Donnerstag, 20. Januar 2022
Dienstag, 11. Januar 2022

Corona-Aus für Torgauer Szenekneipe

Yasmin Zindler (l.) und Kristin Lehmann arbeiteten drei Jahre in der Szenekneipe. Nun ist die Tuer zum Lokal verschlossen. Das hat das Team hart getroffen.Foto: Laura Krugenberg

von unserer Redakteurin Laura Krugenberg

Torgau. Das Lokal „Alter Hut“ musste zum Jahresende schließen. Zuvor verabschiedete sich das „Hut-Team“ in einem emotionalem Video. Was jetzt aus der Kultkneipe wird.

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Und schon wieder verliert ein Gastronom sein Geschäft durch die Pandemie. Der Betreiber der Kultkneipe „Alter Hut”, Julian Pusch, und sein Team verkündeten Ende Dezember die traurige Nachricht in den sozialen Netzwerken - Die Szenekneipe in der Holzweißigstraße muss schließen. Die Pandemie und die vielen Lockdowns haben es fast unmöglich gemacht die Kneipe am Laufen zu halten. Der “Alte Hut” war eine unvergleichliche Szenekneipe in Torgau für alle Altersgruppen. „Die Schließung ist ein herber Verlust für Torgau, vor allem weil es ein Treffpunkt für junge Leute war”, so Eigentümer Oliver Ulbricht.

 

Ein emotionaler Abschied   

Drei Jahre lang arbeiteten Kristin Lehmann (23) Yasmin Zindler (21) im Alten Hut. Jedes Wochenende arbeiteten die beiden, neben Abitur und Ausbildung in ihrem „Wohnzimmer”, so wie sie es nennen. Zu dem Betreiber, Julian Pusch, der sich nicht zur Schließung äußern möchte, sowie zu ihren Kolleginnen haben sie ein freundschaftliches Verhältnis. „Wir waren wie eine Familie. Gäste sind über die Jahre zu Freunden geworden. Es tut weh, das wir zumachen mussten”, erzählt Kristin.   Zum 31. Dezember verkündete das Team auf der Plattform Instagram, dass die Pandemie nun auch den Alten Hut getroffen habe und das lokal Schließen muss. In dem emotionalen Video bedankten sie sich für die schöne Zeit und bei ihren treuen Gästen, mit denen das Team unzählige schöne Momente und Abende verbrachte. „Das ganze Team hat hier wirklich viel Leidenschaft reingesteckt. Wir waren sowas wie die Mädchen für alles. Hauptsächlich haben wir an der Bar gearbeitet, aber manchmal waren wir eben auch Handwerker und Seelsorger. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht hie rzu arbeiten”, lächelt Yasmin.   

Erst 2018 übernahm Pusch das Lokal. Das erste Jahr lief mehr als gut – treue Stammgäste, die so gut wie immer da waren, sowie volles Haus am Wochenende. Damals hätte niemand gedacht, dass der Alte Hut einmal dicht machen müsste. Doch dann kam Corona und plötzlich war die Zukunft ungewiss. „Wir haben uns von einem Lockdown zum nächsten geschleppt. Das war unheimlich bedrückend, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht”, erinnert sich Kristin. Umso schöner ist die Erinnerung an die erste Wiedereröffnung nach langer Corona-Pause. Das Szenelokal war brechend voll, so die beiden. Gäste und Personal haben zusammen getanzt, gelacht und gesungen. „Eine meiner schönsten Momente im Hut. Die Leute haben uns gezeigt, dass sie uns vermisst und nicht vergessen haben”, erzählt Kristin. Umso tiefer sitzt der Schock, bei der 21-Jähirgen Yasmin, dass das alles von nun an der Vergangenheit angehört: “Der Hut war unser Wohnzimmer. Wir haben hier so viel Zeit verbracht. Ich kann es immer noch nicht richtig begreifen, dass das jetzt das Ende sein soll.”

Ereignisreiche Geschichte

Die Kultkneipe mit dem urigen Charakter gibt es seit 1995. Gegründet wurde der Alte Hut von Oliver Ulbricht, der auch Eigentümer des zweigeschossigen Hauses in der Holzweißigstraße ist. Etwa zehn Jahre lang betrieb er die Kneipe. „Das Geschäft hat geboomt. Bei uns war immer volles Haus”, erinnert sich der 56-Jährige. In den 2000ern entschied er sich dann das Lokal zu vermieten, um sich als Fotograf selbstständig zu machen. 2015 dann bereits das erste Bangen um den Hut: Ein Brand zerstörte die Innenräume der Kneipe so gut wie vollständig. Nach einer umfangreichen Sanierung erstrahlt das Lokal aber wieder im alten Glanz. 

Nicht das endgültige Aus

Ganz verschwindet der Alte Hut aber nicht von der Torgauer Bildfläche. Ulbricht will das Haus, in deren unterer Etage die Gasträume sind, Sanieren. Der Hut soll aber optisch kaum verändert werden. Nur andere Deko soll ihm neues Leben einhauchen. Dann will Ulbricht wieder selbst zum Gastwirt werden, aber nur bedingt. „Ich plane die Kneipe als Event-Location zu vermieten.” Perspektivisch soll die Kneipe als solche auch wieder für Live-Musik-Abende öffnen, aber in unregelmäßigen Abständen. Wann es so weit sein wird kann Ulbricht noch nicht abzuschätzen. „Den Hut, so wie er bis jetzt geführt wurde kann ich auch nicht erhalten. Ich arbeite hauptberuflich als Fotograf, da kann ich nebenbei nicht noch eine Kneipe betreiben.” 

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