Sonntag, 27. November 2022
Samstag, 29. Januar 2022

Weitere Praxis macht dicht

Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Hausärztin Silvia Schurig aus Belgern gibt die Hoffnung noch immer nicht auf, einen Nachfolger zu finden.

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Mit der Nachricht, dass sich eine langfristige MVZ-Lösung für die Belgeraner Hausarztpraxis Schurig leider zerschlagen habe, sorgte Belgern-Schildaus Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU) zuletzt für Ernüchterung in der Rolandstadt.

Ursprünglich wollte Diplom-Medizinerin Silvia Schurig bereits zum Jahreswechsel ihre Praxis in die Hände eines Nachfolgers geben. Enge Kontakte waren längst zu einem genossenschaftlich organisierten Medizinischen Versorgungszentrum in Chemnitz geknüpft. Daher stellte eine sich abzeichnende dreimonatige Verlängerung ihrer Praxiszeit auch kein Problem für die Belgeranerin dar. Doch dass sich die in greifbarer Nähe befindliche Nachfolgelösung dann in Luft auflöste, macht Silvia Schurig und ihren Angestellten mächtig zu schaffen. Dabei habe alles doch so vielversprechend ausgesehen.

Durch dick und dünn

Der 31. März bedeutet nun das endgültige Ende der Praxis, die direkt an die B 182 grenzt. Mehr als 25 Jahre war diese Mannschaft gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Mit Praxishilfe Melita Witt aus Belgern und Sprechstundenschwester Silke Lehmann aus Döbeltitz, die an jenem Nachmittag beim TZ-Besuch ihren Dienst verrichteten, verabschieden sich zwei Mitarbeiterinnen direkt in die Rente. Dabei könnte Melita Witt diese eigentlich schon längst genießen. „Ich konnte aber Frau Schurig nicht alleine lassen“, begründete sie ihren Entschluss, warum sie auch mit 70 Jahren der Praxis noch immer zur Seite steht. Auch eine dritte und vierte Mitarbeiterin, Elvira Mahler und Christine Skotki, gehen mit Praxisschließung in den Ruhestand. Eine junge Mitarbeiterin ist gezwungen, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Diesbezüglich zeigte sich Silvia Schurig jedoch mehr als zuversichtlich. „Da wird es keine Probleme geben“, ist sie sich sicher. 

An jenem Nachmittag stehen für die Medizinerin noch Abrechnungen auf der Tagesordnung. Viele Abrechnungen. Ab 19 Uhr wartete zudem ein Bereitschaftsfahrdienst, der bis 7 Uhr am kommenden Morgen dauern wird. Überbordende Bürokratie und Stundenpensum sind, so glaubt die Allgemeinmedizinerin, Hauptgründe, warum der Beruf als Landarzt bei jungen Medizinern keinen hohen Stellenwert mehr hat. Bei ihr selbst fiel der Entschluss, in den Ruhestand zu gehen, vor zwei Jahren. „Rechne ich all meine Arbeitsstunden zusammen, käme ich wohl auf ein Alter von 80 Jahren“, sagt die 66-Jährige. 

Mehr Zeit für Familie

Viel zu oft haben Angehörige wegen ihrer verantwortungsvollen Arbeit hintenanstehen müssen. Das soll sich nun ändern. Neben ihrer Familie wird Silvia Schurig dann auch wieder mehr Zeit für ihren Garten finden. Auch für das Reisen – gerne nach Skandinavien oder nach Kroatien – wird mehr Zeit bleiben, zumal auch Ehemann Reinhold seine beruflichen Verpflichtungen an den Nagel hängen will. 

Obwohl der Traum von einer MVZ-Lösung verpuffte, hat die Belgeraner Allgemeinmedizinerin die Hoffnung auf eine Nachfolgelösung nicht aufgegeben. Auf einer Vielzahl an Plattformen im Internet sei bereits dafür geworben worden. Erfolglos. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung, die eigentlich  für die medizinische Versorgung verantwortlich zeichnet, wurden zig Gespräche geführt. Erfolglos. Auch mit der Arbeitsgruppe „Ärzte“ des Belgern-Schildauer Stadtrats sei gesprochen worden. Diese, so kündigte Bürgermeister Gläser an, werde weiterhin alles daran setzen, Silvia Schurig bei der Suche behilflich zu sein.

Werbung für Standort

Zunächst wird die Praxis nach der Schließung bis zum Jahresende unangerührt bleiben, da auch noch ein großes Pensum an Nacharbeiten besteht. „Findet sich jemand, könnte er sofort loslegen“, wirbt Silvia Schurig für den Standort in Belgern. Ihre Patienten haben sich zu Teilen bereits um neue Hausärzte bemüht. Nicht alle waren dabei bislang erfolgreich. „Viele Patienten haben meine Belgeraner Kollegen Albrecht und Funk aufgenommen. Zudem halfen Hausarztpraxen in Cavertitz, Mühlberg und Dahlen. Einzelne Patienten hatten zudem in Strehla Glück“, richtete Schurig ein großes Dankeschön an ihre Kollegen.

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