Donnerstag, 20. Januar 2022
Mittwoch, 5. Januar 2022

Eine Tasse Tee auf Johann Kentmann

von unserer Redakteurin Bärbel Schumann

Es kommt einer Sensation gleich: Das bedeutende "Kreutterbuch" von Johann Kentmann, ein Exemplar gehört zu den Schätzen der Sächsischen Landesbibliothek, wird im Jahr der Landesgartenschau wieder neu publiziert. Zudem gaben die Kräuter in ihm und dem Torgauer Apothekergarten Anregung für den LAGA-Tee.

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Das unikate „Kreutterbuch“ des Torgauer Stadtarztes und kurfürstlichen Leibarztes Johann Kentmann gehört mit 600 Pflanzenaquarellen  zu den bedeutendsten Pflanzenbüchern im deutschsprachigen Raum. Es wurde 1563 in Torgau fertiggestellt und ist einer der größten Buchschätze der Sächsischen Landesbibliothek, der Staats- und Universitätsbibliothek. Anlässlich der 9. Sächsischen Landesgartenschau in diesem Jahr in Torgau wird es erstmals komplett in einem Nachdruck publiziert.  Manche der darin enthaltenen Kräuter  sind im Apothekergarten Torgaus zu finden. 

Nach einem stressigen Tag mit Schmuddelwetter brüht man sich gern eine Tasse Tee auf, um zur Ruhe zu kommen. Im Jahr der Landesgartenschau in Torgau könnte man da zum Kentmann-Apothekergartentee greifen, der extra durch Apotheker Dr. Philip Brandt anlässlich der Gartenschau kreiert wurde. Den Tee gibt es unter anderen in der Stadtapotheke und im Torgauer Informationscenter im Rathaus. Die Kräuter des Tees – es sind Passionsblumenkraut, Melissenblätter, Hopfenzapfen, Lavendel- und Malvenblüten – sind bewusst gewählt. Denn sie sind auch im „Kreutterbuch“ von Johann Kentmann zu finden, das der Torgauer Stadtarzt und kurfürstliche Leibarzt 1563 in Torgau für den Sächsischen Kurfürsten August I. anfertigte. 

Das Buch zählt zu den größten Buchschätzen Sachsens. Eng mit diesem Buch verknüpft ist der Torgauer Apothekergarten an der St.- Marien-Kirche. „Das ist ein geschichtsträchtiger Ort und in der  Form einzigartig in Deutschland“, erklärt Dr. Harald Alex, Pflanzenexperte und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Landesgartenschau. Darin festgehalten sind 600 Pflanzenarten, von denen zwischen 300 und 400 der Torgauer Maler David Redtel auf Wunsch Kentmanns als farbige Aquarelle für den Band anfertigte. Die Vorlagen für die Zeichnungen stammten aus den Gärten des Mohrenapothekers Joachim Kraich. Er baute im 16. Jahrhundert  eine große Grünanlage vor dem Leipziger Tor aus.  Doch diese existiert nicht mehr. Die Familie Dr. Hancke baute nahe der Marienkirche einen Apothekergarten zur Erinnerung an den renaissancezeitlichen großen Kräutergarten von Joachim Kraich und dem damit verbundenen „Kreutterbuch“ von Johann Kentmann nach dem Vorbild des Botanischen Gartens von Padua wieder auf. Hier wurden Pflanzen gesammelt und zur Nutzung in der Heilmedizin überprüft.

„Der große Kräutergarten von Kraich gehörte zur damaligen Zeit zu den vier besten im deutschsprachigen Raum. Jedoch wurde er während des Dreißigjährigen Krieges beschädigt, nur die Anlage innerhalb der Stadtmauern existiert bis heute“, führt Alex aus. „Der Garten ist somit ein Beweis für die über 500-jährige Gartengeschichte der Großen Kreisstadt und darüber hinaus bedeutendes Zeugnis für die Geschichte der Arznei- und Apothekergärten, die in der Entwicklung der Gartenkunst eine wichtige Rolle spielten, aber nur selten erhalten sind.“ Auf den Pflanzenbestand des Mohrenapothekers griff nicht nur er selbst zurück, sondern eben auch Kentmann: „Mit den lebenden Pflanzenexemplaren aus dem Kräutergarten, seinen Pflanzendarstellungen von 1549, die er während des Studiums in Italien angefertigt hatte,  und vielen in der freien Natur wachsenden Wildpflanzen war es ihm möglich, das ,Kreutterbuch‘ zu verfassen. Dieses wird seitdem als Unikat im Tresor der Sächsischen Staatsbibliothek in Dresden aufbewahrt und ist von unschätzbarem Wert.“ Durch die Aquarelltechnik der Pflanzenbilder sei eine einmalige, realistische Darstellung gelungen, welche die Betrachter noch heute fasziniere, schwärmt Alex. „Leider war es damals nicht möglich, die Bilder zu vervielfältigen und große Auflagen des ,Kreutterbuches‘ herzustellen. Bis heute ist lediglich 2003 anlässlich der Sächsischen Landesausstellung in Torgau ein Buch mit 38 ausgewählten Bildern erschienen. Erst in jüngster Zeit konnten die Pflanzendarstellungen durch die digitale Erfassung des Kentmann-Bandes in den letzten Jahren ausgewertet werden. Sogar Wissenschaftler von der Universität in Cambridge und in Zürich haben sich mit den Bildern beschäftigt und sie mit denen des Schweizer Botanikers Conrad Gessner verglichen.“ Wissenschaftler stellten fest, dass in dem Kentmann-Buch einige Pflanzenarten erstmals erwähnt wurden. 

Nun soll anlässlich der 9. Sächsischen Landesgartenschau das Pflanzenbuch der Renaissancezeit erstmals vollständig in einem Nachdruck publiziert werden. „Im Frühjahr wird es im Hochformat DIN A4 im Vierfarbendruck erscheinen“, freut sich Dr. Harald Alex, der Herausgeber ist. Alle 600 Aquarelle werden darin zu finden sein. Darunter befinden sich auch zahlreiche Kräuter, wie die im Landesgartenschau-Tee verwendeten.

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