Donnerstag, 20. Januar 2022
Sonntag, 2. Januar 2022

Torgauer Hafen kommt auch 2021 nicht in die Pötte

von unserem Redakteur Nico Wendt

Im ganzen Jahr wurde nur ein Schiff abgefertigt. Betreiber SBO in Dresden hofft, dass intensive Bemühungen endlich bald Früchte tragen.

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?Der Torgauer Hafen kommt nicht in Fahrt. Auch im zurückliegenden Jahr 2021 sieht die Bilanz für den Standort sehr bescheiden aus. So gab es nur ein einziges Schiff, dass in den zwölf Monaten hier abgefertigt wurde. ?Das hat Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, auf TZ-Anfrage bestätigt. 

Recht überschaubar 

Entsprechend überschaubar blieb  auch die Frequenz der Hafenbahn. 

Man merkt, dass diese Tatsache mittlerweile  als äußerst ärgerlich in Dresden empfunden wird. Sämtliche Versuche, den Torgauer Hafen nach der millionenschweren Sanierung wieder in die Spur zu bringen, sind bis jetzt gescheitert. 

Dabei hätte man zwischenzeitlich Optimismus verspürt, als die Verhandlungen mit einem großen Holzhändler recht gut verliefen. Aber der habe sich dann – so Heiko Loroff – doch gegen den Hafen und für ein Verladen des Holzes in der Region entschieden. So lag der Fokus bei  Düngemitteln. Mitte Februar rollte ein Güterzug durch die Torgauer Innenstadt und sorgte für Aufsehen. Oft kommt es ja nicht vor, dass Autofahrer im Bereich Dahlener Straße, Südring und Dr.-Külz-Ufer unvermittelt bei Rot stoppen müssen. Die rund 1200 Tonnen Düngemittel  von der tschechischen Firma Lovochemie wurden mit der Eisenbahn nach Torgau gebracht und sollten eigentlich per Schiff weitertransportiert werden. Aber aufgrund des Eisganges auf der Elbe klappte das nicht. So wurde der Güterzug zwei Tage lang im Torgauer Hafen entladen und die Fracht auf zahlreiche Lkw verteilt. 

Schließlich gab es im Juli noch einmal Bewegung auf dem Areal. Durch den sinkenden Elbepegel musste die MS „Silja“ geleichtert werden, um die Fahrt flussabwärts fortsetzen zu können. Es wurden 300 Tonnen Düngemittel von der „Silja“ auf die MS „Albis“ umgeladen. In den übrigen Wochen des Jahres stand die Technik im Hafen, darunter der neue hydraulische Portalkran aus Finnland, aber still. Das Personal ist an den anderen Standorten tätig.

Hohe Frachtkosten 

Heiko Loroff verweist darauf, dass sich vieles in der Logistik-Branche verändert habe, was der Situation in Torgau nicht unbedingt zuträglich sei. Hohe Sprit- und Personalkosten führten  zu hohen Frachtkosten. In der langen Zeit der Hafensanierung seien  zahlreiche Großkunden abgesprungen und hätten sich neu orientiert. Zudem  habe die Deutsche Bahn bis heute keine Güterverkehrsstelle in Torgau  ausgewiesen. Das heißt, dass man den Umschlag mit privaten Dienstleistern abdecken muss. Für viele Bahntransporteure gibt es den Hafen Torgau faktisch gar nicht, ärgert sich Heiko Loroff. Die Bahn-Tochter DB Cargo hatte 2016 sachsenweit 18 Güterbahnhöfe geschlossen, darunter auch  Torgau. 

Dennoch sieht sich die SBO trotz Gegenwind auf Kurs. Man sei in vielversprechenden Verhandlungen mit Neukunden, habe gute Drähte in den Großraum Leipzig, mit der IHK und der Wirtschaftsförderung geknüpft. Alle anderen Hafenstandorte der SBO könnten für 2021  gute Ergebnisse vorweisen, besser als im Jahr zuvor. „Von großen Corona-Einschlägen sind wir in der Firma verschont geblieben“, geht der Geschäftsführer auf den Personalstand ein. Selbst der Elbe-Pegel hätte keine gravierenden Probleme bereitet. Ohnehin sei man durch die trimodale Ausrichtung (Bahn/Lkw/Schiff) breit aufgestellt und könne Zeiten des Niedrigwassers  kompensieren. 

Dass die Wiederbelebung des Torgauer Hafens so schwer fallen würde, hätte man bei der Einweihung im Mai 2018 nicht erwartet. Vier Jahre dauerte der Ausbau, satte 18,6 Millionen Euro waren geflossen – unter anderem in eine neue Kaimauer, Kranbahn, Gleisanlagen, einen  25-Tonnen-Hydraulikkran und technische Ausrüstungen. Altlasten und Probleme beim Bau führten zur Kostenexplosion. Veranschlagt waren ursprünglich mal 8,5 Millionen Euro. 

Vor der Sanierung wurden 2013 in Torgau 56 Schiffe umgeschlagen, 2014 waren es nur 32. Diese Zahlen sollten sich nach der Investition vervielfachen.  Schüttgut, Stammholz, Holzpellets, Schrott, Getreide, Düngemittel, Glas etc sollte verschifft werden.

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