Montag, 27. Juni 2022
Freitag, 28. Januar 2022

Vormittags Bürgermeister, nachmittags Malermeister 

Ehrenamtlicher Bürgermeister Stefan Schieritz. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Stefan Schieritz spricht im TZ-Jahrensinterview über Ehrenamt und Beruf und wichtige Vorhaben in den kommenden Monaten in der Gemeinde Elsnig. 

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Elsnig. Im großen Bürgermeister-Interview spricht Stefan Schieritz über Beruf und Ehrenamt, über Fördermittel und zu viel Bürokratie sowie über Rückkehrer und wichtige Investitionen. 

TZ: Erstmal Klartext Herr Schieritz. In Dommitzsch wird der Bürgermeisterstuhl frei. Möchten Sie nicht vielleicht Heike Karau beerben, die ja hauptamtlich tätig ist?

St. Schieritz: Nein, das kommt für mich definitiv nicht in Frage. Mir liegt die Region Elsnig am Herzen. Ich bin vor zwei Jahren hier angetreten, um die Gemeinde voran zu bringen und freue mich über jeden Erfolg, der inzwischen eingetreten ist. So soll es weitergehen. 

Kam die Entscheidung ihrer Amtskollegin für Sie überraschend? Was für einen Nachfolger wünschen Sie sich?

Also ich habe vollen Respekt vor dieser Entscheidung. Jeder muss die Überlegung für sich selbst treffen. Ich wünsche mir als Nachfolger jemanden aus der Region, der die Arbeit von Frau Karau mit Liebe und Leidenschaft fortsetzt, der mit der enormen Bürokratie klar kommt und der auch die Verwaltungsgemeinschaft mit Elsnig und Trossin im Blick hat. Wir als kleine Kommune wollen zwar eigenständig bleiben, müssen aber in vielen Dingen als Region gemeinsam denken und zusammenarbeiten. Das hat mit Frau Karau gut geklappt. Die Sicherung des Status „Grundzentrum“ ist ein Erfolg für uns alle. Ein wichtiges Projekt wäre auch ein gemeinsamer Hort in den Räumen der ehemaligen Mittelschule in Dommitzsch. Sobald ein Konzept mit konkreten Zahlen vorliegt, werden wir im Gemeinderat darüber befinden. 

Die Gewerbestraße nach Commende war ein Gemeinschaftsprojekt von Elsnig und Dommitzsch. Wie lautet ihr Fazit?

Ich hoffe, dass es damit gelungen ist, den Standort der Vandemoortele GmbH zu sichern, denn das war mal der eigentliche Sinn und Zweck des Großprojektes. Jetzt muss alles dafür getan werden, dass sich dieser Gewerbestandort in Dommitzsch entwickelt, dass sich auch auf dem Gelände der früheren A.TO neue Firmen niederlassen und dass Arbeitsplätze entstehen. Es ist wichtig, die Flächen zu vermarkten, denn wir wollen ja die Region verjüngen. 

Spüren Sie wie in anderen Gemeinden den zunehmenden Bedarf an Eigenheim-Bauplätzen?

Ja absolut. Wir haben jeden Monat mindestens ein bis zwei Anfragen. Unser Standort in der Waldsiedlung mit 19 Parzellen ist inzwischen voll. Für die letzten zwei Grundstücke laufen derzeit die Verhandlungen. Jetzt möchten wir gerne in Vogelgesang einen weiteren Eigenheimstandort mit 17 Plätzen erschließen. Ein Planungsbüro ist beauftragt. Der Gemeinderat soll in Kürze den Aufstellungsbeschluss fällen. Wir haben viele Rückkehrer aus den alten Bundesländern, die zurück in die Heimat wollen, weil es wieder Arbeit und Perspektiven gibt. Hier können auch mal Oma und Opa die Kinderbetreuung übernehmen. Auch in den Ortsteilen sind sämtliche Baulücken ausgefüllt, zahlreiche Ruinen sind verschwunden. Ich freue mich, wenn sich junge Familien ansiedeln. 

Merken Sie das in den Kindereinrichtungen?

Natürlich. Wir stoßen an Kapazitätsgrenzen. Im Hort sind 29 Kinder angemeldet und in Krippe und Kindergarten insgesamt 48 Kinder. Wir haben vor, die Einrichtung voraussichtlich nächstes Jahr zu modernisieren und zu erweitern, wenn es Fördermittel gibt. 

Wie wirkt sich das auf die Einwohnerzahl in der Gemeinde aus?

