Donnerstag, 20. Januar 2022
Dienstag, 11. Januar 2022

Ingolf Gläser: "Wer verwest schon gern?"

Ingolf Gläser vor dem alten Gerätehaus der Belgeraner Feuerwehr. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern-Schildau. Der ehemalige Amtsverweser spricht im TZ-Jahresinterview unter anderem über das Gefühl, jetzt ein richtiger Bürgermeister zu sein.

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Diese Einladung kam dann doch ein wenig überraschend: Am Ende des großen Jahresinterviews mit der Torgauer Zeitung bat Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) TZ-Redakteur Christian Wendt von seiner Amtsstube hinüber zum Gerätehaus der Belgeraner Feuerwehr. Die Nachricht, die er hier bereithielt, sorgte zumindest schon auf Leitungsebene der Feuerwehr für Erleichterung. Doch bevor das Geheimnis rund ums Gerätehaus gelüftet wurde, gab Gläser im Rathaus einen Ein- und Ausblick – nicht nur auf die klammen Finanzen, die den Roland Gneisenau nicht gut schlafen lassen.

Herr Gläser, der Titel Amtsverweser gehört für Sie seit dem 1. Januar zur Geschichte. Wie fühlt es sich an, jetzt ein richtiger Bürgermeister zu sein?

Ob nun als Amtsverweser oder Bürgermeister – meine Aufgaben sind die gleichen geblieben. Nur muss ich schon zugeben, dass ich froh bin, nicht mehr als Amtsverweser angesprochen zu werden. Allein schon der Klang des Worts ist übel. Wer verwest schon gern... Ich bin frohen Mutes für das Jahr 2022.

Nanu, so euphorisch? Und das bei der angespannten Haushaltslage Ihrer Kommune...

Bange machen gilt nicht. Ein sehr schwieriges, haushaltsloses Jahr liegt hinter uns. Jetzt müssen wir im Stadtrat mit klugen Entscheidungen dafür Sorge tragen, dass uns dies 2022 nicht wieder passiert.

Aber die Verwaltung sollte doch nach Meinung Ihrer Stadträte reichlich kluge Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung unterbreiten... 

Hat sie ja auch. Und wir sind seit Ende des vergangenen Jahres bereits auf einem guten Weg. Ich erinnere nur an die Erhöhung der Hebesätze...

... die erstaunlich reibungslos über die Bühne ging. Gab es im Nachgang auch kritische Stimmen?

Ob Sie’s glauben wollen oder nicht – bislang nicht. Fairerweise muss man aber sagen, dass die mit riesengroßer Mehrheit im Stadtrat getroffene Entscheidung vielleicht von dem ein oder anderen noch gar nicht wahrgenommen wurde. 

Reicht die Erhöhung der Hebesätze aus, die Kasse zu füllen?

Es war zumindest ein notwendiger Schritt. Zudem haben wir  die Entgelte für die Nutzung der Bibliotheken und Museen angepasst.

Damit werden jetzt sicherlich nicht allzu viele Einnahmen generiert werden können...

Damit sicherlich nicht. Aber uns bleibt keine andere Wahl. Wir müssen sämtliche Einnahmemöglichkeiten überprüfen und – wenn nötig – anpassen. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass dies beispielsweise auch für die Campinggebühren im Schildauer Seebad gelten wird.

Im vergangenen Jahr standen die beiden Dorfgemeinschaftshäuser in Bockwitz und Mahitzschen zum Verkauf. Was hat sich hier getan?

Der Verkauf in Mahitzschen ist vom Tisch. Hier gab es mit der Volkssolidarität als Mieter noch einmal Gespräche, in denen betont wurde, dass der Treffpunkt auch weiterhin genutzt werden solle. Was Bockwitz betrifft, stehen wir noch immer am Anfang. Auf die Ausschreibung gab es keinerlei Reaktionen. Doch will ich es nicht bei der einen Ausschreibung belassen. Gelingt es uns nicht, das Gebäude zu veräußern, muss letztlich auch ein Abriss der maroden Bausubstanz ins Auge gefasst werden. Problem ist, dass auf dem Haus noch die Feuerwehrsirene montiert ist, deren Wartung von Jahr zu Jahr schwieriger wird.

Schwierigkeiten gibt es aktuell mit der Besetzung der Belgeraner Fähre. Nun hatte es der Abschied von Fährmann Werner Ruben sogar bis in die Tagesthemen der ARD geschafft. Gab es darauf eine Reaktion?

Wenn man so will gab es gleich mehrere Reaktionen. Drei Interessenten hatten sich  bei uns gemeldet. Zusätzlich gibt es eine Anfrage, ob und wie die Fähre mit Hilfe eines Vereins das Übersetzen künftig absichern kann.

Wie ernsthaft sind diese Anfragen?

Ich gehe davon aus, dass sich die Interessenten genau darüber informiert haben.

Dann werden Sie Landrat Kai Emanuel künftig mit den vier Buchstaben ÖPNV verschonen?

