Mittwoch, 23. Februar 2022

Weltneuheit in den Händen der Dommitzscher Feuerwehr 

Brennt ein E-Auto, kommt das neue Löschsystem zum Einsatz. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Dommitzsch ist die erste freiwillige Wehr in Ostdeutschland, die das neue Rosenbauer Akku-Löschsystem für E-Autos anschafft. 

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Das Interesse war riesig. Man spürte, dass da am Dienstagabend vor dem Dommitzscher Gerätehaus etwas ganz Besonderes präsentiert wurde. „Eine Weltneuheit“, so hatte es Wehrleiter Bernd Schlobach im Vorfeld angekündigt. Dommitzsch ist die erste freiwillige Feuerwehr in Ostdeutschland, die ein neues Löschsystem für brennende Akkus bei Elektrofahrzeugen erworben hat. Entwickelt wurde es von Spezialisten der Firma Rosenbauer. 

So waren am Dienstag Feuerwehren aus Torgau, Oschatz, Schkeuditz und Elsnig vor Ort, um die Lehrvorführung mit Spannung mitzuverfolgen. Ein Fernsehteam des MDR-Sachsenspiegel filmte fleißig mit. Staatsminister Gemkow hatte seine Büroleiterin entsendet und vom Landkreis Nordsachsen war Jens Kabisch, Dezernent und Beigeordneter, anwesend.  Vor allem, als es an die praktische Demonstration an einem Übungsauto ging, standen Fotoapparate und Handykameras kaum still. Der kleine Smart, oder besser gesagt, die Attrappe eines solche E-Autos, wurde an jenem Abend gleich mehrfach „gelöscht“. Danach stand noch ein gemeinsamer fachlicher Austausch bei Bratwurst und Getränken auf dem Programm. Die Dommitzscher erwiesen sich als aufgeschlossene Gastgeber. 

„Wir sind im Oktober bei der Messe Florian in Dresden auf das Gerät aufmerksam geworden und waren beeindruckt“, sagt Bernd Schlobach. Jedes Jahr reisen Wehrleitung und Zugführer der Dommitzscher Wehr in die Landeshauptstadt, um sich über technische Neuheiten zu informieren. „Bislang hätten wir bei einem brennenden E-Auto wenig ausrichten können, außer es abfackeln zu lassen. Der Akku flammt immer wieder auf, selbst wenn man die Hülle des Fahrzeuges löscht. Deswegen lehnt auch der Abschleppdienst den Abtransport ab“, erklärt der Feuerwehr-Chef das Problem. Man könne das Brand-Fahrzeug höchstens im Löschcontainer versenken. Dann aber wären 3000 Liter Wasser kontaminiert. Das neue Rosenbauer Akku-Löschsystem benötigt im Vergleich dazu nur 60 bis 120 Liter Wasser. 

„Im Oktober sahen wir die Möglichkeit, das Gerät mit  kräftigem Messe-Rabatt  kaufen zu können. Die Stadträte gaben gerne ihre Zustimmung, 6800 Euro aus dem Feuerwehr-Budget für die Anschaffung freizulenken“, so Bernd Schlobach. Es sei davon auszugehen, dass viele andere Kommunen in den nächsten Monaten nachziehen. „Die Elektromobilität schreitet voran. Geht es nach dem Willen der Regierung, sollen bis Ende des Jahrzehnts 15 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen rollen. 

„Auch wir haben in der Region zahlreiche Bundes- und Landstraßen und werden früher oder später mit der Situation konfrontiert“, ist der Dommitzscher überzeugt. In den Medien war in den vergangenen Wochen immer wieder mal zu lesen, dass Elektrofahrzeuge brannten. Mit der jüngsten Anschaffung sei die Lage beherrschbar. Das nur 40 mal 40 Zentimeter große und komplett analoge Geräte, das mechanisch und mit Luftdruck funktioniert, gehört ab sofort zur Ausstattung des Dommitzscher HLF 1 (Hilfslöschfahrzeug) und kann – falls benötigt – auch überregional angefordert werden. 

Laut Hersteller sind Fahrzeug-Brände somit schnell in den Griff zu bekommen. Bei einem E-Auto, das 15 Minuten lodert, dürfte es etwa vier Minuten dauern, bis die Flammen an der Karosse gelöscht sind. „Anschließend wird mit dem Rosenbauer-System der Akku platt gemacht. Mit einer Kraft von 6000 Kilogramm schießen am Unterboden des Fahrzeuges 40 bis 60 Liter Wasser direkt in das Innere der Batterien. Das geschieht innerhalb einer Millisekunde. Damit erfolgt das vollständige Löschen und Kühlen“, beschreibt der Wehrleiter den Vorgang. Im Ernstfall wäre die Gefahr mit Anbringen und Aktivieren des Systems  innerhalb weniger Minuten gebannt. 

Das System wurde in zahlreichen Brandtests von Rosenbauer mit unterschiedlichsten Akkubauweisen in verschiedenen Fahrzeugplattformen getestet. Zusätzlich haben Werk-, Berufs- und freiwillige Feuerwehren in ganz Europa das System seit einigen Monaten erfolgreich in Gebrauch. Was Wehrleiter Bernd Schlobach noch freut: Das Gerät trägt dazu bei, im Ernstfall Schadstoffe in der Luft zu verringern und den Einsatz von Löschwasser zu reduzieren. Man leistet also auch einen Beitrag zum Umweltschutz. 

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