Die ist mit 1394 Bewohnern stabil geblieben. Es gibt keinen massiven Rückgang mehr wie noch vor einigen Jahren. 

Die Gemeinde Arzberg hätte gerne einen hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Das war nicht möglich, weil die Novelle des Freistaates noch nicht beschlossen ist. Wie sehen Sie das Thema?

Für mich war von Anfang an klar, dass es sich in Elsnig um ein Ehrenamt handelt. Es macht mir Spaß. Natürlich hat man ein ähnliches Arbeitspensum und Verantwortung wie ein hauptamtlicher Bürgermeister. Aber es spielen natürlich auch die Kosten eine Rolle, die für eine kleine Gemeinde wie Elsnig nicht von der Hand zu weisen sind. An dieser Stelle mal ein großes Dankeschön an meine Mitarbeiter in der Verwaltung insbesondere Regina Borkenhagen und an die Gemeinderäte für die große Unterstützung. 

Wie schaffen Sie den Spagat als ehrenamtliches Oberhaupt, Malermeister mit eigener Firma und Familienvater mit Frau und zwei Kindern?

Ich würde sagen, es läuft gut. Sowohl das Bürgermeisteramt als auch mein Malerberuf liegen mir sehr am Herzen. Und natürlich versuche ich soviel Zeit wie möglich der Familie zu widmen. Ich bin fast täglich im Elsniger Gemeindeamt, meist vormittags. Am Nachmittag steige ich selbst in den Maler-Overall oder erledige Büroarbeit. Zwei Mitarbeiter gehören zu meiner Firma. So wie es ist, macht es mir sehr viel Spaß. 

Worauf sind Sie in der noch relativ kurzen Bürgermeister-Amtszeit besonders stolz?

Dass es gelungen ist, in den anderthalb Jahren rund 600 000 Euro Fördermittel für verschiedene Projekte zu akquirieren. Wir konnten somit das Bürgerhaus in Mockritz sanieren einschließlich Dach, Fassade und Fenster, wir schaffen barrierefreie Zugänge an kommunalen Gebäuden und haben schon einen Teil der Bushaltestellen barrierefrei umgebaut. Es gibt noch viele weitere Vorhaben: Schaffung eines Bürgerhauses in Neiden, eines barrierefreien Spielplatzes in der Waldsiedlung und Erneuerung der Spielplätze in Döbern und Neiden. Auch hier gibt es schon Fördermittelzusagen. 

Was war für Sie der größte Aufreger im Jahr 2021 – mal Corona ausgenommen?

Das war der Großbrand am Österreicher, der uns mehrere Tage in Atem gehalten hat. Hier sind wir an Grenzen gestoßen und ich freue mich, dass die Zusammenarbeit mit den Kräften aus Dommitzsch und Trossin sowie aus den anderen Kommunen so gut geklappt hat. Damit gelang es, das Feuer im Sperrgebiet zu bändigen. 

Das Wasserproblem in der Weinske und in der Alten Elbe regt Sie nicht mehr auf? Sie hatten doch versucht, alle Behörden an einen Runden Tisch zu bekommen?

Doch ja. Wir dürfen wegen des Umweltschutzes kein Wasser anstauen noch sonst irgendwie zurückhalten. Das Problem ist nach wie vor präsent. Anderswo werden ganze Seenplatten künstlich erschaffen und es wird massiv in die Landschaft eingegriffen. Man muss aber auch gar nicht weit blicken: In der Nachbargemeinde darf ein Landwirtschaftsbetrieb mit Genehmigung der Behörden und womöglich noch mit EU-Fördermitteln eine riesige Beregnungsanlage errichten und kubikmeterweise Grundwasser zapfen, während unsere Gewässer und Brunnen versiegen. Das passt nicht zusammen. Das ist keine Kritik an den Landwirt, der nur seine Möglichkeiten nutzt. Mir geht es darum, die Interessen der Gemeinde zu vertreten und die örtlichen Flüsse und Gewässer zu retten. 

Vielleicht noch ein paar Worte zum viel genutzten Elberadweg, der nun seit 20 Jahren existiert. Die Gemeinde Elsnig hat den längsten Abschnitt im Altkreis Torgau. 

Nunja, wir müssen ihn mit unseren begrenzten personellen Kräften pflegen. Viele Einwohner nutzen ihn aber nicht, wenn sie auf direktem Wege nach Torgau möchten. Deshalb ist für mich sehr wichtig, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr bald einen Radweg entlang der Bundesstraße 182 errichtet. Die Strecke ist eng und viel frequentiert. Wer hier mit dem Rad fährt, riskiert Kopf und Kragen. 

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