Das glaube ich nicht. Die Fähre ist nach wie vor eine wichtige Verbindung zwischen Belgern und Ostelbien. Unsere Kommune mit den Kosten allein im Regen stehen zu lassen, finde ich nicht fair. Ich bin mir sicher, dass  auch viele andere Stadträte diese Meinung vertreten.

Die Fähre liegt bis auf Widerruf auf Tauschwitzer Seite fest. Wie fest genau?

Seit der vergangenen Woche ist sie zusätzlich gesichert. Ein Mitarbeiter unseres Bauhofs, der zum Glück aus Ostelbien kommt, überprüft alles mindestens drei Mal pro Woche.

Was war Ihr persönliches Highlight im Jahre 2021?

Ganz klar die Bürgermeisterwahl! Mit diesem für mich doch recht klaren Ausgang habe ich nicht gerechnet.

Worauf hätten Sie 2021 gerne verzichtet?

Auf die haushaltslose Zeit, die uns allen schwer zu schaffen machte.

Wieso? Es ging doch auch ohne Haushaltsbeschluss...

Was ging denn schon? Bis auf dringende Reparaturen wie bei der Tauraer Feuerwehr war nicht viel möglich. 

Sie legten bereits am 12. Juli als Amtsverweser den Amtseid ab. Reichte das halbe Jahr für die Einarbeitung auf dem Bürgermeisterstuhl?

Die Einarbeitung ist noch immer eine Herausforderung. Als Rathauschef einer mit knapp 8000 Einwohnern vergleichsweise kleinen Kommune hat man es mit Ärger über den störenden Laubhaufen des Nachbarn bis hin zu Anfragen über Investitionen von Unternehmen zu tun. Das ist eine sehr weite Spielwiese.

Auf der doch aber auch noch ein paar Mitarbeiter der Verwaltung herumflitzen ...

Klar doch. Aber die Anfragen gehen eben oftmals direkt an mich. Und natürlich bin ich bestrebt, diesen – nach Rücksprache mit dem jeweiligen Fachdienst – auch möglichst schnell eine persönliche Antwort folgen zu lassen.  

Eine persönliche Antwort gab es offensichtlich auch in Richtung Belgeraner Feuerwehr. Was hat es damit auf sich?

Eine Antwort war das gewiss nicht, zumal noch immer nicht  klar ist, wie die Zukunft des alten Gerätehauses aussehen wird. Nachdem aber lange Zeit nicht klar war, welch ein Grundstück möglicherweise für einen Neubau in Frage kommen könnte, gibt es zumindest in dieser Frage Licht am Ende des Tunnels. Wir wissen jetzt, wo wir bauen könnten. Wohlgemerkt könnten, denn ebenso könnte es auch eine Modernisierung am alten Standort geben.

Wo könnte denn gebaut werden?

Da möchte ich  um Geduld bitten. Sicher ist aber, dass eine Fläche am Schlachthof aus dem Rennen ist. Jener Standort wäre zu weit weg, um Ausrückezeiten einhalten zu können.

Wann könnte mit dem Bau begonnen werden?

Auch das steht noch nicht fest. Erst einmal brauchen wir Fördermittel. Weil aber in diesem Jahr bereits mehrere Gerätehäuser im Landkreis gebaut werden, bin ich sogar froh, von dem kleinen Kuchen nicht auch noch etwas  nach Belgern  holen zu müssen.

Keine Angst, dass die Fördermittelquelle Freistaat versiegt?

Der Investitionsbedarf in den Brandschutz ist enorm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier der Hahn plötzlich zugedreht wird und Kommunen diese Lasten aus eigenen Kräften schultern sollen.

Worauf darf sich der Roland Gneisenau in diesem Jahr freuen?

Unter anderem sollen in Belgern die Fassade des Oschatzer Tors und in Schildau das Areal auf dem Schildberg erneuert werden. Die beiden Leader-Projekte sind mit Eigenmitteln untersetzt, die wir aus der vom Freistaat gewährten Pauschale für den ländlichen Raum nehmen. Nicht vergessen werden darf man natürlich die Eröffnung der Evangelischen Grundschule in Belgern.

Sehr oft wurde mit Blick auf die staatliche Grundschule in Belgern von einer schwierigen Konkurrenzsituation gesprochen. Davon ist aktuell nichts mehr zu hören. Hat sich die Stimmung aufgehellt?

Es gab sehr intensive Gespräche. Bei den Anmeldungen für das kommende Schuljahr lief in Belgern nicht alles glatt. Ich glaube aber nicht, dass es noch einmal eine solche heikle Situation geben wird. Übrigens werden in der Schildauer Grundschule wahrscheinlich in den Sommerferien umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt. Der Investitionsumfang beläuft sich hier auf 350000 Euro. 

Es schien, als ob Sie in den vergangenen Monaten stets um ein besseres Miteinander zwischen Verwaltung und Mitgliedern des Stadtrats bemüht waren. Trügt der Schein?

Ich habe den Eindruck, dass sich im vergangenen halben Jahr ein deutlich besseres Miteinander entwickelt hat. Dafür allen meinen Dank. Nur gemeinsam können wir dafür Sorge tragen, einen genehmigungsfähigen Haushalt auf die Beine zu bekommen. 

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