Montag, 27. Juni 2022
Montag, 21. Februar 2022

Die Perle Ostelbiens - jetzt in neuen Händen

Rittergut Adelwitz mit Filmausschnitt und Bierdeckel. Foto: Repro TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Adelwitz. Durch einen Werbespot der Krostitzer Brauerei schaffte es Rittergut Adelwitz sogar bis ins Fernsehen. Dann wurde es viele Jahre still. Jetzt gibt es mit einer neuen Eigentümerin eine Zukunft für den Landsitz.

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Es ist eines der schönsten Rittergüter im ostelbischen Teil des Landkreises. Eine Perle. Schloss Adelwitz hat eine lange und wechselvolle Geschichte aufzuweisen. Eine, die bis ins 17. Jahrhundert reicht. Durch einen Werbespot der Brauerei Krostitzer schaffte es das ehrwürdige Gemäuer sogar bis ins Fernsehprogramm. In den 1990er-Jahren warb das Unternehmen für sein „Premium vom Lande“ und ein Millionenpublikum bekam täglich bei         Sat 1, RTL, Pro 7 und MDR die prachtvolle Rückseite des Schlosses zu Gesicht. 

Auf glanzvolle Zeiten folgte ein tiefer Fall – Leerstand und Tristesse. Ein Dornröschenschlaf, der sich viele Jahre hinzog. Händeringend suchte Familie Langbein nach einem Käufer.  Jetzt endlich gibt es die ersehnte Erfolgsmeldung: Das herrschaftliche Anwesen hat den Besitzer gewechselt. Schloss Adelwitz sieht einer neuen Zukunft entgegen. Karin Langbein war dieser Tage die Freude anzumerken. „Hauptgebäude, Stall und Park sind veräußert“, bestätigte sie. 

Vier Hektar Park und zwei Hektar Hof gehören zum Paket, das überschrieben wurde. „Nun sind wir dabei, auch noch für die Brennerei einen Interessenten zu finden“, erklärte Karin Langbein. Das ehemalige Technologiezentrum sei komplett ausgebaut und bezugsfertig. Großer Renovierungsbedarf bestünde nicht, warb die Adelwitzerin für den roten Backsteinbau an der Frontseite des Hofes. Im Übrigen werde es auch für den benachbarten Reitverein, der Teile des Grundstückes nutzt, keine Veränderungen geben, fügte sie hinzu. 

War Schloss Adelwitz nach der Wende beliebter Anlaufpunkt für Besucher und zum Teil weit gereiste Gäste, dürfte sich das in Zukunft aber völlig ändern. Nach Informationen dieser Zeitung möchte die neue Eigentümerin – eine Ärztin aus der Schweiz, die familiäre Wurzeln in der Region hat – das Kulturdenkmal aus der öffentlichen Wahrnehmung völlig raushalten. Es sei keinerlei Interesse vorhanden, das Anwesen in irgendeiner Form touristisch zu vermarkten, übermittelte sie. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Das Objekt werde nur noch zu Wohnzwecken genutzt, hieß es.

Nach der Wende sah das freilich komplett anders aus. Damals war das Rittergut stark frequentiert. Mit viel Aufwand und Liebe hatte Familie Langbein die verfallenen Gebäude saniert und wieder im altehrwürdigen Stil hergerichtet. Mit Türmchen, Ornamenten, Sandstein-Portal und herrschaftlichem Glanz. Es entstanden ein Restaurant, ein Hotel mit 14 Zimmern, eine zu vermietende Dachgeschosswohnung und zwei Säle zur Nutzung. 

Hinter dem Schloss konnten die Besucher durch einen herrlichen Park mit Teich und Garten schlendern. So manches Hochzeitspaar der Region schritt die breiten Stufen hinab und feierte hier die wohl aufregendsten Stunden im Leben. Sicher erinnern Dutzende Familienbilder in privaten Fotoalben an diese Momente des Glücks. Die gute Küche im Restaurant hatte sich bei Ausflüglern weit herumgesprochen und vor allem im Sommer erlebte Adelwitz regen Zulauf. 

Dabei war Familie Langbein Anfang der 1990er-Jahre nichts in den Schoß gefallen. Sie musste das völlig heruntergekommene Grundstück – weil sie ja nicht als ehemalige Besitzer galten – kaufen und dann mit der Sanierung einen ungeahnten Kraftakt stemmen. Die Bausubstanz war schlimm. Zum Teil viel schlimmer als befürchtet. Die Wiedergeburt von Rittergut Adelwitz glich einem Fass ohne Boden. Sämtliches Eigenkapital und nur eine begrenzte Summe an Fördermitteln flossen in den Umbau. Die Familie musste Kredite aufnehmen, Schulden machen. Gut sechs Millionen D-Mark hatte es gekostet, die herrschaftlichen Gebäude vor dem Verfall zu retten. 

Wissenschaftler Dr. Gerhard Langbein baute die alte Brennerei zu einem Technologiezentrum für Werkstoff-Entwicklung auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Supra-Leiterkeramik um. In Fachkreisen fanden die Laborversuche internationale Beachtung. Seine Frau Ingrid hatte ihre  Kindheit auf Schloss Adelwitz verbracht. Sie war die Tochter der ehemaligen Hauslehrerin (Gouvernante) der Gutsfamilie Nette. 

Alles hat seine Zeit: 1994 eröffnet, kam für Hotel und Gaststätte im Jahr 2010 die Schließung. Nach Angabe von Familie Langbein sorgten vor allem horrende Trink- und Abwasser-Anschlussgebühren für das Aus. Es begann die Suche nach einem Käufer. Eine Suche, die sich über zehn Jahre hinzog. In der Gemeinde Arzberg ist man froh darüber, dass sich ein Happy End andeutet.

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