Abendmärkte. Ich bin auch zuversichtlich, dass wir mit der neuen Innenstadtmanagerin Stefanie Stramm doch einiges erreichen werden. Ich setze auch hier auf die Landesgartenschau. Wir wollen die Gäste bewusst auch in die Innenstadt führen. Wir werden bis April beim Leerstandsmanagement einiges verbessern, sodass auch die leeren Schaufenster belebt sind.

Was wünschen Sie den Torgauern fürs neue Jahr und welchen Wunsch haben Sie an Ihre Mitbürger?

Ich wünsche allen Gesundheit und Zuversicht, dass es wieder andere Zeiten geben wird, in denen wir in Gesellschaft miteinander Zeit verbringen. Und von den Torgauern, dass wieder mehr Respekt unter den Menschen herrscht und wir uns nicht spalten lassen. Da ist jeder einzelne gefragt.  

 Interview: Nico Fliegner

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