Montag, 27. Juni 2022
Montag, 31. Januar 2022

Familie Prinz schraubt in fünfter Generation an Autos

Norbert Töpfer

Stefan Prinz (51) führt die kleine Werkstatt in Schildau, die es schon seit 1906 gibt. Sohn Collin könnte einmal die Nachfolge antreten.

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Die Geschichte der Familie Prinz in der nordsächsischen Kleinstadt Belgern-Schildau ist mit Sicherheit einmalig. 1906 (!) gründete Hermann Prinz die noch heute bestehende Autowerkstatt im Stadtteil Schildau, der von Belgern 20 Kilometer entfernt liegt. Allein dieser Fakt ist ein Novum in Deutschland. 7647 Einwohner zählt dieses eigenartige Stadtgebilde. 

Dabei hatte die Firma Prinz nach der Gründung noch nichts mit Autos zu tun. „Meine Vorfahren haben zunächst Pferdekutschen gebaut. Zu unserem Betrieb gehörte damals auch eine Schmiede. Und 1910  eröffnete mein Ur-Ur-Ur-Opa die erste Tankstelle in Schildau“, berichtet Stefan, der nach dem völlig überraschenden Tod seines Vaters Peter im Jahr 2008 die Autowerkstatt übernahm. Er war damit der fünfte „Prinz“, der das Unternehmen führt. 

„Das Ableben meines Vaters kam für uns völlig überraschend. Ich wurde praktisch als neuer Chef ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich der 51-Jährige, der mit 38 Jahren die Leitung der Autowerkstatt übernahm. Er ist der Geschäftsführer des Einzelunternehmens. Unterstützt wird Prinz von seiner Frau Stefanie, die für die Büroarbeit verantwortlich ist. „Wir sind im letzten Jahr als Firma gut gewachsen.“ 

Zum Werkstatt-Team gehört Marcel Stiller, gebürtiger Schildauer. Er kehrte nach einer Ausbildung bei VW in Dachau bei München zu seinen Wurzeln nach Nordsachsen zurück. Kfz-Meister Jörg Pfitzner verstärkt mit großer Berufserfahrung seit September 2021 das „Prinz-Team“. Der Firmenchef denkt auch an die Zukunft. So bildet er mit Max Packhäuser einen Lehrling aus der Region zum Kfz-Mechatroniker aus. 

Der Schwerpunkt der Schildauer Firma ist die Reparatur von Autos. „Wir haben zahlreiche Kunden mit Pkw, die älter als zehn Jahre sind. Deshalb sind auch Mitarbeiter der Dekra und der Gesellschaft für technische Überwachung zweimal in der Woche vor Ort.“ 

Prinz hilft seinen Kunden bei Bedarf auch beim Autokauf. „Ich habe durch meinen vielen Jahre, die ich in dieser Branche tätig bin, zahlreiche Kontakte mit seriösen Autohäusern. Die nutze ich, um meinen Kunden zu helfen.“ 

Zu DDR-Zeiten wurden in der Prinz-Werkstatt die Zweirad-Marken Jawa und Simson repariert, was die Schildauer Firma auch überregional bekannt machte. Die Besitzer der Marken Trabant, Wartburg und Lada wussten, dass ihnen bei Problemen in der Stadt der Schildbürger stets geholfen wird. 

Prinz ergänzt, dass Opa Heinz mit seiner Frau in den sechziger Jahren ein privates Taxi-Unternehmen führte. Und das in Zeiten des Sozialismus in der sogenannten DDR. 

Stefan Prinz ist natürlich froh, dass er vom Werkstatt-Sterben in Sachsen nicht betroffen ist. „Wir können sogar sagen, dass es trotz der Corona-Pandemie gut läuft. Das liegt an unserem großen Kundenstamm, der uns seit vielen Jahren die Treue hält. Die Werkstatt ist ausgelastet mit Aufträgen. Unser Einzugsgebiet reicht bis Leipzig. Einige Einbußen mussten wir aber auch hinnehmen, weil zahlreiche Kunden in diesen schwierigen Corona-Zeiten im Homeoffice arbeiten. Sie pendeln dadurch nicht zu ihren Arbeitsorten und konnten so zahlreiche Kilometer sparen. Ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass wir nie ernsthafte wirtschaftliche Probleme hatten. 2013/14 hatten wir mal eine Delle. Aber gewackelt haben wir nie.“ 

Stefan Prinz kann sogar hoffen, dass ein sechster Prinz irgendwann die Schildauer Firma übernimmt. Sohn Collin ist aber erst zwölf Jahre alt. „Er schraubt sogar schon an seinem Fahrrad. Meine Frau und ich werden ihn natürlich nicht unter Druck setzen“, sagt Vater Stefan. 

Als ehemaliger erfolgreicher Fußballer der TSV 1862 Schildau sei es für Prinz selbstverständlich, den Verein als Sponsor zu unterstützen. Klar, dass er sich auch die Heimspiele der ersten Mannschaft in der Nordsachsen-Liga meist anschaut. Allerdings erlebte Prinz noch die Glanzzeiten der Schildauer mit. „Der Aufstieg in die Bezirksklasse im Jahr 1996 war ein Höhepunkt in meiner sportlichen Laufbahn. Kurz vor Saisonende kam es in der Kreisliga zum Top-Spiel in Schildau gegen das starke Team des SSV Torgau. Wir gewannen vor 600 Zuschauern mit 3:1. Danach konnte uns keiner mehr aufhalten.“ Und die Jungs belohnten sich für ihre Spielweise weiter mit Erfolgserlebnissen. Denn in der Bezirksklasse schafften die Schützlinge von Trainer Harald Kaubitzsch als krasser Außenseiter drei Jahre hintereinander den Klassenerhalt. Danach stiegen sie ab.

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