Donnerstag, 30. Juni 2022
Freitag, 28. Januar 2022

Ein Lichtschein in der Dunkelheit: Torgauer gedenken der NS-Opfer

Foto: DIZ Torgau

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Stolpersteine in der Breiten Straße erinnern an das Schicksal der Familie Kukurutz.

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Ob Vertreter des Landtags, des Kreis- und Stadtrats oder der Bundeswehr – die Gedenkveranstaltung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten am Fort Zinna war am Donnerstag trotz coronabedingter Einschränkungen gut und prominent besetzt. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbehelligt gab es an jenem Abend aber noch einen zweiten Moment, der einen Lichtschein in die  mit Dunkelheit geflutete Breite Straße  brachte: Mitarbeiter des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Torgau suchten dort verlegte Stolpersteine vor dem Haus Nummer 4 auf, um mit Blumen und Kerzenlicht an das Schicksal der Familie Kukurutz zu erinnern. Max Kukurutz betrieb an jener Stelle in der damaligen Hermann-Göring-Straße eine Zahnarztpraxis, bevor er 1938 mit einem Berufsverbot belegt wurde worden war. Mit jener Geste erinnerte das DIZ Torgau an alle jüdischen Mitbürger in Torgau, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden. Einige von ihnen wurden ermordet, andere  überlebten. Insgesamt elf mahnende Stolpersteine sind in Torgau zu finden.

Während der Novemberpogrome 1938 war es auch in  Torgaus zu Ausschreitungen gekommen. Im Haus der Familie Kukurutz gingen Fensterscheiben zu Bruch. Max Kukurutz wurde von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Sein Besitz wurde beschlagnahmt. Nach sechs Wochen Haft konnte er durch die Vorlage einer Bescheinigung über seine Verdienste als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg seine Entlassung erwirken. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben dürfe und Deutschland verlassen müsse. Gleich fünf Stolpersteine erinnern vor der ehemaligen Zahnarztpraxis an nationalsozialistischen Haß und Fremdenfeindlichkeit. Beidem, so Ministerin Barbara Klepsch, müsse mit Zivilcourage begegnet werden. „Gesicht zu zeigen sind wir all den Opfern schuldig“, sagte sie während der Gedenkveranstaltung am Fort Zinna. Demokratie und Meinungsfreiheit dürften nicht nur eine innere Einstellung sein.

Michael Bagusat-Sehrt (Die Linke) betonte, dass es immer wichtiger werde, sich an das unfassbare menschliche Leid, welches der Nationalsozialismus mit sich gebracht habe, zu erinnern. Auch ohne lange Reden und Publikum habe Die Linke  gerade am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus die Geschichte nicht verblassen lassen“, sagte er. Frieden müsse man gewinnen und keinen Krieg. Dies sei die wahre Stärke der Gesellschaft. Für einen Krieg seien immer zwei Gegner verantwortlich. Für den Frieden benötige es nur jemanden, der anfängt, ihn gewinnen zu wollen. „Aus Torgau, der Stadt der Begegnung, muss wieder ein stärkeres Signal für ein friedliches Miteinander der Menschen ausgehen. Dafür mahnen nicht nur die Opfer von 1933 bis 1945, sondern auch die der jüngeren Vergangenheit“, sagte der Torgauer.

Stichwort Erinnern: Die Schüler des Torgauer Johann-Walter-Gymnasiums werden am 1. Februar ebenso an die Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten erinnern. In Zusammenarbeit mit dem DIZ Torgau werde es hier zur Mittagsstunde unter anderem eine thematische Lesung geben. Die Zusammenarbeit zwischen DIZ  und JWG besteht bereits seit vielen Jahren. Ein Ergebnis war beispielsweise die Übersetzung eines französischsprachigen Tagebuchs, das  der Luxemburger Joseph Stephany im Zweiten Weltkrieg als Häftling  im Militärgefängnis Fort Zinna niederschrieb. Das Tagebuch, so hieß es in dieser Woche aus dem DIZ, solle in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Museum für Militärgeschichte in Luxemburg in einer deutsch-französischen Fassung in den Buchhandel gebracht werden.

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